Herren von Hagenau

Wappen der Herren von Hagenau

Die Herren von Hagenau sind ein altes bayrisch / österreichisches Adelsgeschlecht, das nachweisbar ab dem 10. Jahrhundert existiert.

Inhaltsverzeichnis

Wappen

Das Stammwappen der Hagenauer ist ein „redendes Wappen“. Die Wappenbeschreibung lautet: Ein Hagenbaum (Strauch) auf einem Hügel. Oben ein geschlossener Turnierhelm mit zwei Büffelhörnern. Das Wappen findet man unter anderm auf dem Epitaph der beiden Mitstifter von Stift Seitenstetten Reginbertus von Hagenau und Hayde und seiner Frau Helena in St. Pölten (um 1137), im Siegel von Abt Seifridi de Hagenau (von Melk 1368), oder auch im Siegel von Abt Dominicus von Hagenauer (in St. Peter in Salzburg 1786), abgebildet.

Herkunft und Verbreitung

Die Herren von Hagenau sind eines der ältesten österreichischen Geschlechter. Erstmalig wurden sie urkundlich im Jahre 993 als nobilis de Hagenau erwähnt. Der Namen unterlag im Laufe der Jahrhunderte einem Wandel und so finden wir die Hagenauer in verschiedenen Urkunden auch unter dem Namen Hagenowe, Hagenower und schließlich als Hagenauer wieder. Ursprünglich aus der Gegend bei Freising waren sie in Bayern, Ober- und Niederösterreich ansässig.

Die Hagenauer waren ein vielverzweigtes und weitverbreitetes Geschlecht und werden (von Koch-Sternfeld) zur großen Sippe der Huosi (Huosierer) und Andex (Andechser), in näherer Beziehung der von Tauer und Hohenwart, gezählt. Pangraz sieht in den Hagenauern eine Seitenlinie der Grafen von Ottenburg-Kreglingen.

Wir finden als ältesten Sitz der Hagenauer einen Weiler Hagenau, ein „Dorff sampt eim Vorst oberhalb Schrobenhausen“. Gumpoldus nobilis de Hagenowe (Guntpold von Hagenau um 1080/1090), besaß laut einer alten österreichischen Chronik ein Lehen in der Grafschaft Neuburg am Inn. Er ist der Ahnherr aller weiteren Linien der Herren von Hagenau / Hagenauer.

Alle drei Linien stammen von diesem Guntpold von Hagenau (um 1078) ab. Später werden das Schloss Hagenau bei Braunau sowie die Burg Hagenau (heute nur noch kleine Fragmente) in Niederösterreich mit einer Kirche zu St. Peter (im Wiener Wald bei Kasten und Böheimkirchen) genannt. Bereits im 12. Jahrhundert war das Geschlecht in drei Linien verzweigt. Zwei Linien siedelten südöstlich, sodass wir gleichzeitig drei Stamm- und Burggebiete Hagenau vorfinden. Ein oberbayrisches, eines weiter südlich am Inn und ein Drittes in Niederösterreich.

Die drei Stammsitze waren:

  • Stammsitz Hagenau bei Schrobenhausen, Erbbegräbnis zu Weihenstephan bei Freising
  • Stammsitz Hagenau rechts der Perschling (Grenze zum Wienerwald), Erbbegräbnis ad Sanctum Hippolytum (St. Pölten) an der Traisen
  • Stammsitz Hagenau bei Rott am Inn (Braunau), Erbbegräbnis Kloster Reichersberg

Obwohl die Informationen über die Hagenauer spärlich sind, kann man ihnen folgende Besitzungen eindeutig zuordnen: Sandelzhausen, Natz bei Brixen, Seeon, Pellhausen und „Studesacker“, Olzenbach und in Bergistrien, Maisbach, Puch, Eggenberg, Hagenau (lehenbare Vogtei über den Neustifter Klosterhof und den Ortskirchenbesitz), Schroßlach (lehnbare Vogtei über den Neustifter Klosterhof), Salmading (Vogtei) und Praitenwiesen.

Die Stammburg des oberösterreichischen Zweiges der Hagenauer (das "Schloss" Hagenau bei Braunau), war Besitz des Hartwich von Hagenau, der jüngere Bruder des Bischofs von Passau Reginbert von Hagenau. 1146 ernennt Reginbert seinen Bruders Hartwig zum Vogt des Spitals in Vöcklabruck. Reginbert überzeugte den verheirateten aber kinderlosen Hartwig ein Testament zu Gunsten des Passauer Bistums bezüglich seiner Besitzungen zu machen, bevor sich Hartwig auf den Kreuzzug begab. Tatsächlich kommt Hartwig 1149 im Kreuzzug um, Reginbert war bereits 1147 auf dem Kreuzzug gestorben. Ein Streit um Hartwigs nachgelassene Güter zwischen dessen ältesten Bruder Werinhart von Hagenau mit dessen Söhnen und der Witwe Hartwichs ist die Folge. Das Bistum Passau, das ja bereits zu Lebzeiten von Hartwig einige Güter überschrieben bekommen hatte, meldete ebenfalls seine Ansprüche an. Es kommt zum Streit und Herzog Heinrich hält einen Gerichtstag ab, wo er zu Gunsten des nunmehrigen Bischofs Konrad I. von Passau entscheidet. Hartwigs Neffen, die Söhne Werinharts von Hagenau, werden ausbezahlt. Fälschlicherweise wird Hartwig öfters als Letzter aus dem Geschlecht der Herren von Hagenau bezeichnet, was aber bereits seit Koch-Sternfeld widerlegt ist. Tatsache ist, dass er nur der letzte Besitzer dieses Zweiges der Burg und des Lehens Hagenau bei Braunau war, das Lehen selbst aber als solches an die Hagenauer bald vergeben werden sollte. Die Witwe Hilltegarde von Hagenau vollzog 1150 gezwungener Maßen das Vermächtnis, übergab das Lehen dem Passauer Bischof und zog sich in ein Kloster zurück. Das Passauer Bistum vergab darauf 1152 dieses Lehen an die niederösterreichische Linie der Herren von Hagenau. Diese verloren es aber abermals um 1239/40 durch erneute Streitigkeiten mit dem Hochstift Passau und in Folge auch mit Herzog Otto II.. Ludwig von Hagenau nimmt einige Hörige und Amtsmänner des Hochstifts Passau gefangen und vertreibt diese aus dem Hoheitsgebiet von Passau. Darauf hin werden Ludwigs Besitzungen großteils beschlagnahmt. Vor allem aber nach seinem Tod, wurden alle restlichen Besitzungen einerseits vom Hochstift Passau, vor allem aber von Herzog Otto II. von Bayern eingezogen. Ludovicus von Hagenauers urkundlich erwähnten Söhne Gebehardus de Richstorf und Gebhartus junior de Hagenau waren somit verarmt. Um 1400 übernahmen das Geschlecht der Ahamer die Burg. Da sich diese neuen Besitzer ebenfalls nach der Burg nannten, ist eine Verwechslung mit den Hagenauern leicht möglich. Hier lassen sich jedoch keine direkten verwandtschaftlichen Beziehungen zu dem Geschlecht der Hochfreien von Hagenau nachweisen, obwohl das Ahamer Geschlecht nach Bucelini „mit den Bannerherren v. Hagenau einen Ursprung hat“. Im 16. Jahrhundert wurde auf den Ruinen der ehemaligen Burg Hagenau bei Braunau das heutige Renaissanceschloss erbaut, welches mit den Hagenauern nur mehr der Namen verbindet. Heute ist das Schloss Hagenau (seit 1829) im Besitz der Freiherren von Handel. Die Burg in Niederösterreich und der Stammsitz in Bayern wurden ebenfalls geschleift und sind heute nur mehr Ruinen beziehungsweise Fragmente.

Der Wandel der politischen und sozialen Verhältnisse seit dem Ende des 12. Jahrhunderts isolierte die Hagenauer zunehmend. Im 13. Jahrhundert erscheinen die Hochfreien Hagenauer noch auf der gleichen Stufe mit den Reichsministerialen. Die Entstehung der Wittelsbacher in diesem Raum, als auch der Niedergang des Hochstiftes Freising als Landesherrschaft, trug dazu bei, dass das Geschlecht von seiner einstigen Höhe herabsank. Schließlich gingen sie im 14. Jahrhundert in der Ministerialität unter, vereinzelt tauchen sie im 15. Jahrhundert in verschiedenen Urkunden auf und ließen sich schließlich unweit von Salzburg nieder. Im 16. Jahrhundert finden wir Hagenauer (= von Hagenau) als freie Bauern und Müller bei Salzburg, im 17. Jahrhundert als Handelsherren in Salzburg.

Die Hagenauer tauchen in verschiedenen (vor allem kirchlichen) Erb-, Tausch- und Stiftungsurkunden auf, oftmals auch als Zeugen. Die wohl bekannteste Urkunde ist eine Schenkungsurkunde aus dem Jahre 996, in der Österreich erstmals urkundlich erwähnt wurde. Darin ist eine Schenkung Kaiser Ottos III. an den Bischof von Freising Gottschalk von Hagenau festgehalten, nämlich eines Gebietes „in der gewöhnlich Ostarrichi genannten Region”. Diese Urkunde wird heute im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München aufbewahrt.

Anhand der Urkunden lassen sich die enge politische Verwebung von Adel und Kirche im Mittelalter, sowie auch der „Gottesdienst“ als ritterliche Tugend nachvollziehen. Der christliche Glaube nahm bei dieser Familie einen sehr hohen Stellenwert ein. Nebst kirchlichen Stiftungen, Schenkungen und Ausrichten von Messen finden wir mehrere Mitglieder der Hagenauer Familie unter dem Klerus wieder.

Namensträger

  • Gottschalk von Hagenau, Bischof von Freising (994–1006)
  • Gumpoldus (Guntpold) nobilis de Hagenowe (urkundlich 1078–1091), Lehen in der Grafschaft Neuburg am Inn, Ahnherr aller weiteren Linien der Hagenauer
  • Reginbertus von Hagenau (auch Reimprecht), Domvogt von Passau, Vogt von Kloster Mondsee, in erster Ehe mit Gräfin von Haunsberg verheiratet. In zweiter Ehe mit der verwitweten Helena von Lanzendorf (geborene Gräfin von Stille und Heft). Besitzer mehrerer Lehen und der Burg Hagenau in Kasten bei Böheimkirchen in Niederösterreich. Er war im Jahre 1112 Mitstifter des Klosters Seitenstetten. Reginbert I. und seine Frau Helena galten als sehr fromm, Reginbertus von Hagenau wird als „in Ruhe der Heiligkeit gestorben“ genannt.
  • Reginbert von Hagenau (der Jüngere), 1130 Propst des Stiftes St. Pölten, 1138–1148 Bischof von Passau. Gestorben im 2. Kreuzzug.
  • Friedrich von Hagenau, um 1170, Raubritter bei Wasserburg a. Inn, Dienstleute des Herren von Hagenau raubten Getreidelieferungen von einem Kloster, erstatten diese jedoch wieder.
  • Erchenbertus de Hagenowe (Hagenau), in den Passauer Bischofsregesten um 1172
  • Leutold von Hagenau stiftete für sein Seelenheil, das seiner Brüder, Söhne und der ganzen Familie zwischen 1176 und 1190 ein Gut in dem Dorfe Sewen an die Abtei Weihenstephan (bei Freising).
  • Der Freie Ludovicus von Hagenau (Hagenowe), gest. 1239, besaß etliche verstreute Güter in Bayern, Ober- und Niederösterreich. Allerdings kommt es auf Grund nicht klarer Besitzverhältnisse (Urbaraufzeichnungen) zu massiven Konflikten mit dem Hochstift Passau und in Folge mit Herzog Otto II.. Ludwig von Hagenau nimmt einige Hörige und Amtsmänner des Hochstifts Passau gefangen und vertreibt diese aus dem Hoheitsgebiet von Passau. Daraufhin werden Ludwigs Besitzungen großteils beschlagnahmt. Nach seinem Tod wurden alle restlichen Besitzungen einerseits vom Hochstift Passau, vor allem aber von Herzog Otto II. von Bayern eingezogen. Seine urkundlich erwähnten Söhne Gebehardus de Richstorf und Gebhartus junior de Hagenau waren somit verarmt und tauchen nach Ludwigs Tod in keinen Regesten mehr auf. Mit Ludwig von Hagenau, bzw. seinen beiden Söhnen, scheint die oberösterreichische Linie der Herren von Hagenau erloschen zu sein.
  • Heinrich (V.) von Hagenau, 1292–1315 Abt des Bendediktinerklosters St. Ulrich und Afra in Augsburg
  • Seyfried von Hagenau (auch Hagenauer genannt), 1378 Abt des Stiftes zu Mölk (Melk), † 1382
  • Karl von Hagenau (auch Hagenauer genannt), Pfleger zu Ereneck (1387–1390)
  • Stefan der Hagenauer, Bruder des Abtes von Melk Seyfried von Hagenau, Burggraf zu Perchtoldsdorf (1394)
  • Der Edle Georg Hagenauer (1439 melkerische Urkunde), ist (laut F. Wissgrill) für lange Zeit der letzte in Urkunden eingetragene Hagenauer in Österreich.
  • Ortlof Hagenauer stiftete 1488 die Allerseelenbruderschaft in der Pfarrei Loiching, die eine eigene Kapelle und neben zahlreichem Grundbesitz in Piegendorf ein Anwesen sein eigen nannte.
  • Stephan Hagenauer zu Allershausen, Letzter Besitzer des 1484 verkauften bayrischen Stammsitzes der Hagenauer bei Allershausen, 1487 letzte Urkundliche Erwähnung.
  • Georg Hagenauer von Hagenau (bei Salzburg um 1545). In diesem fand der Regestenforscher Willibald Hauthaler (Abt von St. Peter in Salzburg) auf Grund des Stamm- und Familiennamens, des Wappens und der geografischen Herkunft einen weiteren Nachkommen aus dem Geschlecht der Altfreien und Edlen von Hagenau.
  • Cajetan Rupert von Hagenauer, Abt Dominikus von St. Peter in Salzburg (1746–1811)
  • Franziscus Baron von Hagenauer wurde am 10. Juni 1884 von Papst Leo XIII. der Piusorden (Gran Croce) für seine und die Verdienste seiner Vorfahren um die römisch-katholische Kirche verliehen.
  • Bertha Baronin von Hagenauer (1903–1972), Widerstandskämpferin des katholisch-konservativen Lagers gegen das NS-Regime im Dritten Reich

Quellen

  • Wiguleus Hund zu Sulzenmos: Bayrisches Stammbuch, Ingolstadt 1585, I. Teil, S.219 f
  • Johann Michael Wilhelm von Prey zu Straßkirchen (1690-1747): Bayrische Adls Beschreibung. Eine Sammlung zur Genealogie des bayerischen Adels, Band 13, S. 61-68: Hagenauer von Hagenau
  • Franz Karl Wißgrill: Schauplatz des Landsässigen Nieder-Österreichischen Adels vom Herren- und Ritterstande, Bd. IV, 1794, S.35-39
  • Joseph Ernst Ritter von Koch-Sternfeld: Die Dynastie von Hagenau, Mitstifter der Abbtei Seitenstetten in Österreich, in: AÖG 1, H. 4, 1848, S. 121-141
  • Theodor Mayer: in Archiv f. Kunde österr. Geschichtsquellen, Familie der Stifter von Seitenstetten, Bd. XXI, Akademie der Wissenschaften 1848, S. 351 ff.
  • Andreas von Meiller: Regesten zur Geschichte der Markgrafen und Herzoge Oesterreichs aus dem Hause Babenberg, W. Braumüller Verl., Wien 1850, S.224
  • Dr. Fried Ponkraz: Die Hochfreien von Hagenau bei Freising, In: Amperland, heimatkundliche Vierteljahresschrift für die Kreise Dachau, Freising und Fürstenfeldbruck, Bd. I + II, 1965 / 66, S.49 ff
  • Franz Tyroller, Genealogie des altbayerischen Adels im Hochmittelalter, in: Genealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte, hg. von Wilhelm Wegener, Göttingen 1962-1969
  • John B. Freed: Nobels, Ministerials, and Knights in the Archdiocese of Salzburg. Speculum, Vol. 62, No. 3 (Jul., 1987), pp. 575–611
  • Martin Hofbauer, Ausbildung und Struktur der Herrschafts- und Besitzverhältnisse des Hochstifts Passau im 13. und 14. Jahrhundert, dargestellt an den Passauer Urbaren; Diss. Helmuth-Schmidt Univ., Hamburg 2005

Weblinks