Salzburger Festspiele

Die Salzburger Festspiele sind eine Kulturveranstaltung, die seit 1920 jeden Sommer im Juli und August für fünf bis sechs Wochen in Salzburg stattfindet. Markenzeichen der Festspiele sind der Jedermann auf dem Domplatz, der – von Max Reinhardt inszeniert – am 22. August 1920 die Geburtsstunde der Festspiele markierte, exemplarische Mozart- und Strauss-Aufführungen, sowie ein vielfältiges und hochkarätiges Opern-, Schauspiel- und Konzert-Programm. Heute gelten die Salzburger Festspiele – mit jährlich rund 200 Veranstaltungen und 250.000 Besuchern – als weltweit bedeutendstes Festival.

Zusätzlich zu den Sommer-Festspielen bestehen:

  • Die 1956 gegründete Mozartwoche, die von der Stiftung Mozarteum alljährlich im Winter veranstaltet wird.
  • Die 1967 gegründeten Salzburger Osterfestspiele, die finanziell und organisatorisch eigenständig sind.
  • Die 1973 gegründeten Salzburger Pfingstfestspiele, die seit 1998 finanziell und organisatorisch Teil der Sommer-Festspiele sind.
  • Das 2006 gegründete Festival Dialoge, das alljährlich im Dezember Klassik und Moderne miteinander konfrontiert.
  • Die 2007 gegründete Salzburg Biennale, ein alle zwei Jahre im März stattfindendes Festival für Neue Musik.
Festspielzentrum ist die Hofstallgasse: Rechts der für die Gasse namensgebende ehemalige fürst-erzbischöfliche (f.e.) Hofmarstall, in mehreren Bauphasen zum heutigen Festspielhauskomplex umgebaut. Das Große Festspielhaus (vorne), Felsenreitschule (in der Mitte zurückversetzt) und Haus für Mozart. Große Teile der Bühnentechnik sind in den Berg hineingebaut. Im Hintergrund der Turm der Peterskirche, in dem alljährlich Mozarts c-Moll-Messe aufgeführt wird.

Inhaltsverzeichnis

Künstler, Symbole und Feste

Künstler

Masken vor dem Haus für Mozart als Symbol für die Wandelbarketi von Kunst und Künstlern (die Masken sind nicht das Signet/Festspiellogo)
  • Max Reinhardt, statuierte in seinem Manifest "Die Salzburger Festspiele", dass beides, nämlich Oper und Schauspiel die wesentlichen Säulen der Festspiele seien "und von beiden das Höchste". Auch die eingeladenen Künstler sind von Weltrang.
  • Wiener Philharmoniker, diese sind von Beginn an das wichtigste Orchester der Salzburger Festspiele. Sie spielten 1925 bei der ersten Radioübertragung unter Dirigent Karl Muck W. A. Mozarts Don Juan. Neben dem eigenen "Wiener Philharmoniker"-Zyklus (seit 1946) bestreiten sie traditionell das Eröffnungskonzert am ersten Abend der Salzburger Festspiele. Das Orchester wirkt an vier bis fünf Opernproduktionen jährlich mit.

In Zusammenarbeit mit dem Sommerfestival pflegen die Wiener Philharmoniker die Nachwuchsförderung: Die Musikcamps für Kinder und Jugendliche, das Blasmusikkonzert mit jungen Talenten aus Salzburg und jährlich einem anderen Landesblasmusikverband sowie die Angelika-Prokopp-Sommerakademie der Wiener Philharmoniker bereichern das Festspielgeschehen im Rahmen der Jugendarbeit.

Festspiel-Symbole

  • Signet: Auf dem Festspielplakat des Jahres 1928 erschien erstmals das Motiv des bis heute verwendeten Signets der Festspiele. Die Grafikerin Poldi Woytek hatte den Wettbewerb hierzu gewonnen[1].
  • Fanfare: Seit 1936 besitzen die Festspiele auch eine Festspiel-Fanfare (komponiert von Joseph Messner), die bei Rundfunkübertragungen von den Salzburger Festspielen auch als Erkennungsmelodie eingesetzt wird.

Festspieleröffnung und Abschluss

Die Eröffnung der Salzburger Festspiele erfolgt traditionell durch den Bundespräsidenten, seit 1964 werden prominente Intellektuelle als Festredner eingeladen. Diese Tradition wurde 2005 und 2006 unterbrochen, als die neue Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller sich gegen einen Eröffnungsredner aussprach. 1980 fand erstmals das Fest zur Festspieleröffnung in der ganzen Stadt statt. Dieses wurde zuerst von der Salzburger Landesregierung organisiert, seit mehr als 10 Jahren sind die Salzburger Festspiele direkter Veranstalter des Festes.

Die ersten Festspielbälle wurden von Max Reinhardt in Schloss Leopoldskron gefeiert. Die letzten im Kavalierhaus Kleßheim. Diese Tradition wurde 2012 von Intendant Alexander Pereira wiederbelebt, mit einem Ball zum Abschluss der Festspiele, der ein Galadinier in der Neuen Residenz mit anschließendem Konzert und Tanz in der Felsenreitschule umfasst[2]. Unterschiede zum Wiener Opernball sind gewollt, so wird die Eröffnungszeremonie des Balls durch Paare in Tracht getanzt. Auch unterscheidet sich der Festspielball in der Anzahl der Gäste (ca. 1000, in Wien bis zu 12.000) und in der Preisgestaltung nachhaltig. Der Ball wurde 2012 von den Salzburger Festspielen veranstaltet, er wird ab 2013 vom Verein der Freunde der Salzburger Festspiele veranstaltet werden.

Intendanten, Schauspieldirektoren, Konzertchefs

   

Geschichte & Programmatik

1921 bis 1937

Neben Max Reinhardt und Hugo von Hofmannsthal ist die Etablierung der Festspiele hauptsächlich der Arbeit des Komponisten Richard Strauss, des Dirigenten und Wiener Hofoperndirektors Franz Schalk und des Bühnenbildners Alfred Roller zu verdanken. Auf Initiative von Bernhard Paumgartner fanden 1921 neben dem Jedermann erstmals Konzerte (hauptsächlich Kammer- und Orchesterkonzerte) statt. 1922 kamen zusätzlich zu Schauspiel und Konzerten vier Opern von Wolfgang Amadeus Mozart zur Aufführung, womit das Konzept im Wesentlichen stand, das dann ab 1925 erfolgreich umgesetzt wurde. Die Neuerungen dieses Jahres (die Hofstallkaserne wurde als provisorisches Festspielhaus genutzt, das Programm gebündelt in einem Festspielalmanach präsentiert und der Rundfunk eingebunden) gaben den Festspielen einen Schub, nachdem sich zuvor 1923 nur die Aufführung von Molières Der eingebildete Kranke hatte finanzieren lassen und 1924 die Festspiele aus finanziellen Gründen gar hatten ausfallen müssen. 1926 kam die Felsenreitschule als zweite Spielstätte hinzu.

Der fürsterzbischöfliche Hofmarstall ehemals
Der fürsterzbischöfliche Hofmarstall heute als Großes Festspielhaus

1938 bis 1944

Die Zeit des Nationalsozialismus nach dem „Anschluss“ Österreichs ans Deutsche Reich im Jahr 1938 hatte auch für die Salzburger Festspiele gravierende Folgen. So musste Hofmannsthals Jedermann vom Programm genommen werden, Künstler erhielten Aufführungsverbote beziehungsweise gingen ins Exil. Arturo Toscanini, der noch 1937 der prägendste Dirigent gewesen war, lehnte eine weitere Teilnahme ab. Das Kleine Festspielhaus des mittlerweile emigrierten Clemens Holzmeister wurde baulich verändert, um nationalsozialistischer Ästhetik zu entsprechen. Ab 1938 unterstand die Salzburger Festspielhausgemeinde, die Trägerorganisation, dem Gauleiter. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde das Programmangebot deutlich verringert. 1940 hießen die Festspiele "Salzburger Kultursommer" und dauerten nur noch vierzehn Tage. Zwei Jahre später erfolgte die Liquidation der Salzburger Festspielhausgemeinde. Stattdessen richtete man eine Generalintendanz ein, die Clemens Krauss mit einem Zehn-Jahres-Vertrag übernahm. 1944 schließlich konnten die Festspiele, aufgrund einer im Anschluss an das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 getroffenen Anordnung des Propagandaministers Goebbels, alle Festspiele im Deutschen Reich abzusagen, nicht stattfinden. Lediglich am 14. August dirigierte Furtwängler ein Konzert und am 16. August fand die „öffentliche Generalprobe“ der Strauss-Oper Die Liebe der Danae statt.

1945 bis 2001

Haus für Mozart, Blick auf den Pausenbalkon, Kutschenfahrten sind eine beliebte und traditionelle Art, die Stadt Salzburg kennenzulernen
Vorne rechts der gemeinsame Eingang für die Felsenreitschule und das Haus für Mozart. Die Maskensäule ist ein beliebter Treffpunkt, die Masken selbst sind jedoch nicht das Symbol der Salzburger Festspiele

1945, nach Ende des Zweiten Weltkrieges, konnten die Salzburger Festspiele, allerdings mit einem äußerst verknappten Programm, wieder veranstaltet werden. Auch Hofmannsthals Jedermann konnte wieder aufgeführt werden und wird seitdem jedes Jahr gezeigt. Bedeutende Künstler, die in der Nazi-Zeit nicht erwünscht waren, kehrten nach Salzburg zurück, beispielsweise Georg Solti oder Rolf Liebermann. In weiterer Folge wurde das Kleine Festspielhaus noch einmal umgebaut und von den Nazi-Elementen befreit. Vorübergehend wurde erwogen, Bertolt Brecht in die Leitung der Festspiele mit einzubeziehen, was von Gottfried von Einem betrieben wurde. Aus politischen Gründen – Brecht begann zeitgleich mit seiner Arbeit in der DDR – wurde dies vom damaligen Salzburger Landeshauptmann Josef Klaus verhindert.

Die Salzburger Festspiele der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wurden vor allem durch drei Persönlichkeiten geprägt: die Dirigenten Karl Böhm (1938 bis 1980) und Herbert von Karajan (1960 bis 1989), sowie den belgischen Intendanten Gérard Mortier (1990 bis 2001). Karl Böhm prägte - vor allem durch exemplarische Mozart- und Strauss-Aufführungen - in 338 Aufführungen den Salzburger Stil des musikalischen Humanismus. Die Zeit Karajans war bestimmt durch seinen autokratischen Führungsstil, höchste musikalische Qualität und das Engagement internationaler Stars, was gegen Ende seiner Ära zu einer gewissen künstlerischen Stagnation führte. Sowohl Böhm, als auch Karajan sind während der Proben zu einer Opernproduktion - Ariadne auf Naxos (Böhm) bzw. Maskenball (Karajan) - in Salzburg verstorben. Es blieb Mortier vorbehalten, die Festspiele für neue künstlerische Strömungen zu öffnen und dem Sprechtheater - mit den Schauspieldirektoren Peter Stein und Ivan Nagel - wieder stärkeres Gewicht zu verleihen.

Im 21. Jahrhundert

Nachfolger Mortiers wurde 2002 Peter Ruzicka, von 2005-2006 war Martin Kušej dessen Schauspieldirektor. Ruzicka setzte 2006 alle 22 Mozart-Opern anlässlich des 250. Geburtstages des Genius loci auf den Spielplan, was sowohl in künstlerischer wie wirtschaftlicher Sicht einen Rekordsommer einbrachte.

Von 2007 bis 2010 war der vormalige Schauspielchef und Regisseur Jürgen Flimm Intendant und Thomas Oberender Schauspielchef. Flimm wandte sich in seiner Intendanz wieder mehr dem ursprünglichen Fest-Charakter zu und stellte die Festspiele unter ein jährliches "metaphysisches" Motto. Seine letzte Saison 2010 stand im Zeichen der Jubiläen "90 Jahre Salzburger Festspiele" und "50 Jahre Großes Festspielhaus". Markus Hinterhäuser konnte in der neuen Position des Konzertchefs zeitgenössische Akzente setzen und bekleidete in der Saison 2011 mit Erfolg das Amt des Intendanten.

Seit 2012 ist Alexander Pereira der Intendant der Salzburger Festspiele. Die künstlerische Leitung ist für fünf Jahre bestellt. Neuer Schauspielchef wurde der Burgschauspieler und Regisseur Sven-Eric Bechtolf, Pereiras Wunschkandidat nach mehrfacher Zusammenarbeit im Zürcher Opernhaus. Pereira hat bereits in seiner ersten Saison die Dauer der Festspiele verlängert, sowie durch einen Spielplan populärer Opern - Carmen, La Bohème, Zauberflöte - und die Ankündigung, alle Neuproduktionen nicht wieder aufnehmen zu wollen, für einen Nachfrageboom gesorgt. Noch vor Beginn seiner ersten Saison sorgte Pereira mit einer Rücktrittsdrohung für einen Skandal, nachdem ihm für 2013 nur 60, statt der verlangten 64 Millionen Euro Budget zugestanden worden waren: „Ich werde Alternativen zur Ängstlichkeit aufzeigen.“ [3]

Ouverture spirituelle

Vor der Festspieleröffnung 2012 fand erstmals die einwöchige Ouverture spirituelle statt, in der täglich Opernaufführungen und klassische Konzerte stattfanden. Diese Woche soll bis zur offiziellen Eröffnung die Sommerfestspiele einleiten. Die erste dieser Aufführungen war Joseph Haydns Die Schöpfung mit Chor, Orchester und Text von Gottfried van Swieten am 20. Juli 2012 in Salzburg.[4]

Öffnung für Neues

Die Arbeit für und mit der jungen Generation ist seit der Saison 2008 einer der Schwerpunkte des Salzburger Festspielprogramms. Der Nachwuchs soll bewusst gefördert und neues Publikum herangezogen werden (Jugendabos, Verein „Junge Freunde“). Darüber hinaus haben sich im Laufe der Geschichte verschiedene Schwerpunkte und neue Konzepte etabliert, wie Public Screenings, Begleitprogramme zu Produktionen und die Einbindung der ganzen Stadt Salzburg.

Salzburger Festspiele – Architektur der Moderne, Haus für Mozart, Treppenhaus
Toscanini-Hof, alt trifft neu: oben das Wappen von Erzbischof Paris Lodron, darunter die Frau im Fels von Stephan Balkenhol, die direkt über dem Eingang zur Tiefgarage positioniert ist
Haus für Mozart, die „Goldene Wand“, die den Kopf Mozarts darstellt
gemeinsames Treppenhaus von Felsenreitschule und Haus für Mozart, rechts die Goldene Wand

1994 wurden die Salzburger Festspiel-Dialoge von Michael Fischer begründet und sind seither ständiger werkbezogener Begleiter. Besonders die Opern-Neuinszenierungen während jeden Sommers bilden das Zentrum der Gespräche, die von den „Freunden der Salzburger Festspiele“ veranstaltet werden.

1998 wurde die Reihe „Dichter zu Gast“ ins Leben gerufen. Als erste „Künstlerin in residence“ stellte sich Elfriede Jelinek zum Auftakt der Reihe vor. Ihr folgten Hans Magnus Enzensberger (1999), Christoph Ransmayr (2000), Imre Kertesz, Péter Nádas und Peter Esterhazy (2001), Robert Gernhardt (2002), Christa Wolf (2003), Tankred Dorst (2004), Antonio Lobo Antunes, John M. Coetzee und Elfriede Jelinek (2005), Jeffrey Eugenides und Richard Ford (2007), Dimitre Dinev und Orhan Pamuk (2008), Daniel Kehlmann (2009), Claudio Magris (2010). 2006 wurden in dieser Reihe unter dem Titel „Magazin des Glücks“ elf Gäste eingeladen.

Jürgen Flimm führte das Young Directors Project 2002 ein. Jungen, internationalen Künstlern sollte die Möglichkeit gegeben werden, ihre Regiearbeiten bei den Salzburger Festspielen zu zeigen. Das Young Directors Project feierte 2011 sein 10-jähriges Jubiläum. Viele Teilnehmer haben es als Sprungbrett nutzen können und mittlerweile internationale Karriere gemacht. Jedes Jahr wird dem besten Ensemble der Montblanc Young Directors Award verliehen – ein Preis in der Höhe von € 10.000.

2007 wurde Youth! Arts! Science! für jährlich 100 Studenten der Naturwissenschaften, Musik und Kunst zwischen 20 und 29 Jahren ins Leben gerufen. Die Teilnehmer begleiten eine Woche lang die jährliche „Kontinent“-Reihe und finden Gemeinsamkeiten von Kreativität und Innovation in Musik, Kunst und Wissenschaft. Workshops, Vorträge und Aufführungen sollen die jungen Menschen dazu anregen, sich mit zeitgenössischer Musik auseinanderzusetzen und sich auf Neues einzulassen.

Mit dem Young Singers Project haben die Salzburger Festspiele 2008 eine Plattform zur Förderung des sängerischen Nachwuchses geschaffen. Bei internationalen Vorsingen werden junge Sänger ausgewählt, um im Rahmen des Stipendiums in Salzburg mit Festspielkünstlern zu arbeiten. Der Unterricht umfasst auch szenische Proben, Bewegungsunterricht, Sprachcoaching und die Erweiterung des Repertoires. Vier Meisterklassen, geleitet von bedeutenden Festspielkünstlern, sind öffentlich. In einem Abschlusskonzert im Mozarteum stellen sich die jungen Sänger dem Publikum vor.

2008 wurde auch der Salzburger Festspiele Kinderchor gegründet. Die musikalische Arbeit mit namhaften Dirigenten und Orchestern wird begleitet von Probenbesuchen, Künstlerbegegnungen und Einblicke in das Festspielleben. 2010 fusionierten der Festspielchor und der Kinderchor des Salzburger Landestheaters. Die Mitglieder sind zwischen acht und 16 Jahre alt und stammen auch Österreich und Deutschland mit insgesamt 90 Mitgliedern.

Nach YDP und YSP ist der Dirigentenwettbewerb die jüngste Erfindung: „Nestlé and Salzburg Festival Young Conductors Award“. Den mit € 15.000 dotierten Preis erhält der Gewinner aus dem Wettbewerb. Der Preisträger dirigiert das Gustav Mahler Jugendorchester im Rahmen des Konzertprogramms der Salzburger Festspiele.

Institution

Der Festspielhauslöwe auf dem Haus für Mozart symbolisiert das Land Salzburg, den Haupt-Geldgeber der Salzburger Festspiele

1950 wurde als Rechtsträger der Salzburger Festspielfonds gegründet - die Republik Österreich, das Land Salzburg und die Stadt Salzburg, sowie der Salzburger Fremdenverkehrsförderungsfonds tragen nun gemeinschaftlich die finanzielle Verantwortung und schließen die Deckungslücke im Budget. Das Festival hat seit Bestehen zum internationalen Ruhm Salzburgs beigetragen, die Region zur Weltkulturstadt gemacht. Auch der enorme wirtschaftliche Nutzen und Wert der Festspiele sind in Studien belegt. [4]

Die Organe des Festspielfonds sind die Delegiertenversammlung, das Kuratorium und das Direktorium, welches derzeit von der Präsidentin der Festspiele, Helga Rabl-Stadler, und dem Intendanten Alexander Pereira gebildet wird.

Die Hauptgeldgeber der Salzburger Festspiele sind Land und Stadt Salzburg sowie die Republik Österreich. Seit der Änderung der Steuergesetze (Kultursponsoring ist seit den 1990er Jahren in Österreich steuerlich absetzbar) konnten namhafte Unternehmen und private Sponsoren gewonnen werden, die einen wesentlichen Beitrag zum Gesamtbudget beitragen. Außerdem besteht ein Verein der Freunde der Salzburger Festspiele, deren Mitglieder als Förderer der Festspiele zumindest 1.000 Euro Jahresbeitrag leisten. Sponsoren und Förderer erhalten keinen Rabatt auf die Eintrittskarten, werden aber bei der Kartenzuteilung bevorzugt. Je höher der Förderbeitrag, umso höher die Bevorzugung. Dieses Kartenzuteilungs-System wurde von den Bayreuther Festspielen übernommen

Die von den Salzburger Festspielen ausgehenden direkten Wirkungen von insgesamt 112 Millionen Euro, die sich aus den nachfragewirksamen Ausgaben des Festspielbetriebs selbst und der Ausgaben der Festspielbesucher zusammensetzen, führen im Sinne der Umwegrentabilität (eines Multiplikatoreffekts) zu weiteren, indirekten Wirkungen von etwa 113 Millionen Euro, die in zahlreichen vorgelagerten Branchen des Dienstleistungs- und Produktionssektors der regionalen bzw. österreichischen Wirtschaft ausgelöst werden.

Alleine aus den direkten Wirkungen des von den auswärtigen Festspielbesuchern ausgelösten Umsatzvolumens lässt sich für Salzburg ein Beschäftigungseffekt von rund 1.300 Arbeitsplätzen, die überwiegend den Bereichen Tourismus und Handel zuzuordnen sind, errechnen. Unter Einbeziehung der indirekten Wirkungen lösen die Salzburger Festspiele insgesamt einen Beschäftigungseffekt von österreichweit etwa 2.800 bis 3.000 Ganzjahresarbeitsplätzen aus.

Die aus der festspielinduzierten Wertschöpfung resultierenden steuerlichen Wirkungen (Rückflusseffekte) lassen sich auf etwa 28 bis 30 Millionen Euro schätzen, die den Gebietskörperschaften als zusätzliche Einnahmen, v. a. in Form der Umsatzsteuer und der Lohn- bzw. Einkommensteuer zufließen. Darin ist die Abgabenleistung der Salzburger Festspiele selbst, die sich 2006 auf rund 7,6 Millionen Euro (ohne Sozialversicherungsbeiträge von 5,3 Millionen Euro) beläuft, noch nicht enthalten. Die Subventionen der öffentlichen Hand betrugen demgegenüber nur 13 Millionen Euro.

Präsidenten

Brunnen im gemeinsamen Eingang von Felsenreitschule und Haus für Mozart mit dem Wappen von Erzbischof von Thun
 

Spielstätten

Nachdem die Pläne für ein Festspielhaus auf dem Mönchsberg (1890) und in Hellbrunn (1919) gescheitert waren, nahmen die Salzburger Festspiele der Gründerjahren die bestehenden Plätze, Paläste, Kirchen, Theater- und Konzertgebäude in Besitz: Am Domplatz wird alljährlich Hofmannsthals Jedermann aufgeführt, im Mozarteum und im Residenzhof werden Konzerte veranstaltet, im Landestheater Opern und Sprechstücke aufgeführt. Auch drei Salzburger Barockkirchen wurden als Spielstätten für die Festspiele geöffnet: Dom, Kollegienkirche und Stiftskirche Sankt Peter. Als schließlich der Wunsch nach eigenen Spielstätten immer dringlicher wurde, konnten schrittweise drei Festspielhäuser auf dem Gelände der ehemaligen fürsterzbischöfliche Hofstallungen und Reitschulen errichtet werden:

  • ein provisorisches Festspielhaus (1925), zuerst für das Schauspiel, dann auch für Oper und Konzert eingerichtet, welches erst nach zahlreichen Umbauten im Jahr 2006 als Haus für Mozart seine endgültige Form fand - mit 1.495 Sitzplätzen und 85 Stehplätzen,
  • die Felsenreitschule (1926), erstmals von Max Reinhardt bespielt und ebenfalls bis 2011 mehrfach adaptiert - mit 1.412 Sitz- und 25 Stehplätzen, sowie
  • das Große Festspielhaus (1960), eine von Clemens Holzmeister erbaute Panormabühne mit 2.179 Sitzplätzen.

Die Ausweitung der Festspiele ab den 1990er Jahren führte dazu, dass weitere Spielstätten für das Schauspiel gefunden werden mussten: 1992 die Alte Saline auf der Perner-Insel in Hallein, schließlich auch das republic (das ehemalige Stadtkino), das Schauspielhaus Salzburg und die Eisarena Salzburg.

Literatur

Salzburg zur Festspielzeit / Blick von der Festung: Im Vordergrund der Kapitelplatz mit der Sphera (Goldene Kugel) und dem Aufbau für die Siemens- Festspielnächte (Blaues Zelt mit Sitzplätzen davor). Links vor dem Dom der Domplatz mit der aufgebauten Jedermann- Tribüne. Der grüne Park links neben dem Kapitelplatz gehört zum Stift St. Peter
  • Das offizielle Buch zur Ausstellung 90 Jahre Salzburger Festspiele. Eigenverlag, Salzburg 2011 (http://www.salzburgerfestspiele.at/shop)
  • Robert Kriechbaumer (Hrsg.): Die Salzburger Festspiele 1945-1960, Jung+Jung, ISBN 978-3-902497-30-7.
  • Robert Kriechbaumer (Hrsg.): Die Salzburger Festspiele 1960-1989 – Die Ära Karajan, Jung+Jung, ISBN 978-3-902497-32-1.
  • Robert Kriechbaumer (Hrsg.): Die Salzburger Festspiele 1990-2001 – Die Ära Mortier/Landesmann, Jung+Jung, Salzburg 2011, ISBN 978-3-902497-33-8.
  • Marina Auer: Die Salzburger Festspiele im Schatten der Politik (1933–1945). LMU-Publikationen, München 2003 (Volltext)
  • Edda Fuhrich, Gisela Prossnitz (Hrsg.): Die Salzburger Festspiele. Ihre Geschichte in Daten, Zeitzeugnissen und Bildern. Band 1. 1920–1945. Residenz, Salzburg 1990, ISBN 3-7017-0630-1.
  • Stephen Gallup: Die Geschichte der Salzburger Festspiele. Orac, Wien 1989, ISBN 3-7015-0164-5.
  • Josef Kaut: Die Salzburger Festspiele. Bilder eines Welttheaters. Residenz, Salzburg 1973, ISBN 3-7017-0047-8.
  • Andreas Novak: Salzburg hört Hitler atmen. Die Salzburger Festspiele 1933–1945. DVA, München 2005, ISBN 3-421-05883-0.
  • Andress Müry (Hrsg.): Kleine Salzburger Festspielgeschichte. Pustet, Salzburg 2002, ISBN 3-7025-0447-8.
  • Michael P. Steinberg: Ursprung und Ideologie der Salzburger Festspiele 1890–1938. Pustet, Salzburg und München 2000, ISBN 3-7025-0410-9.
  • Harald Waitzbauer: Festlicher Sommer. Das gesellschaftliche Ambiente der Salzburger Festspiele von 1920 bis zur Gegenwart. Schriftenreihe des Salzburger Landespressebüros, Salzburg 1997.
  • Wilfried Posch: Clemens Holzmeister. Architekt zwischen Kunst und Politik. Mit einem Werkverzeichnis von Monika Knofler. Salzburg 2010, ISBN 978-3-99014-020-8.

Festspieldokumente

Seit 1952 werden CDs und DVDs in Eigenproduktion der Salzburger Festspiele oder bei namhaften Labels (ORFEO, Deutsche Grammophon Gesellschaft, Sony, andante, OehmsClassics, EMI, VAI, Arthaus, TDK DVW, Philips, Col legno, Euroarts) unter der Bezeichnung „Festspieldokumente“ veröffentlicht. Zum Mozartjahr 2006 wurden neben einer Gesamtedition auch drei Sondereditionen herausgebracht. Alle 22 Aufführungen fanden mediale Weiterverwertung auf DVD. Zum 90-jährigen Bestehen wurde auch „50 Jahre Großes Festspielhaus“ gefeiert und mit einer Jubiläumsbox der Deutschen Grammophon CD-Edition dokumentiert. Zum Verzeichnis der Festspieldokumente

Filme

Weblinks

 Commons: Salzburger Festspiele – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Woytek heiratete den damaligen Werbeleiter der Salzburger Festspiele Kajetan Mühlmann. Hildegard Fraueneder, Salzburger Stadtspaziergänge: Auf den Spuren der Frauen 2005. Stadt Salzburg
  2. Salzburger Nachrichten: Ball der Salzburger Festspiele, 10. März 2012
  3. Festspiel-Debatte: Pereira droht mit Rücktritt, abgerufen am 16. Juni 2012
  4. Die Ouverture spirituelle finden erstmals als Einleitung der Salzburger Sommerfestspiele 2012 statt.