Julius Anton Glaser

Julius Anton Glaser (* 19. März 1831 in Postelberg, Böhmen; † 26. Dezember 1885 in Wien) war ein österreichischer Rechtswissenschaftler und liberaler Politiker.

Dr. Julius Glaser, Minister der Justiz (Wiener Salonblatt, 23. Juni 1872)

Julius Anton Glaser, vorher Josua, ausgezeichneter Kriminalist, Sohn jüdischer Eltern, trat später zum Christentum über.

1849 an der Universität Zürich zum Doktor der Philosophie promoviert, machte er sich, noch nicht 20 Jahre alt, durch seine Monographie Das englisch-schottische Strafverfahren (Wien 1850) als kriminalistischer Schriftsteller bekannt und habilitierte sich nach Erlangung der juristischen Doktorwürde 1854 in Wien als Privatdozent für österreichisches Strafrecht, worauf er 1856 außerordentlicher, 1860 ordentlicher Professor wurde.

Ein eifriges Mitglied des deutschen Juristentags, war er zugleich für Reform der österreichischen Strafgesetzgebung, namentlich für das Zustandekommen der neuen Strafprozessordnung, tätig. Am 25. November 1871 trat er als Justizminister in das Kabinett Adolf Fürst von Auersperg, dem er bis 1879 angehörte. Als Vertreter der inneren Stadt Wien im Abgeordnetenhaus gehörte er zu den begabtesten Anhängern der Partei der Linken. Seit 1879 Generalprokurator am höchsten Gerichtshof, starb er am 26. Dezember 1885 in Wien.

Von seinen Schriften sind noch hervorzuheben:

  • Abhandlungen aus dem österreichischen Strafrecht (Wien 1858, Bd. 1);
  • Anklage, Wahrspruch und Rechtsmittel im englischen Schwurgerichtsverfahren (Erlangen 1866);
  • Gesammelte kleinere Schriften über Strafrecht, Zivil- und Strafprozeß (Wien 1868, 2 Bde.; 2. Aufl. 1883);
  • Studien zum Entwurf des österreichischen Strafgesetzes über Verbrechen und Vergehen (Wien 1871);
  • Schwurgerichtliche Erörterungen (2. Aufl., das. 1875);
  • Beiträge zur Lehre vom Beweis im Strafprozeß (Leipzig 1883).

In Karl Bindings Handbuch der deutschen Rechtswissenschaft bearbeitete er den Strafprozess (Leipzig 1883-85, 2 Bde.). Mit Joseph Unger und J. v. Walther gab er die Sammlung von zivilrechtlichen Entscheidungen des k. k. obersten Gerichtshof (Wien 1859 ff., 2. Aufl. 1873 ff.), mit Stubenrauch und Nowak die Allgemeine österreichische Gerichtszeitung (1864 ff.) heraus.

Im Jahr 1888 wurde in Wien Alsergrund (9. Bezirk) die Glasergasse nach ihm benannt.

Werke

  • Anklage, Wahrspruch und Rechtsmittel im englischen Schwurgerichtsverfahren. Nachdr. der Ausg. Erlangen, Enke, 1866. Goldbach: Keip, 1997. ISBN 3-8051-0395-6.

Literatur

Weblinks

 Commons: Julius Glaser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Meyers Konversationslexikons logo.svg Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
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