Räuberhöhle (Spital am Semmering)

Als Räuberhöhle werden drei Höhlen oberhalb der Zatzkavillen in Spital am Semmering im österreichischen Bezirk Mürzzuschlag in der Steiermark bezeichnet. Sie werden von Kletterern genutzt und weisen einen Schwierigkeitsgrad der 17 Boulders von 5A bis 7C auf. In einer der Höhlen wurde der Schmetterling Eulenfalter nachgewiesen.[1]

Inhaltsverzeichnis

Kleine Räuberhöhle

Die erste der drei Höhlen, auch Kleine Räuberhöhle genannt, ist heute nicht mehr als eine kleine Aushöhlung im Felsgestein, die nur wenige Meter in den Berg reicht und angeblich bereits im 12. Jahrhundert verschüttet wurde, um sie für die sagenhaften Räuber des Cerwaldes unbrauchbar zu machen.

Mittlere Räuberhöhle

Die Gänge der Mittleren Räuberhöhle reichen einige hundert Meter in den Berg. Sie verzweigen sich immer mehr und werden schließlich unpassierbar. Von ihr aus sollen Geheimgänge in die nähere Umgebung und bis nach Niederösterreich führen. Im Hohleninneren finden sich eiserne Schienen, die aus dem Jahr 1912 stammen, als vom Spitaler Höhlenverein dort eine Schauhöhle errichtet wurde.

Große Räuberhöhle

Die Große Räuberhöhle liegt einige hundert Meter westlich der Mittleren Räuberhöhle. Sie wurde früher auch „Zederhaus“ genannt. Bereits 1828 beschrieb der Dorfrichter von Spital am Semmering, Johann Glück, die Höhle in der steiermarkweit gelesenen Zeitschrift „Der Aufmerksame“, einer biedermeierlichen Bildungsbeilage zur „Grätzer Zeitung“, in einem umfassenden Artikel mit dem Titel „Die Räuberhöhle, sonst Zederhaus, allgemein aber die Taborwand genannt (bey Spital a.S.)“.

Die Große Räuberhöhle ist eine von zwei mit Wehranlagen versehenen Höhlen der Steiermark. Sie weist Versinterungen auf, jedoch keine Tropfsteine.

Der Sage nach sollen in ihr die Räuber des Cerwaldes gelebt haben. Das einzige sichere Indiz dafür ist eine Urkunde aus dem Jahr 1220, in der diese Räuber genannt werden. Im 17. und 18. Jahrhundert hielten sich, durch mehrere Quellen belegt, in der Großen Räuberhöhle mehrfach Gruppen abgerüsteter Soldaten und so genannter „Zigeuner“ auf, die sich diese Höhle als Unterschlupf wählten und von dort aus das Umland drangsalierten.

Die nicht erhaltenen wehrhaften Mauern mit Schießscharten und Spuren der ehemaligen Türverriegelung vor der Höhle dienten wahrscheinlich bereits in den unruhigen Zeiten des 15. Jahrhunderts mit Baumkircherfehde, Ungarneinfällen und Osmanenbedrohung dazu, die Bevölkerung des Fröschnitztals zu schützen.

Der steirische Historiker Robert Baravalle nahm an, dass es sich bei der Räuberhöhle ursprünglich um die Höhlenburg eines kleinen Ritters handelte, die später zu dieser Fluchtburg, einem Tabor, ausgebaut wurde. Sicher wurde die Fluchthöhle spätestens während der ersten Türkenbelagerung Wiens im Jahr 1529 wieder genutzt, und wahrscheinlich auch noch während der zweiten Türkenbelagerung Wiens im Jahr 1683 letztmals adaptiert.

Quellen

  • Bernhard A. Reismann: Geschichte der Gemeinde Spital am Semmering. Spital am Semmering 1997

Einzelnachweise

  1. Zeitschrift der Wiener Entomologischen Gesellschaft 37. Jahrgang S. 177 (PDF-Datei)