Josef von Scheiger

Josef Edler von Scheiger

Josef Scheiger, ab 1872 nach Nobilitierung Edler von, (* 2. Februar 1801 in Wien; † 6. Mai 1886 in Graz) war ein österreichischer Kulturhistoriker und Postbeamter. Scheiger beschäftigte sich mit der archäologischen Topografie, insbesondere der Burgenarchäologie. Besonders hervorzuheben ist seine Tätigkeit für den Historischen Verein für Steiermark, in dem er von 1850–1872 Ausschußmitglied sowie für die k.k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale, deren Konservator er ab 1851 für Graz, von 1855–1871 für ganz Steiermark war. Scheiger gilt als Begründer der österreichischen topographischen Burgenarchäologie.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Scheiger war der Sohn eines Juweliers und studierte an der Universität Wien bis 1823 Rechtswissenschaft. 1820 kam er wegen burschenschaftlicher Betätigung in Untersuchungshaft.

1824–27 war er bei der Stiftsherrschaft Schotten in Wien tätig, zuletzt als Stiftsrichter. Scheiger trat anschließend als Konzeptspraktikant in die Fahrpostdirektion in Wien ein. Von 1835–1839 war er Oberpostverwalter in Zara, von 1839–1845 Adjunkt der Postdirekton in Venedig, 1845–50 Oberpostverwalter, 1850 Postdirektor von Graz und wurde 1867 pensioniert.

Im Jahre 1861 heiratete er die erfolgreiche Fachschriftstellerin Katharina Pratobevera, eine Jugendfreundin, für die es bereits die zweite Ehe war.

Erste literarische Versuche im Jahr 1819 brachten Scheiger unter anderem in Verbindung zu Joseph von Hormayr, in dessen Archiv er eine Reihe von kulturhistorischen Arbeiten veröffentlichte. Früh wandte er sich der archäologischen Topographie zu, insbesondere der Burgenarchäologie, als deren Begründer er in Österreich anzusehen ist. Auf zahlreichen Fußreisen, besonders in Niederösterreich, schuf er sich eine umfangreiche Sammlung topographisch getreuer Aufnahmen von Wehrbauten, auf deren Grundlage er eine Reihe von Arbeiten, besonders. die „Andeutungen zu einigen Ausflügen . . . “, (1828), und, als erste Zusammenschau des neuen Fachgebietes, „Über Burgen und Schlösser . . . “, (1837), verfasste.

Richtunggebend dabei war auch Scheigers Abkehr von der romantisch-schwärmerischen Betrachtungsweise von Baudenkmälern. Sein bewusst nüchtern gehaltener Stil kam auch seinen für die Praxis geschriebenen Broschüren, z. B. einer Anleitung für Fußreisende, für Feuer- oder Denkmalschutz, zugute. Mit seinen Arbeiten über das bürgerliche Zeughaus in Wien gab er auch der historischen Waffenkunde entscheidende Impulse.

Die Jahre 1835–45, in denen er in Zadar und Venedig als Postbeamter tätig war, bildeten eine erzwungene Zäsur in seiner publizistischen Tätigkeit. Diese konnte er erst in Graz wieder fortsetzen

Es folgten zahlreiche, meist in Zeitungen und Zeitschriften verstreute Arbeiten aus dem Gebiet der historischen Topographie der Steiermark. 1872 wurde ihm die kaiserlichen Auszeichnung Edler von verliehen. Er war Mitglied sowie Ehrenmitglied zahlreicher gemeinnütziger und wissenschaftlicher Gesellschaften und Vereine. Er war für den Historischen Verein für Steiermark von 1850–72 Ausschußmitglied. Für die k.k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale war er deren Konservator für Graz und von 1855–71 für ganz Steiermark.

Werke

  • Das von Ritter v. Schönfeld gegründete technolog. Mus. in Wien, 1824, latein. 1825;
  • Ausflug in einige Umgebungen von Neustadt und einige Puncte des Weges nach dem Schneeberg, in: Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst 17, 1826;
  • Der Fußreisende in Österreich, 1827;
  • Andeutungen zu einigen Ausflügen im Viertel unter dem Wienerwalde . . ., 1828;
  • Andeutungen zur Geschichte und Beschreibung des bürgerlichen Zeughauses in Wien, in: Beiträge zur Landeskunde Oesterreichs unter der Enns 3, 1833, auch selbständig; Ueber Schutz und Hilfe gegen Feuersbrünste, 1835;
  • Über Burgen und Schlösser im Lande Österreich unter der Enns, 1837;
  • Andeutungen über Erhaltung und Herstellung alter Burgen und Schlösser, 1853;
  • Von dem Einflusse der Pflanzen auf die Zerstörung der Ruinen, in: Berichte und Mittheilungen des Alterthums-Vereines. zu Wien, Band 2, 1857;
  • Hochosterwitz in Kärnthen, in: Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale 5, 1860;
  • Quellen und Beiträge zur Geschichte der Vertheidigung des Schlossberges in Graz im Jahre 1809, in: Mittheilungen des historischen Vereines für Steiermark, Band 14, 1866;
  • Chronik des alten Geschlechtes deren v. Schilling, ohne Jahresangabe.;
  • Die Panthaidungen von Wartenstein und Grimmenstein (Hrsg.) in: Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetze, 1829, Hauptbibliothek, Bd. 1.

Dazu kommen noch 25 weitere Beiträge in Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst (bzw. Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst) 12–17, 1821–26, zahlreiche Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften.

Literatur

  • Tagespost (Graz) vom 8. Mai 1886;
  • Wendelin Boeheim, in: Oesterreichisch-Ungarische Revue, NF3, 1887, S. 128ff., 206ff.;
  • Wendelin Boeheim Berichte und Mittheilungen des Alterthums-Vereines zu Wien 24, 1887, S. 162ff.;
  • Franz Ilwof, in: Mittheilungen des historischen Vereines für Steiermark. 42, 1894, S. 231ff. (mit Werksverzeichnis);
  • F. Halmer, in: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich, NF26, 1964, Bd. 2, S. 723ff.;
  • E. Katzer, in: Niederösterreichische Kulturberichte, Mai 1986, S. 14f.;
  • Graeffer-Czikann, Oesterreichische National-Encyklopädie
  • Wurzbach; H. Rollett, Neue Beiträge zur Chronik der Stadt Baden bei Wien 12, 1899, S. 85f.;
  • W. Semetkowski, in: Die Steiermark, Land, Leute, Leistung, 1956, S. 196;
  • F. Halmer, Josef Schweigers Handzeichnungen der österr. Burgen, Schlösser, Ruinen und Wehrkirchen 1817–82, (1966); Allg. Verw.Archiv, UA, beide Wien.


[Dieser Artikel basiert hauptsächlich auf dem Artikel aus Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950]

Weblinks