RISM-Österreich

RISM-Österreich ist ein österreichischer Forschungsförderungsverein für das Quellenlexikon der Musik mit Sitz in Wien. Die Abkürzung RISM steht für „Répertoire International des Sources Musicales“.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der gemeinnützige und nicht kommerziell tätige Verein wurde im Jahre 2003 gegründet und konstituierte sich im Jahre 2004. Er fördert Forschungen auf dem Gebiet der österreichischen Musikgeschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte der Wiener Oper und der musikalischen Quellenkunde. RISM-Österreich führt in Österreich Inventarisierungen sowie andere musik-bibliographische Erhebungen durch und sammelt und publiziert deren Ergebnisse. Im Rahmen von Projekten soll die Aufarbeitung der musikalischen Quellenkunde und Aspekte der österreichischen Musikgeschichte gewährleistet werden. Die Forschungsergebnisse dieser Projekte werden in den „Veröffentlichungen des rism-österreich“ und auf den Webseiten des Vereins publiziert.

Neben den Publikationen erfolgten Vorträge zu den Themen „Operngeschichte“, „Oper in Wien“, „Vergessene Komponisten“ und „Musikalische Quellen“. 2011 steht Franz Liszt im Mittelpunkt, 2012-2014 Giuseppe Verdi, Richard Wagner und der Wiener Hofoperndirektor Wilhelm Jahn.

Vorstand

Präsident des rism-österreich ist Clemens Jabloner, Vizepräsidenten Clemens Höslinger und Heinrich Tettinek. Die Ehrenpräsidenten des Vereins sind Clemens Hellsberg und Robert Holl. Dem wissenschaftlichen Beirat gehören Erich Benedikt, Thomas Hochradner, Andreas Lindner und Klaus Petermayr an. Forschungsleiter des RISM-Österreich ist Michael Jahn.

Projekte

Musikarchive in Österreich

Die in den Musikarchiven erfassten musikalischen Quellen sind handschriftliche oder gedruckte Noten. Sie werden beschrieben und in Katalogen erfasst. Die historischen Bestände der Musikarchive werden unter Berücksichtigung der Erfordernisse der international gebräuchlichen RISM-Datenbank veröffentlicht.

Die Kataloge enthalten u. a. folgende Angaben: Komponist mit Lebensdaten; Titel; Besetzung; Werkverzeichnis; Tonart; Diplomatischer Titel; Weitere Namen, die auf der Quelle aufscheinen (z. B. Widmungsträger); Datierung; Schreiber; Notenmaterial: Partitur, Stimmenmaterial etc.; Wasserzeichen; Incipit: Besetzung, Tempo, Tonart, Textincipit, Musikincipit; Besetzung; Aufführungsdaten; Frühere Besitzer; Anmerkungen; Signatur.

Zusätzlich zu den Verzeichnissen der Archivbestände und den Registern (Titelregister, Register der liturgischen Feste, Personen- und Ortsregister, Literatur, Register der Signaturen) enthalten die in den „Veröffentlichungen des RISM-Österreich“ publizierten Forschungsergebnisse Einleitungen von Persönlichkeiten, die mit den jeweiligen Musikarchiven in enger Verbindung stehen.

Die Forschungsergebnisse werden in der Reihe A der „Veröffentlichungen des RISM-Österreich“ publiziert. Neben den Archivkatalogen kommen hier auch verwandte Themen, die sich mit der Pflege der in den Archiven bearbeiteten Musikalien beschäftigen, zur Veröffentlichung.

Oper als internationale Kunstform in Wien

Ziel des Projekts ist eine Aufarbeitung der Theaterzettel der Wiener Hof- bzw. Staatsoper von 1794 bis 1945. Der Inhalt der Theaterzettel wird meist zur Gänze aufgenommen, die daraus gewonnen Statistiken nehmen einen großen Teil der Publikationen ein. Die täglichen Besetzungen der musik- und tanzdramatischen Werke wurden ebenso zum ersten Mal ausgewertet wie jene der Konzertveranstaltungen. Neben den Besetzungen werden tägliche chronologische Spielpläne zusammengestellt und Statistiken erstellt. Für die weiteren Operntheater Wiens gelten, sofern die Bestände erhalten sind, die gleichen Voraussetzungen.

Neben den statistischen Abschnitten wird die Geschichte der Oper in Wien aufgearbeitet, die leitenden Persönlichkeiten und die wichtigsten Künstler werden ebenso behandelt wie das Opernrepertoire, Dekorationswesen und Ballett. Zeitgenössische Rezensionen werden ebenfalls aufgenommen. In der Reihe „Schriften zur Wiener Operngeschichte“ erscheinen in loser Zusammenstellung kürzere Artikel zu dem Thema „Oper in Wien“ sowie ab 2010 Darstellungen der Rezeption von Werken großer Künstler in Wien (beginnend mit Donizetti, Meyerbeer, Verdi und Wagner).

Die Forschungsergebnisse werden in Reihe B der „Veröffentlichungen des RISM-Österreich“ publiziert.

Verdi in Wien

1843 dirigierte Giuseppe Verdi seinen Nabucco in Wien, 1875 Aida und das Requiem. Viele seiner Opern gehören, obwohl anlässlich der Erstaufführungen von gestrengen Musikkritikern heftig abgelehnt, bis heute zu den wichtigsten Stützen des Wiener Opernrepertoires.

Wagner in Wien

Erst 1857 wurde mit Tannhäuser das erste musikdramatische Werk Richard Wagners in Wien in einem Vorstadttheater komplett aufgeführt, ein Jahr später kam Lohengrin an der Hofoper heraus. Zwar konnte die geplante Uraufführung von Tristan und Isolde nicht in Wien bewerkstelligt werden, doch immerhin sollte der Komponist 1875 Tannhäuser (Wiener Fassung) und Lohengrin selbst einstudieren und 1876 eine einzige Aufführung des Lohengrin dirigieren.

Wiener historischer Opernführer

Ziel ist die wissenschaftliche Aufarbeitung des Erscheinungsbildes der jeweiligen Oper in Wien. Dazu gehören Ort und Zeit Aufführungen, die Mitwirkenden, Fassungen des Werkes, Kürzungen und Änderungen sowie Reaktionen. Den Mittelpunkt bilden Rezensionen zu historischen Aufführungen bis 1945. Die Forschungsergebnisse werden in Reihe C der „Veröffentlichungen des RISM-Österreich“ publiziert.

Veröffentlichungen

Reihe A

In Reihe A werden die Ergebnisse der Forschungen auf den Gebieten der musikalischen Quellenkunde und der Kirchenmusik bzw. der geistlichen Musik sowie die Jahrbücher des rism-österreich veröffentlicht. Die Bände zur Quellenkunde werden durch ein Vorwort von mit dem jeweiligen erforschten Musikarchiv in enger Verbindung stehenden Persönlichkeiten eingeleitet. Zuletzt erschienen:

Reihe B

In Reihe B werden die Ergebnisse der Forschungen auf den Gebieten der österreichischen Musikgeschichte bzw. der weltlichen Musik mit dem Schwerpunkt Geschichte der Wiener Oper publiziert. Bisher u. a. erschienen:

  • Die Wiener Hofoper von 1836 bis 1848. Die Ära Balochino/Merelli. Wien 2005. ISBN 978-3-85450-148-0
  • Die Wiener Hofoper von 1810 bis 1836. Das Kärnthnerthortheater als Hofoper. Wien 2007. ISBN 978-3-85450-286-9
  • Donizetti und seine Zeit in Wien. Schriften zur Wiener Operngeschichte 8. Wien 2010. ISBN 978-3-85450-310-1
  • Die Wiener Hofoper von 1794 bis 1810. Tanz und Musik im Burg- und Kärnthnerthortheater. Wien 2011. ISBN 978-3-85450-311-8

Reihe C

In Reihe C werden die Bände der Reihe „Wiener historischer Opernführer“ publiziert. Bisher erschienen:

  • Vincenzo Bellini: I Puritani (Bd. 10).
  • Gaetano Donizetti: Maria di Rohan (Bd. 1) und Lucia di Lammermoor (Bd. 6).
  • Jacques Fromental Halévy: La Juive (Bd. 4).
  • Giacomo Meyerbeer: Les Huguenots (Bd. 2).
  • Wolfgang Amadeus Mozart: Don Giovanni. Teil I (Bd. 9) und Teil II (Bd. 11).
  • Johann Strauß: Die Fledermaus/Ritter Pásmán (Bd. 8).
  • Giuseppe Verdi: Macbeth/Simon Boccanegra (Bd. 7).
  • Richard Wagner: Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg (Bd. 3) und Der Ring des Nibelungen. Teil I (Bd. 5).

Weblinks