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vom 10.12.2012, aktuelle Version,

Mohammed Daoud Khan

Mohammed Daoud Khan (um 1960)

Mohammed Daoud Khan, paschtunisch محمد داود خان, (* 18. Juli 1909 in Kabul; † 28. April 1978 ebenda) war der erste und einzige Präsident der Republik Afghanistan, vom 17. Juli 1973 bis zu seinem Tod.

Frühe Jahre

Als Sohn von Mohammad Aziz Khan und Enkel von Mohammed Yusuf Khan war Mohammed Daoud Khan ein Angehöriger der Baraksai-Dynastie und ein Neffe des afghanischen Königs Mohammed Nadir Shah.

Nach Schulbesuchen, unter anderem in Frankreich und einer militärischen Ausbildung war er von 1934 bis 1935 und 1938 bis 1939 Provinzgouverneur im Osten Afghanistans sowie von 1935 bis 1938 Gouverneur von Kandahar. Danach arbeitete er an seiner militärischen Karriere. 1939 wurde er zum Oberstleutnant befördert und kommandierte bis 1946 das Armeekorps Kabul. 1946 bis 1948 war er Verteidigungsminister, 1948 Botschafter in Frankreich und ab 1949 Innenminister. 1951 wurde er zum General befördert und diente als Kommandeur der Zentralen Streitkräfte um Kabul.

Ministerpräsident

Im Rahmen einer familieninternen Aufgabenverteilung wurde er 1953 zum Ministerpräsidenten ernannt. Daoud Khan galt als Befürworter der Angliederung der im Nordwesten Pakistans gelegenen Gebiete mit ihrer überwiegend Paschtu sprechenden Bevölkerung. Sein Auftritt als Redner in der Gründungszeit Pakistans und die Forderung der Eingliederung des nordwestlichen Pakistans, der Aufhebung der Durand-Linie, führte zu einem Konflikt mit Großbritannien als Schutzmacht des neu entstandenen Pakistan und Pakistan selbst.

1961 reagierte Pakistan auf die Politik Khans mit der Schließung der Grenze zu Afghanistan. Dies führte in dem Binnenland Afghanistan zu einem massiven Wirtschaftseinbruch und führte das Land wirtschaftlich näher an die Sowjetunion heran. Sie wurde der wichtigste Handelspartner und auch der wichtigste militärische Verbündete Afghanistans.

Durch Pakistans militärische Stärke bedroht, kaufte Afghanistan im Lauf der nächsten Jahre Flugzeuge, Panzer und Artillerie in Wert von 25 Millionen Dollar aus der Sowjetunion. 1962 sandte Daoud Khan mehrmals afghanische Truppen über die Grenze nach Pakistan, um einen Aufstand der paschtunischen Mehrheit im Norden des Landes zu provozieren, was aber nicht erfolgreich war.

Daoud wurde von seinem Vetter, König Mohammed Sahir Schah, 1963 abgesetzt, um die Krise mit Pakistan zu entschärfen. Dies führte im Mai 1963 dann auch wieder zur Grenzöffnung seitens Pakistans. Ebenfalls 1963 erließ der König eine neue Verfassung, in der festgelegt wurde, dass Mitglieder der Königsfamilie nicht mehr in der Regierung tätig sein durften. Das führte dazu, dass Daoud Khan auch von seinen verbliebenen Ämtern zurücktreten musste und zu einer Verschlechterung der Beziehung zum König.

Staatsstreich

Trotz einer Annäherung seit 1968 stürzte Daoud Khan am 17. Juli 1973 die Monarchie unter Mohammed Sahir Schah und machte Afghanistan zur Republik. Der König war zu diesem Zeitpunkt in Italien zur Kur und die Machtübernahme verlief unblutig.

Daoud Khan rief daraufhin die Republik aus, er nannte sich selbst Präsident und setzte auf die Unterstützung der kommunistischen Demokratischen Volkspartei Afghanistans (DVPA).

Zunächst auf die Unterstützung der Sowjetunion bauend, richtete er seinen Blick bis 1978 immer mehr in Richtung Ägypten, Indien, Saudi-Arabien und Iran. Außerdem konnte er den Streit mit Pakistan dank der Hilfe der USA und Irans beilegen, was zu besseren Beziehungen der Staaten führte.

1976 gründete Daoud Khan mit der Nationalen Revolutionären Partei seine eigene Partei und richtete seine Aktivitäten auf diese aus. Gleichzeitig rückte er immer mehr von den Führern der DVPA, Nur Muhammad Taraki, Babrak Karmal und Hafizullah Amin ab.

1977 berief er die Loja Dschirga (Große Versammlung) ein, mit dem Ziel, Afghanistan der Verfassung nach in einen Einparteienstaat zu verwandeln. Dies führte zum Verbot der DVPA.

Saur-Revolution und Tod

Bei der Beerdigung des ermordeten paschtunischen Ideologen Mir Akbar Khyber am 19. April 1978 kam es zu Ausschreitungen gegen die von Daoud Khan geführte Regierung. 10.000 bis 30.000 Personen folgten dem Aufruf von Nur Muhammad Taraki, Hafizullah Amin und Babrak Karmal, gegen die Regierung zu demonstrieren.

Geschockt von der kommunistischen Machtdemonstration, verfügte Daoud Khan, dass die Anführer der DVPA verhaftet werden sollen. Dennoch konnte Karmal in die Sowjetunion fliehen, Taraki erst nach einer Woche verhaftet werden, während Amin unter Hausarrest gestellt wurde.

Die Armee, die bereits durch die DVPA unterwandert war, wurde am 26. April in Kampfbereitschaft versetzt. In dieser kritischen Situation gelang es Amin, der trotz Hausarrests mit seinen Anhängern kommunizieren konnte, die Armee auf seine Seite zu ziehen. Am 27. April begann der Putsch, als Teile der afghanischen Armee sich offen gegen Daoud stellten und sich von ihrer Basis am Flughafen Kabul in Richtung Regierungssitz in der Stadtmitte begaben. Da sich aber immer noch Einheiten auf der Seite Daoud Khans befanden, gab es im Verlauf des Tages heftige Gefechte in der Stadt. Die afghanische Luftwaffe, bewaffnet mit Su-7- und MiG-21-Kampfflugzeugen, griff auf Seiten der aufständischen Truppen ein, was zur Niederlage der Truppen von Daoud Khan führte.

Bis zum Abend hatten die Aufständischen den Arg-Palast, den ehemaligen Königspalast und Sitz der Regierung, eingenommen. Am 28. April wurden Daoud Khan und der größte Teil seiner Familie erschossen. In einer offiziellen Erklärung hieß es, er sei wegen „gesundheitlicher Probleme“ zurückgetreten.

Nachleben

Am 28. Juni 2008 wurden die Leichen von Daoud Khan und seiner Familie in zwei Massengräbern nahe dem Pul-e-Charkhi-Gefängnis, im Distrikt 12 von Kabul entdeckt. Er wurde anhand seines Zahnabdrucks und eines goldenen Korans, den er vom König von Saudi-Arabien erhalten hatte, identifiziert.

Er wurde am 17. März 2009 mit einem Staatsbegräbnis beerdigt.