Intercontinental Wien

InterContinental Wien
InterContinental WienSicht vom Stadtpark

InterContinental Wien
Sicht vom Stadtpark

Daten
Ort Wien 3., Johannesgasse 28
Baumeister Carl Appel (Entwurf: Holabird & Root)
Baujahr 1964
Höhe 39 m
Koordinaten 48° 12′ 7″ N, 16° 22′ 44″ O48.20197516.37902Koordinaten: 48° 12′ 7″ N, 16° 22′ 44″ O
InterContinental Wien (Wien)
InterContinental Wien
Besonderheiten
eines der größten Hotels seiner Zeit, eines der ersten Hochhäuser Wiens

Das Intercontinental Wien (eigene Schreibweise: InterContinental Wien) ist ein Hotel im 3. Wiener Gemeindebezirk Landstraße. Es liegt am Stadtpark und verfügte 2011 über 458 Zimmer und Suiten sowie 1.200 m² Konferenzfläche.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bau des InterContinental Wien 1963
InterContinental Wien Lobby 1964

Das InterContinental Wien wurde 1964 als erstes Hotel einer internationalen Kette in Wien eröffnet. Zum Zeitpunkt seiner Eröffnung im Jahr 1964 war es das größte Hotel Österreichs.[1] Die ursprünglich 504 Gästezimmer wurden auf 12 Stockwerke verteilt. Zuvor war das Hotel Metropol mit 360 Zimmern bis zu seiner Zerstörung 1945 das weitaus größte von allen Wiener Hotels. Das bis dahin neuartige Raumprogramm etablierte das Hotel als gesellschaftliches Zentrum. Größe und Bauplatz erforderten eine avancierte Bauweise und die innerbetriebliche Versorgung sowie die Logistik der Abläufe verlangten intelligente planerische Lösungen.

Das InterContinental Wien war zu seiner Eröffnung das 23. Hotel der InterContinental Hotels Group, die 1946 von der amerikanischen Fluglinie Pan American World Airways gegründet wurde.

Architektur und Bauweise

Mit der Planung des InterContinental Wiens wurde das 1880 in Chicago gegründete Architekturbüro Holabird & Root betraut, das zu den traditionsreichsten Architekturfirmen der USA zählte und entscheidend die Entwicklung der amerikanischen Hochhausarchitektur in Stahlskelettbauweise mit trug. Aufgabenstellung für das InterContinental Wien war, ein Gebäude mit einer profilierten Corporate Identity zu entwerfen. Die örtliche Bauleitung und Ausführung des InterContinental Wien wurde dem Wiener Architekten Carl Appel übertragen.

Architektonisch entspricht das InterContinental Wien mit seiner funktionalistischen Haltung und der Dominanz seiner strukturellen Ästhetik aktuellen Tendenzen in der internationalen Moderne der Nachkriegsjahrzehnte. Das Gebäude gilt als Vertreter des Funktionalismus in seiner ursprünglichen Form: Systematisch ging Carl Appel an seine Aufgabenstellung heran, er erforschte die künftigen innerbetrieblichen Vorgänge und logistischen Abläufe, danach legte er die Struktur fest und begann mit der Gebäudeplanung. Der Aufbau, die strukturelle Formensprache, die rationalisierten Grundrisse, all das spiegelt sich folgerichtig in der Gestaltung des Baus wieder. So kann das InterContinental Wien noch heute als Repräsentant eines internationalen Funktionalismus bestehen: Unverändert ist die T-Form des Hotels erhalten und erweist sich als funktionstüchtig. Die streng funktionale Fassade ist Abbild der Abläufe, die in den 12 Stockwerken der Gästezimmer auch nach 50 Jahren noch die gleichen sind: In den Zimmern wird geschlafen und kurzzeitig verweilt. Die Hotellobby, die Gesellschaftsräume und der Festsaal hingegen sind als Räume der Repräsentanz und Kommunikation äußerst großzügig dimensioniert. Hier ließ der Wiener Architekt bestes, auf der Höhe seiner Zeit stehendes, lokales Flair wirken. Die kontextbezogenen Adaptierungen, baukünstlerische Fassadengliederung sowie die hochmoderne Innenausstattung, lassen das Gebäude ebenso zu einem zeittypischen Wiener Bauwerk der späten 1950er und frühen 1960er Jahre werden, wo Fortschritt und Zukunftsgläubigkeit Hand in Hand gehen mit Respekt vor dem Lokalkolorit und der Ablehnung eines dogmatischen Funktionalismus.
Der Bau wurde zwar seinerzeit städtebaulich gelobt,[2], aber in der Nachschau auch als „ungestalter Hotelklotz“, insbesondere in Bezug auf die Umbauung des Stadtparks, und „architektonische Mittelmäßigkeit“ bezeichnet.[3]

Carl Appel zeichnete sich vor allem durch seine profunden konstruktionstechnischen Fähigkeiten sowie die Anwendung neuer Baumethoden aus. So stellt auch die Fassade des InterContinental Wien aus Tiroler Sandstein und kleinteiligen, farbigen Mosaikensteinen, mit der der Eisenbeton-Skelettbau verkleidet wurde und besonders widerstandsfähig machte, in Bezug auf das Gussverfahren eine Innovation dar.

Raumökonomie

Mit 39 Metern Höhe stellte das InterContinental Wien eines der ersten Hochhäuser Wiens dar. Ursprünglich sollte die Höhe 50 Meter betragen, was jedoch wegen der städtebaulichen Folgen nicht umgesetzt werden konnte. Einerseits wäre der legendäre Blick vom Schloss Belvedere auf die Innere Stadt verloren gegangen, andererseits hätte ein derart hoher Baukörper die Durchlüftung im benachbarten Stadtpark vermindert und eine Schädigung des Baumbestandes nach sich gezogen. So gelang es Appel mit Unterstützung des Wiener Magistrats und der Baudirektion die Vorgaben auf die städtebauliche Situation zu adaptieren und eine Reduzierung auf 39 Meter durchzusetzen. Um trotz allem das umfangreiche Raumprogramm (504 Gästezimmer, zahlreiche Gesellschaftsräume, umfangreiche Versorgungseinrichtungen, 240 Stellplätze für Kraftfahrzeuge) unterzubringen, plante er den Baukörper T-förmig und setzte die Raumhöhe der Gästezimmer auf 2,45 Meter herab. Die Vollklimatisierung des Hotels ermöglichte diese Ausnahmegenehmigung. Die Reduzierung der Raumhöhe dient nicht bloß der Kubaturgewinnung, sie steht vielmehr in der langen Tradition einer bewussten Raumökonomie, die Architekt Adolf Loos am Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt hatte, wonach mit dem Raumplan je nach Funktion und Nutzung die Höhe und das Volumen eines Raumes bemessen wird.

Gegenwart

InterContinental Wien Lobby

Im Laufe der Zeit wurde das Interieur des InterContinental Wien mehrmals verändert und überarbeitet. Die aktuelle klassisch-elegante Gestaltung der großzügigen Lobby und der Konferenzräumlichkeiten geht auf den Innenarchitekten Pierre Yves Rochon zurück. Im Zuge der letzten Renovierung von Oktober 2008 bis Juni 2009 wurden alle zwölf Gästeetagen sowie die Club Lounge und die Präsidentensuite mit Blick über Wien optisch neu gestaltet. Für das Design zeichnete das britische Design-Büro Y2k verantwortlich.

Literatur

  • Friedrich Achleitner: Eine Masse ohne Maß. Neues Bauen kritisch betrachtet: The Vienna InterContinental Hotel. In: Die Presse, 21./22. März 1964, S.9
  • Gudrun Hausegger: Hotel InterContinental Wien - Internationaler Funktionalismus im Herzen von Wien, Mai 2011

Quellen zur Architektur:

  • Werner Blaser: Chicago Architecture. Holabird & Root. 1880-1992. Birkhäuser Verlag, Basel/Boston/Berlin 1992
  • Carl Appel: Carl Appel: Architekt zwischen Gestern und Morgen. Böhlau Verlag, Wien 1988. ISBN 3205050908

Weblinks

 Commons: InterContinental Wien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1.  Dieter Klein, Martin Kupf, Robert Schediwy: Stadtbildverluste Wien: Ein Rückblick auf fünf Jahrzehnte. Lit Verlag, Münster 2004, ISBN 9783825877545, S. 284.
  2. etwa Neues Österreich 10.2., 16. 2 1960, zit. nach  Dieter Klein, Martin Kupf, Robert Schediwy: Stadtbildverluste Wien: Ein Rückblick auf fünf Jahrzehnte. LIT Verlag, Münster 2004, ISBN 978-382587754-5, Chronik zur Diskussion um die Wiener Stadtbildentwicklung 1945–2004, S. 280.
  3.  Dieter Klein, Kupf, Schediwy: Stadtbildverluste. 2004, S. 56 resp. 43.