Schneller zu Lottstetten

Die Familie Schneller stammt aus Lottstetten im heutigen Klettgau, Baden-Württemberg. Bis 1812 gehörte die Landgrafschaft Klettgau zur Herrschaft Schwarzenberg. Die Familie war über Generationen als Ministerialen und Vögte der Grafen von Sulz und der Probstei Öhningen tätig. Neben Eigenbesitz hatten die Schneller in Lottstetten durch das Spital Schaffhausen und das Kloster Rheinau stets Erblehen inne.

Gemäß der Adelsakte von 1639, gehört die Familie bereits seit dem 12. Jahrhundert dem Adel an: dan unser vorig Adelicheß geschlecht, sich schon biß in die 400 Jahr erstreckht hat. Der darumb schon gehabte wappen: und Adelßbrief aber, durch den schwedischen feindt ist abgenommben und verpranndt; also dessen wür beraubt worden. (In besagtem Kampf und Verteidigung Lottstettens gegen die Schweden 1634 sind drei Mitglieder der Familie gefallen.)

Als weitere besondere Verdienste welche zur Nobilitierung führten, galt die Teilnahme mehrerer Familienmitglieder am Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1599. Angeführt wurde das Heer dabei durch Karl Ludwig zu Sulz,Landgraf zu Klettgau, kaiserlicher Feldzeugmeister und Präsident des Hofkriegsrat.

Zweige der Familie leben heute in Deutschland, Ungarn, Österreich und der Schweiz. (In Ungarn heißt die Familie neben Schneller auch Schnöller oder Selényi.)

Inhaltsverzeichnis

Nobilitierung 1639

Wappen von 1639

Römisch-katholisch/Erbländisch-österreichischer Adelstand und Wappenbesserung Wien 20. Juni 1639 für die Gebrüder Andreas und Jacob Schneller wegen der Verdienste ihrer Ahnen im Türkenkrieg.

Wappen

Ein von Gold und Blau geteilter Schild; oben ein blaugekleideter bärtiger Mann mit goldenen Knöpfen und ebensolcher Bauchbinde wachsend, auf dem Kopf eine blaue Spitzkappe mit goldener Stulp, in der Linken drei Tulpen haltend, die Rechte in der Hüfte gestützt. Unten vier (1, 2, 1) goldene Kugeln. Auf dem Helm mit beiderseits blau-goldenen Decken zwischen zwei nach außen gerichteten, links goldenen, rechts blauen Büffelhörnern der Mann mit den drei Tulpen in von gold und blau längsgespaltenen Rock.

Nobilitierung 1747

Wappen von 1747

Römisch-katholisch/Erbländisch-österreichischer Ritterstand, Wien 9. November 1747 für Anton von Schneller, k.k. Rat und geheimer Hof- und Staatskanzlei-Registrator.

Wappen

Geviertet. 1 und 4 in Gold ein goldgekrönter rotbezungter schwarzer Adler am Spalt. 2 und 3 in Rot ein silberner Sparren, am Schildeshaupt ein grau-blauer Balken mit drei sechszackigen goldenen Sternen. - Auf den zwei Helmen, rechts mit schwarz-goldenen Decken, ein goldgekrönter rotbezungter schwarzer Adler und links mit rot-silbernen Decken zwischen zwei von rot und silber eingebundenen Büffelhörnern, der Sparren auf dessen Spitze ein goldener sechszackiger Stern ruht.

Waldkirchsches Haus zu Rheinau

Waldkirchsches Haus zu Rheinau

Über Generationen war der Rheinauer Zweig der Familie Schneller im Besitze des Waldkirchschen Hauses in Rheinau. Das Haus gilt als stolzester Profanbau des Klosterstädtchens und wurde auch „Gut Schroffenberg“ oder „alte Post“ genannt. Von 1890 bis 1957 war hier das Postbüro Rheinau untergebracht. In dem Bau befindet sich heute das Kirchgemeindezentrum Rheinau. Der Edelsitz der Familie von Waldkirch wurde 1602 erbaut. Über dem Eingang ist das Sandsteinrelief mit dem Wappen derer von Waldkirch–Muntprat angebracht. Der Bau hat einen halben Eckturm und einen Treppenturm. Die Muntprat waren ein Ravensburger Patriziergeschlecht und die Grafen von Waldkirch ein Schaffhauser Adelsgeschlecht. Der Chronist Johann Jakob Rüeger führt in seiner Aufzählung adeliger Geschlechter eine Familie Schneller nicht an.

Bedeutende Familienmitglieder

  • Melchior Schneller (Vogt zu Lottstetten) 1531
  • Franz Anton Schneller 1697–1762 (Dr. theol., Pfarrer in Weissenhorn und Wolkersdorf)
  • Anton Schneller (k.k. Rat und geheimer Hof- und Staatskanzlei-Registrator)
  • Andreas von Schneller, (1755–1840), Geheimer Rat, Feldmarschalleutnant, Wirklicher General der Kavallerie, Großkreuzritter des Leopold-Ordens, Inhaber des 5. Chevauxlegers-Regiments. Von 1823 bis 1836 war er Kommandierender General im Banat.
  • Johann Jakob Schneller 1789–1835 (Dr. med., Stabsarzt)
  • Karl Schneller 1821–1899 (Friedensrichter und Hauptmann)
  • Eduard Schneller 1831–1896 (Kantonsrat des Staates Zürich)
  • Eduard Schneller 1873–1925 (Dr. med., Bezirksarzt)
  • Hans Walter Schneller 1893–1982 (Komponist)

Literatur

  • Max Iseli: Rheinau Gedenkschrift zur 1200 Jahrfeier, Gemeinderat Rheinau (Hrsg.), 1978
  • Stefan V. Keller: Besitzer Waldkirchsches Haus. In: Rheinauer Buch. Dorfchronik, Gemeinderat Rheinau, 2000, S. 132 ff.
  • Karl Friedrich Frank: Standeserhebungen und Gnadenakte für das Deutsche Reich (!) und die Österreichischen Erblande bis 1806. Schloss Senftenegg 1973, Bd. IV (O-Sh), S. 263.

Quellen

  • Wappenabbildungen Staatsarchiv Wien
  • Urkunden Staatsarchiv Schaffhausen und Zürich
  • Urkunden Generallandesarchiv Karlsruhe
  • Familienarchiv Schneller im Staatsarchiv Zürich