Karl Otmar von Aretin

Karl Otmar Freiherr von Aretin (* 2. Juli 1923 in München) ist ein deutscher Historiker.

Inhaltsverzeichnis

Familie

Karl Otmar von Aretin ist der dritte von vier Söhnen des Politikers Erwein Freiherr von Aretin (1887–1952) und der Maria Gräfin Anna von Belcredi (1888–1968) sowie ein Ururgroßneffe des bekannten bayerischen Historikers und Bibliothekars Johann Christoph Freiherr von Aretin. Seine Brüder waren der Bundestags- und Landtagsabgeordnete Anton Freiherr von Aretin und der Jesuit Richard Freiherr von Aretin; sein Bruder Sebastian fiel im Zweiten Weltkrieg. Er ist Cousin von Annette von Aretin.

Seit 1960 ist er mit Ruth, einer Tochter des Wehrmachtsgeneral und Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 Henning von Tresckow, verheiratet. Der Ehe entstammen eine 1962 geborene Tochter und ein 1967 zur Welt gekommenes Zwillingspaar.

Leben

Von Aretin war Kriegsteilnehmer von 1942 bis 1945. 1946 nahm er an der Ludwig-Maximilians-Universität München sein Studium der Geschichte und Kunstgeschichte auf und wurde 1952 bei Franz Schnabel mit der Dissertation über Die deutsche Politik Bayerns in der Zeit der staatlichen Entwicklung des Deutschen Bundes 1814–1820 zum Dr. phil. promoviert. Von 1952 bis 1957 war er Mitglied der Redaktion der Neuen Deutsche Biographie (NDB). Von 1953 bis 1958 war Aretin Stipendiat des Mainzer Instituts für Europäische Geschichte und von 1958 bis 1964 wissenschaftlicher Assistent am Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen. 1962 habilitierte er sich an der Universität Göttingen mit der Schrift Heiliges Römisches Reich 1776–1806. Reichsverfassung und Staatssouveränität.[1]

1964 wurde Aretin ordentlicher Professor für Zeitgeschichte an der TH Darmstadt. Von 1968 bis 1994 war er Direktor des Instituts für Europäische Geschichte in Mainz, Abteilung für Universalgeschichte.[1]

Von 1972 bis 1980 war Aretin Schriftführer des Verbandes der Historiker Deutschlands, von 1987 bis 1998 Hauptschriftleiter der Neuen Deutschen Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Der Kommission gehört er seit 1980 als ordentliches Mitglied an[2]; seit 1982 leitet er die Abteilung „Quellen zu den Reformen in den Rheinbundstaaten“.

Aretin ist korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (1976) und der British Academy in London und Ehrenmitglied der ungarischen Akademie der Wissenschaften (1986) sowie Mitglied der Royal Historical Society.[1]

Wirken

Als Zeithistoriker beschäftigte er sich insbesondere mit der Geschichte zwischen 1919 und 1945. In dem Werk „Nation, Staat und Demokratie in Deutschland“ stellte er unter familiärem Bezug auf seinen Vater Erwein Freiherr von Aretin, einem bekannten Münchner Gegner Adolf Hitlers, und seinem Schwiegervater Henning von Tresckow das Bild Deutschlands dar.[3] Karl Otmar von Aretin selbst lernte Claus Schenk Graf von Stauffenberg persönlich im Jahr 1943 in München kennen.[4]

Zusammen mit Eugen Kogon entwickelte er die Grundlagen für den Unterricht in jüngerer Zeitgeschichte für das Lehramt der Gewerbe- und Sozialkundelehrer.[3]

Als Direktor des Instituts für Europäische Geschichte in Mainz engagierte er sich früh für eine wissenschaftlich und wissenschaftspolitische Auseinandersetzung Deutschlands mit Südost- und Osteuropa. Von der Adam-Mickiewicz-Universität Posen wurde ihm 1984 als erstem Deutschen die Ehrendoktorwürde zum Dr. phil. h. c. zuerkannt.[3]

Mit dem vierbändigen Werk „Das Alte Reich“ legte er eine integrative Darstellung des Heiligen Römischen Reich vom Westfälischen Frieden bis zu seinem Ende 1806 vor.[5] Das Werk gilt als Hauptwerk Aretins und ist Standardwerk zur Geschichte des Alten Reiches und gliedert sich in Föderalistische oder hierarchische Ordnung (1648–1684), Kaisertradition und österreichische Großmachtpolitik (1648–1745), Das Reich und der österreichisch-preußische Dualismus (1745–1806) und Wissenschaftliches Gesamtregister.[5]

Schriften (Auswahl)

Monografien

  • mit Gerhard Fauth: Die Machtergreifung (= Arbeitsheft für Mittler der politischen Bildung 3, ZDB-ID 533424-x). Bayerische Landeszentrale für Heimatdienst, München 1959,
  • Papsttum und moderne Welt. Kindler, München 1970.
  • Bayerns Weg zum souveränen Staat. Landstände und konstitutionelle Monarchie 1714–1818. C. H. Beck, München 1976, ISBN 3-406-06502-3.
  • Friedrich der Grosse. Größe und Grenzen des Preußenkönigs. Bilder und Gegenbilder. Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 1985, ISBN 3-451-20473-8.
  • Das Alte Reich. 1648–1806. 4 Bände. Klett-Cotta, Stuttgart 1993–2000, ISBN 3-608-91043-3.
  • Nation, Staat und Demokratie in Deutschland. Ausgewählte Beiträge zur Zeitgeschichte (= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte, Mainz. Beiheft 27). Herausgegeben von Andreas Kunz und Martin Vogt. von Zabern, Mainz 1993, ISBN 3-8053-1570-8.
  • mit Ulrich Cartarius: Opposition gegen Hitler. Ein erzählender Bildband (= Deutscher Widerstand 1933–1945.). Siedler, Berlin 1984, ISBN 3-88680-110-1.
  • Franckenstein. Eine politische Karriere zwischen Bismarck und Ludwig II. Klett-Cotta, Stuttgart 2003, ISBN 3-608-94286-6.

Herausgeberschaften

Literatur

  • Ralph Melville (Hrsg.): Deutschland und Europa in der Neuzeit. Festschrift für Karl Otmar Freiherr von Aretin zum 65. Geburtstag (= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz. Abteilung Universalgeschichte. Bd. 134). 2 Bände. Steiner-Verlag Wiesbaden, Stuttgart 1988, ISBN 3-515-05053-1 [6]

Weblinks

Anmerkungen

  1. a b c Hartmut Lehmann, Otto Gerhard Oexle (Hrsg.): Erinnerungstücke, Wege in die Vergangenheit. Rudolf Vierhaus zum 75. Geburtstag gewidmet. Böhlau, Wien u. a. 1997, ISBN 3-205-98824-8, S. 278.
  2. Mitglieder der Historischen Kommission, Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 27. Juni 2012
  3. a b c Technische Universität Darmstadt: Professor Dr. Karl Otmar Freiherr von Aretin 75 Jahre, Festvortrag von Winfried Schulze vom 10. Juli 1998, Informationsdienst Wissenschaft
  4. Interviewpartner der JUNGEN FREIHEIT (Stand: November 2010), abgerufen am 27. Juni 2012
  5. a b Das Alte Reich 1648–1806, Klett-Cotta, abgerufen am 27. Juni 2012
  6. Stuart Jenks: Festschrift Karl Otmar Freiherr von Aretin (1988), Fordham University, abgerufen am 27. Juni 2012.