Josef Witt

Die Münchner Staatsoper um 1900, wo Josef Witt 1920 debütierte
Das alte Dortmunder Theater, wo Witt 1928-1929 engagiert war
Das alte Kölner Opernhaus am Habsburgerring, wo Josef Witt 1929-34 wirkte
Eingangsportal der Wiener Staatsoper, wo Josef Witt seit 1937 angestellt war
Ehemaliges Hauptgebäude der Musikakademie
Mimi Coertse, eine der bekannten Gesangsschülerinnen Witts, im Foyer der Oper Johannesburg mit ihrer Porträtbüste

Josef Witt (* 17. Mai 1901 in München; † 3. Januar 1994 in Wien) war ein österreichischer Tenor an der Wiener Staatsoper und Gesangspädagoge.

Er studierte in München an der Königlichen Akademie der Tonkunst und debütierte 1920 an der Münchner Staatsoper, wo er bis 1923 als Volontär verpflichtet war. Josef Witt trat in zahlreichen deutschen Städten auf, etwa in Stettin (1923-1924), Breslau (1924-1927), Karlsruhe (1927-1929), Dortmund (1928-1929), Köln (1929-1934) und Braunschweig (1934-1938)[1]

Inhaltsverzeichnis

Wichtige Rollen und Premieren bis 1938

Er spielte bereits 1923 in Düsseldorf als Kuli Yang die Hauptrolle in Hans Gáls Oper „Die heilige Ente“[2] 1927 trat er in der Uraufführung von Bertolt Brechts Lehrstück zu Charles Lindberghs Alleinflug über den Atlantik in der Komposition von Kurt Weill und Paul Hindemith auf.[3] 1929 sang er die Rolle des „Gestürzten“ im Lehrstück von Hindemith und Brecht.[4] 1930 sang er als Gast der Frankfurter Oper den Kalaf in Giacomo Puccinis Turandot mit der berühmten Eva Turner.[5] 1934 trat er in der Erstaufführung von Strawinskis Persephone auf. Neben klassischen Opernrollen war Josef Witt der Neuen Musik besonders verpflichtet.

Engagement an der Wiener Staatsoper

1937[6] wurde Josef Witt an der Wiener Staatsoper angestellt.[7] Zu seinem Repertoire gehörte Hans Pfitzners Oper Palestrina, etwa in der Inszenierung von Otto Erhart 1937 an der Staatsoper, in der er die Rolle des Giovanni Pierluigi da Palestrina (Heldentenor) sang. 1956 inszenierte er die Oper selbst im Redoutensaal. 1947 spielte er den Robespierre in Gottfried von Einems Dantons Tod.[8] Er trat in der Zauberflöte auf und inszenierte verschiedene Opern, etwa 1953 Salome im Theater an der Wien. Bis 1955 wirkte er an der Staatsoper, wo er zuletzt als erster Priester in Mozarts Zauberflöte zu hören war. 1971 wurde Josef Witt zum Ehrenmitglied der Staatsoper ernannt.[9]

Gastspiele

Josef Witt gastierte während seiner Wiener Zeit an verschiedenen renommierten Häusern und auf internationalen Festivals. Bei den Salzburger Festspielen trat er regelmäßig auf. So brachte er 1942 und 1948 den Basilio in Figaros Hochzeit zu Gehör, 1947 den Robespierre in der Uraufführung der Oper Dantons Tod von Gottfried von Einem. In der Mailänder Scala sang er den Ägisth in der Oper Elektra von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal (Libretto). Bei einem Gastspiel der Wiener Oper 1953 an der Opéra National de Paris sang er erneut den Don Basilio.

Lehrtätigkeit

Er lehrte Gesang an der Akademie für Musik und darstellende Kunst, der heutigen „Universität für Musik und darstellende Kunst Wien“. Erfolgreiche Schüler waren etwa Norman Bailey (Bass-Bariton), Walter Berry (Bass-Bariton), Mimi Coertse, Sopran, erste international erfolgreiche Opernsängerin aus Afrika, Ernst Gutstein (Bariton), William Blankenship und Hans van Heerden.

Einspielungen

  • Große Mozartsänger Vol. 1 (Opernarien 1922-1942), Figaros Hochzeit mit den mit Wiener Philharmonikern, Audio CD (4. Juli 1995), Label: Orfeo d'Or
  • Verdi: Macbeth (Gesamtaufnahme) (Wien 1943), Label: Preiser; Interpreten: Ahlersmeyer, Mathieu (Macbeth). Alsen, Herbert (Banquo). Höngen, Elisabeth (Lady Macbeth). Boettcher, Else (Kammerfrau). Witt, Josef (MacDuff). Franter, Willi (Malcolm). Staatsoper Wien / Chor. Staatsoper Wien / Orchester. Böhm, Karl (Dir)
  • Verdi: Othello (deutsche Gesamtaufnahme 1944), Audio CD (1. Januar 1997), Label: Preiser, dirigiert von Karl Böhm, Interpreten: Ralf, Torsten (Othello). Schöffler, Paul (Jago). Witt, Josef (Cassio). Konetzni, Hilde (Desdemona). Nikolaidi, Elena (Emilia). Klein, Peter (Rodrigo) ... Staatsoper Wien / Chor. Staatsoper Wien / Orchester. Böhm, Karl (Dir)
  • Edition Wiener Staatsoper Live, Vol. 8: Giuseppe Verdi: Un ballo in maschera/Aida/Falstaff, Audio Doppel-CD (23. Juni 1994), Dirigenten: Karl Böhm, Vittorio Gui, Clemens Krauss, Label: Koch International, mit dem Orchester der Wiener Staatsoper, Chor der Wiener Staatsoper
  • Edition Wiener Staatsoper Live Vol. 21, Audio Doppel-CD (23. Februar 1995), Label: Koch International
  • Strauss-Primadonnen, Audio CD (1. November 1999), Doppel-CD, Label: Sony Music
  • Karajan-Edition (Karajan in Wien Vol. 1-9 und Bonus-CD), Audio CD (16. Mai 1997), 10 CDs, Label: EMI
  • Richard Strauss, Salome, Edition Wiener Staatsoper Live Vol. 3, Doppel-Audio CD (20. April 1994), Label: Koch International, mit dem Orchester der Wiener Staatsoper
  • R. Strauss: Salome, Dirigent: Herbert von Karajan , Wiener Philharmoniker, Ljuba Welitsch , Gertrud Schuster , Josef Witt
  • Pfitzner: Palestrina, mit dem Orchester der Wiener Staatsoper, Chor der Wiener Staatsoper, dirigiert von Rudolf Moralt
  • Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg (Gesamtaufnahme 1944), Audio CD (1. Januar 2000), 4 CDs, Label: Preiser, dirigiert von Karl Böhm, Interpr.: Schöffler, Paul (Sachs). Alsen, Herbert (Pogner). Dermota, Anton (Vogelgesang). Madin, Viktor (Nachtigall / Nachtwächter). Kunz, Erich (Beckmesser). Krenn, Fritz (Kothner). Maikl, Georg (Zorn). Wernigk, William (Moser). Muzzarelli, Alfred (Ortel). Witt, Josef (Eißlinger). Jerger, Alfred (Schwarz). Rus, Marjan (Foltz). Seider, August (Stolzing). Klein, Peter (David). Seefried, Irmgard (Eva). Schürhoff, Else (Magdalena). Wiener Staatsopernchor. Rossmayer, Richard (Choreinstud). Wiener Philharmoniker.

Publikation

  • Josef Witt: Mein Weg zu Mozart. Mozartgemeinde Wien 1913 - 1963, Wien 1964, Band/Quelle: Mozartgemeinde Wien 1913 - 1963, S. 164ff.

Literatur

  • K.J. Kutsch; Leo Riemens: Großes Sängerlexikon. Vierte, erweiterte und aktualisierte Auflage, Band 7, Suvanny-Zysset, München 2003, ISBN 3-598-11598-9, Unter Mitwirkung von Hansjörg Rost

Einzelnachweise

  1. Opera, Band 45, Ausgaben 1-6, Seite 556 Google; Jahreszahlen nach: K.J. Kutsch; Leo Riemens: Großes Sängerlexikon.
  2. op.15 (1920/21)
  3. vgl. Klaus-Dieter Krabiel: Der Lindberghflug/Der Flug der Lindberghs/Der Ozeanflug. S. 221; in: Jan Knopf: Brecht-Handbuch Bd. 1 "Stücke", Stuttgart (Metzler) 2001 (Neuausgabe)
  4. vgl. Klaus-Dieter Krabiel: Lehrstück / Das Badener Lehrstück vom Einverständnis. S. 233; in: Jan Knopf: Brecht-Handbuch Bd. 1 "Stücke", Stuttgart (Metzler) 2001 (Neuausgabe)
  5. Opera, Band 45, Ausgaben 1-6, Seite 556
  6. nach Angaben des großen Sängerlexikons von K.J. Kutsch; Leo Riemens erst 1938
  7. Opera, Band 45, Ausgaben 1-6, Seite 556
  8. Gottfried von Einem, Opus 6, Dantons Tod, Oper in zwei Teilen (sechs Bildern) nach Georg Büchner, Uraufführung am 6. August 1947; Salzburger Festspiele[1]
  9. vgl. Großes Sängerlexikon von K.J. Kutsch; Leo Riemens