Großes Festspielhaus

Eingangsseite Hofstallgasse
Vorderfront vom Herbert von Karajan Platz

47.79861111111113.041111111111Koordinaten: 47° 47′ 55″ N, 13° 2′ 28″ O

Das Große Festspielhaus in Salzburg (von 1960 bis 1962 „Neues Festspielhaus“, seit 1963 „Großes Festspielhaus“) ist eine Spielstätte der Salzburger Festspiele und befindet sich in der Altstadt, teilweise in den Mönchsberg hinein gebaut.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Architekt Clemens Holzmeister setzte den Plan eines Neubaus in die Tat um, den schon Max Reinhardt vor Beginn der Festspiele anregte, damals noch mit der Idee eines Hauses für bis zu 4.000 Gäste in Hellbrunn die aber aufgrund wirtschaftlicher Engpässe 1926 zugunsten des Ausbaus des barocken Hofmarstalls bzw. einer k.k. Kavallerie- Reithalle von ca. 1840 zum heute Kleinen Festspielhaus fallen gelassen wurde. Bei diesem Umbau war ebenfalls schon Holzmeister führend und seine Pläne wurden bis 1937 schrittweise umgesetzt. Während es Reinhardt 1922 immerhin bis zu einer Grundsteinlegung brachte, scheiterte ein älterer Plan der Wiener Architekten Ferdinand Fellner d. J. und Hermann Helmer aus dem Jahr 1890 schon im Vorfeld. Die beiden hätten die Spielstätte gerne auf dem Mönchsberg errichtet. Zwischen 1956 und 1960 wurden für den Neubau zuerst 55.000 Kubikmeter des Mönchsberg abgetragen um genug Platz zu haben und anschließend das Festspielhaus errichtet.

Das Bühnenhaus hat eine Breite von 100 Metern, die Bühnentiefe beträgt 25 Meter, die Portalbreite kann mittels Lamellen von maximal 32 Metern, die Herbert Rosendorfer in seinem Stadtführer „Salzburg für Anfänger“ als „unmenschlich“ bezeichnet, auf die Portalbreite der Wiener Staatsoper (14,3 Meter) verringert werden. Das Bühnenportal hat eine Höhe von 9 Metern.

Der breite Zuschauerraum hat einen nahezu quadratischen Grundriss mit ca. 35 Metern Seitenlänge und bietet 2179 Sitzplätze (es gibt keine Stehplätze). Zum Vergleich Wiener Staatsoper: In den Zuschauerraum passen bis zu 2200 Zuschauer, davon 1642 Sitzplätze und 567 Stehplätze – der Orchestergraben fasst bis zu 110 Musiker.

Das Große Festspielhaus wurde am 26. Juli 1960 mit Der Rosenkavalier unter der Leitung von Herbert von Karajan eröffnet, mit diesem Werk wurden drei der bedeutendsten Persönlichkeiten der Salzburger Festspiele, nämlich Richard Strauss, Hugo von Hofmannsthal und Max Reinhardt (der als „heimlicher Regisseur“ die Uraufführung betreut hatte) geehrt.

Künstlerische Ausgestaltung

Der Boden des Foyers besteht aus Adneter Marmor, der Boden des Pausensaals aus grünem Serpentin mit Pferdemosaiken von Richard Kurt Fischer. Es finden sich hier auch zahlreiche Kunstwerke:

  • die Plastiken „Theater“ und „Musik“ von Wander Bertoni aus Carrara-Marmor
  • vier Großkreuze zum Thema „Dreams with the Wrong Solutions“ von Robert Longo (Blau „Druck auf den Himmel“, Rot „Feuergebete“, „Gold Wehklagen in der Öffentlichkeit“ und Schwarz „Lieder der Ergebung“)
  • die vier Rangstiegen tragen Keramikplastiken von Arno Lehmann
  • „12-Ton-Fries“ zur Huldigung von Anton von Webern von Rudolf Hoflehner
  • Gobelins von Oskar Kokoschka
  • Wandmalereien von Wolfgang Hutter
  • Wandmalereien von Rudolf Plattner
  • Bronzetore von Toni Schneider-Manzell
  • Reliefmasken von Heinz Leinfellner
  • drei Gobelins von Richard Kurt Fischer zu den Themen „Feuer“, „Wasser“ und „Luft“
  • ein Gobelin von Giselbert Hoke, „Kampf zwischen Gutem und Bösem“
Maskenblock von Jakob Adlhart

Vor dem Eingang zum Festspielhaus befindet sich der Maskenblock von Jakob Adlhart; diese "verdammt jüdisch grinsenden Masken" mussten nach dem Einmarsch Hitlers magaziniert werden [1] und konnten erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder als Wahrzeichen der Salzburger Festspiele aufgestellt werden.

Das Marmorportal an der nordseitigen Fassade zum Karajan-Platz ist eine Arbeit des Barockarchitekten Johann Bernhard Fischer von Erlach. Es wurde finanziert aus der Kriegsbeute des Türkenkriegs von 1683, bei dem Salzburg zum Entsatz der Türkenbelagerung von Wien 800 Mann entsandte und 1688 auch an der Eroberung Belgrads unter Prinz Eugen von Savoyen teilnahm. [2] Die Frauenfiguren auf dem Portal stellen Europa und Asia dar; dass sie auf Einhörnern sitzen, ist erst seit der letzten Renovierung bekannt. Eine weitere Besonderheit dieses Tores ist ein Lichtdurchbruch nach oben, durch den Licht auf die Häupter der zur Pferdeschwemme gebrachten Pferde fallen konnte.

Nordportal des Festspielhauses von Johann Bernhard Fischer von Erlach

An der Fassade zur Hofstallgasse ist folgender vom Benediktinerpater Thomas Michels verfasste Spruch angebracht: "SACRA CAMENAE DOMUS / CONCITIS CARMINE PATET / QUO NOS ATTONITOS / NUMEN AD AURAS FERAT" (Der Muse heiliges Haus steht Kunstbegeisterten offen, als Entflammte empor trage uns göttliche Macht).

Ehemalige fürst-erzbischöfliche Hofstallungen

Das Große Festspielhaus gehörte zusammen mit dem kleinen Festspielhaus, das auch als Haus für Mozart bezeichnet wird, und der Felsenreitschule zu den ehemaligen fürst-erzbischöflichen Hofstallungen. Sie wurden für die Festspiele als Spielstätten um- und ausgebaut.

Einzelnachweise

  1. Gert Kerschbaumer: Kunst im Getriebe der Politik 1933 – 1938 – 1945. In: 150 Jahre Salzburger Kunstverein (Hrsg.): Kunst und Öffentlichkeit 1844–1994. Salzburg 1994, S. 145–169.
  2. Frederike Zaisberger: Geschichte Salzburgs. Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1998, ISBN 3-7028-0354-8.

Weblinks

 Commons: Großes Festspielhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien