Reinhard Wegerth

Reinhard Wegerth 2009

Reinhard Wegerth (* 25. Juni 1950 in Neudorf bei Staatz) ist ein österreichischer Schriftsteller. Er veröffentlichte auch unter dem Pseudonym Leidergott.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Reinhard Wegerth wuchs in Mödling auf, wo er am Realgymnasium Keimgasse maturierte. 1968 begann er das Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Wien, das er 1975 als Dr. jur. abschloss. Schon 1971 hatte er in Wien gemeinsam mit Gregor Adamcik, Nils Jensen und Reinhard P. Gruber das Literaturmagazin Frischfleisch gegründet, dem er bis 1979 als Redakteur und Autor verbunden blieb. Ab den achtziger Jahren war er Verlagslektor beim Österreichischen Bundesverlag. Er gab dort die Anthologie Zeit-Geschichten heraus, war Mitbetreuer der Sammelbände Junge Literatur (mit Autoren wie Daniel Glattauer und Daniela Strigl) und lektorierte u. a. Bücher von Thomas Pluch und Alexander Tollmann. Anschließend war er bis 2004 Redakteur der verlagseigenen Schülerzeitschriften Jungösterreich und Kleines Volk. An eigenen Büchern entstanden in diesen Jahren der Zukunftsroman Der große grüne Atemstreik und das Textbuch Wienerlied – frisch begrünt. Ab 2006 war Reinhard Wegerth freiberuflich als Redakteur und Moderator des Wiener Lesungsveranstalters Alte Schmiede tätig. 2010 erschien sein „Stimmenroman“ Damals und dort.

Rezeption

Von der Buchkritik besonders beachtet wurde Wegerths „Stimmenroman“ Damals und dort (2010). Die Besprechungen hoben sowohl die Thematik als auch die Erzählweise hervor.

  • In der Wiener Zeitung schrieb David Axmann unter dem Titel „Lebenskaleidoskop“: „…berichtet in 30 kurzen Kapiteln von für ihn bedeutsamen Erlebnissen aus den Jahren 1970 bis 2000, erinnert sich an seine politische, existenzielle und erotische Ausbildungszeit …Der stilistische Witz dieses sogenannten ‚Stimmenromans’ beruht auf der Grundidee, jede der hier versammelten Reminiszenzen aus dem Blickwinkel und mit den Worten eines für den Autor unvergesslichen Wirklichkeitssegments darzustellen.“[1]
  • In der Tageszeitung Die Presse schreibt Peter Henisch unter dem Titel „Kreisky, Hainburg, Waldheim“: „Der Autor (Reinhard Wegerth) schreibt recht ungeniert über den als solchen bezeichneten Autor (also auch Reinhard Wegerth). Doch legt er die Beobachtung dieses Typs in Miniaturen, die über einen Zeitraum von 30 Jahren verteilt sind, seiner Umwelt in den Mund. Manchmal, aber relativ selten, der menschlichen, häufiger – und das ist die charmante Chuzpe dieser meist kurzen, im Schnitt zwei, drei Seiten umfassenden Texte – der dinglichen Umwelt, also den Objekten, aus deren Perspektive er das Subjekt (also das eigene Ich in diversen Entwicklungsstadien) observiert.[2]
  • Im Augustin (Straßenzeitung) schrieb Lutz Holzinger unter dem Titel „Die Dinge reden lassen“: „Reinhard Wegerth, der zur Zeit des ‚Arbeitskreis österreichischer Literaturproduzenten’ (1971-1975) unter dem Pseudonym Leidergott debütierte, hat … eine originelle Textsammlung vorgelegt. Das ganze Buch setzt sich aus relativ knappen Abschnitten zusammen, die jeweils einem einzigen Thema gewidmet sind und in denen zumeist Dinge als Erzähler instrumentiert werden … Es lässt sich als Chronik einer weitgehend untergegangenen Epoche lesen und zaubert einem/r immer wieder ein Schmunzeln auf die Lippen.“[3]

Werke

Bücher

  • Der große grüne Atemstreik. Kurzroman aus der Zukunft. Wien 1985 (Edition S)
  • Wienerlied – frisch begrünt. Alternative Texte zu beliebten Melodien. Mödling-Wien 1990 (Edition Umbruch)
  • Damals und dort. Stimmenroman. Klagenfurt 2010 (Sisyphus Verlag)

Hörspiele

Herausgeberschaft

  • Frischfleisch. Literaturmagazin. Wien 1971–1979 (gemeinsam mit Nils Jensen)
  • Geschichten nach ’68. Neue österreichische Erzähler über Themen des letzten Jahrzehnts. Wien 1978 (FF & LM; gemeinsam mit Nils Jensen)
  • Zeit-Geschichten. Prosa und Lyrik über eine Jahrhunderthälfte. Wien 1982 (Österreichischer Bundesverlag)

Einzelnachweise

  1. David Axmann: „Lebenskaleidoskop“, Wiener Zeitung 14./15. August 2010 (Beilage extra)
  2. Peter Henisch: „Kreisky, Hainburg, Waldheim“, Die Presse 24. Dezember 2010 (Beilage Spectrum)
  3. Lutz Holzinger: „Die Dinge reden lassen“, Augustin 12.-25. Januar 2011 (Rubrik Bibliotick)

Weblinks