Henrik Moor

Henrik Moor (* 22. Dezember 1876 in Prag; † 10. November 1940 in Fürstenfeldbruck, auch Heinrich Moor) war ein deutsch-österreichischer Porträt- und Landschaftsmaler ungarisch-jüdischer Herkunft. Er war ein Bruder des Pianisten, Komponisten und Erfinders Emanuel Moor.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Moor studierte an der Münchner Akademie unter Otto Seitz, in weiterer Folge in London und Paris. Seit 1908 lebte er mit seiner Familie in Fürstenfeldbruck. 1900 nahm er zum ersten Mal an der Jahresausstellung der Münchner Künstlergenossenschaft im Glaspalast in München teil. 1911 schloss er sich der Luitpold-Gruppe[1] an und war bis 1917 Jurymitglied dieser Münchener Künstlervereinigung, wo er auch ausstellte.

Im Ersten Weltkrieg wurde Moor zum Landsturm eingezogen. Sofort nach seiner Einrückung bewarb er sich um einen Posten als Kriegsmaler in der Kunstgruppe des k.u.k. Kriegspressequartiers, welcher er im März 1918 zugeteilt wurde. Im April 1918 nahm er an einer Frontexkursion an die Piavefront teil (I. Korps, 11. Armee), wo er in Feltre die zwei Piloten der Fliegerkompanie Nr. 66 Karl Urban, Eugen Macher sowie den Beobachter Ladislaus Kullmann porträtierte. Im Herbst 1918 hielt er sich in Cetinje, Montenegro auf.[2]

Werke (Auswahl)

  • Bildnis des Malers Professor Fritz Baer, 1913, Öl auf Leinwand, 110×100 cm (Städtische Galerie im Lenbachhaus München)
  • Pablo Casals, um 1914, Öl auf Leinwand, 95×75 cm (Sparkasse Fürstenfeldbruck)[3]
  • Geheimrat Wieland mit Ehefrau Josefine und Freunden beim Zwirbelspiel, ca. 1915, Öl auf Leinwand, 145×100 cm (Bayerische Staatsgemäldesammlungen München)
  • Porträt Feldpilot Stabsfeldwebel Karl Urban, 1918, Öl auf Leinwand, 70×60 cm (Heeresgeschichtliches Museum Wien)
  • Porträt Feldpilot Hauptmann Dr. Eugen Macher, 1918, Öl auf Leinwand, 70×60,5 cm (Heeresgeschichtliches Museum Wien)
  • Porträt Beobachter Leutnant Ladislaus Kullmann, 1918, Öl auf Leinwand, 65×43 cm (Heeresgeschichtliches Museum Wien)
  • Dr. Owlglass, 1920, Öl auf Leinwand, 55,5×44 cm (Deutsches Literaturarchiv Marbach)
  • Interieur, o.J., Tempera auf Pappe, 65×50 cm (Stadtarchiv Fürth / Städtische Sammlungen)

Literatur

  • H. Marchand: Henrik Moor. In: Der Zwiebelfisch. Zeitschrift über Bücher, Kunst und Kultur. München, 23. Jg. 1930/31, Heft 2, S. 64-67
  • Heeresgeschichtliches Museum (Militärwissenschaftliches Institut): "Fliegen 90/71", Katalog zur Ausstellung, Band II: Fliegen im Ersten Weltkrieg, Gemälde und Zeichnungen. Wien 1971.
  • Walter G. Well: Maler im Fürstenfeldbrucker Land, S. 72-75. Herausgegeben von der Kreis- und Stadtsparkasse Fürstenfeldbruck. München: Hirmer Verlag, 1988. ISBN 3-7774-4970-9
  • Münchner Maler im 19./20. Jahrhundert (bearbeitet von Horst Ludwig), Band 6, S. 91-94. München: Bruckmann, 1994. ISBN 3-7654-1806-4
  • Henrik Moor. Eine Ausstellung im Stadtmuseum Fürstenfeldbruck 16. Dezember 1995 bis 26. Februar 1996, veranstaltet und herausgegeben von Kester-Haeusler-Stiftung, Sparkasse und Stadt Fürstenfeldbruck (darin auch eine Studie über Moor von Renate Wedl-Bruognolo). Fürstenfeldbruck 1995. ISBN 3-931548-08-2
  • Klaus Wollenberg: Wir fordern Sie auf, Ihre arische Abstammung nachzuweisen… Der jüdische Maler Henrik Moor in den Jahren des Dritten Reiches. In: Amperland. Heimatkundliche Vierteljahresschrift für die Kreise Dachau, Freising und Fürstenfeldbruck, 41. Jg. 2005, Heft 1, S. 5-11. ISSN 0003-1992

Einzelnachweise

  1. Anita-Moor-Stiftung: Lebenslauf von Henrik Moor
  2. Heeresgeschichtliches Museum (Militärwissenschaftliches Institut): "Fliegen 90/71", Katalog zur Ausstellung, Band II: Fliegen im Ersten Weltkrieg, Gemälde und Zeichnungen. Wien 1971, S. 35
  3. Abbildung des Gemäldes