Sicheldorf

Sicheldorf (slowenisch: Žetinci) ist eine Ortschaft im südöstlichsten Teil Österreichs und eine Katastralgemeinde der Gemeinde Radkersburg Umgebung im Bundesland Steiermark.

Inhaltsverzeichnis

Geografische Lage an der Grenze

Sicheldorf liegt an der Mur und 209 m ü. A.. Der rund vier Kilometer östlich von Bad Radkersburg gelegene Ort ist ein selten ausgeprägtes Runddorf.

Im Osten von Sicheldorf gibt es seit etwa 1970 einen internationalen Grenzübergang nach Slowenien (Gederovci), zuvor gab es sogenannten Kleinen Grenzverkehr für das Übermurgebiet (Prekmurje). Etwa zehn Straßenkilometer nach der Grenze erreicht man Murska Sobota, von dort gelangt man nach Varazdin (Kroatien) bzw. zur slowenischen-ungarischen Grenze (Hodoš/Lenti).

Als Folge des Schengen-Abkommens wurden im Dezember 2007 die Grenzkontrollen beendet. Nur zur Fußball-Europameisterschaft 2008 wurden sie kurzzeitig wieder aktiviert.

Die Kutschenitza bildet seit mindestens 500 Jahren eine Grenze. Hier sind um 1700 schwere Kuruzzeneinfälle notiert, Ende April 1945 gab es schwere Kämpfe (Russen - Deutsche).

Die slowenischen Ortschaften im Osten sind: Gederovci, Krajna, Skakovci und Petanjci (Gemeinde Tišina), im Süden Mele und Slatina Radenci, sowie Sratovci (Gemeinde Radenci), gegenüber der Mur, die erst seit 1918 eine politische Grenze bildet.

Geschichte

Sicheldorf ist ein Runddorf auf einer ehemaligen „Überschwemmungsinsel“ der Murauen mit ursprünglich landwirtschaftlicher Nutzung. Im Jahre 1901 wurde die gotische KapelleMaria Schnee“ erbaut, 1907 erfolgte die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Sicheldorf.

Seit 1970 ist Sicheldorf Teil (ein Elftel) der Gemeinde Radkersburg Umgebung mit den ca. 1500 Einwohnern und den Nachbarortschaften Dedenitz (slowen. Dedonci), Laafeld (Potrna), Goritz bei Radkersburg, (früher Windisch-Goritz, Gorc) und Zelting (Zenkovci).

Sämtliche Infrastruktur (Pfarre, Schulen und Geschäfte, sowie alle Ämter) befinden sich in der nahegelegenen Stadt Bad Radkersburg (etwa vier Kilometer entfernt).

Wirtschaft

1932 wurde nach Erdöl gebohrt, dabei fand man einen Hydrogenkarbonatsäuerling (Mineralwasser), der seit den 1950er Jahren als „Sicheldorfer Josefsquelle“ im Handel erhältlich ist. Es ist ein Säuerling mit starkem CO2-Anteil und Iodgeschmack, das besonders bei Sodbrennen und bei Nierenleiden hilft.

Es gibt außer der Mineralwasserquelle zwei Buschenschänken (Weinanbau südlich der Mur im slowenischen Staatsgebiet, vor 1918 steirisch), einen Landmaschinenhandel, zwei Gewerbebetriebe, einen Dienstleistungsbetrieb sowie einen Betrieb mit Urlaub am Bauernhof.

Die Gesamtgröße der landwirtschaftlich bebauten Fläche inklusive beinahe ungenutztem Auwaldgebiet beträgt nur ca. 300 ha. Es herrscht ein sehr mildes Klima unter pannonisch-norditalienischem Einfluss. Daher lebt etwa ein Drittel der Bevölkerung von der Landwirtschaft: Mais, alternative Kulturen wie Ölkürbis, Raps, Sonnenblumen, aber auch Feldfrüchte für Viehzucht, hauptsächlich Schweine. Der Rest der Bevölkerung arbeitet außerhalb des Ortes, mehrheitlich in der Stadt Bad Radkersburg.

Schottergewinnung seit 1990, Radwege nach Slowenien und Bad Radkersburg, Fischerei in der Lahn (ehemalige Murarme, als Tümpel und Teich gemeinwirtschaftlich genutzt (Verschönerungsverein Sicheldorf) mit Fischbesatz. In den Wäldern Rehwild und Hasen, Fasane und Enten als Waidwerk.

Slowenischsprachige Minderheit

In einer Dissertation aus den 1990er Jahren wurden die fünf Dörfer im Osten von Bad Radkersburg als „slowenische Dörfer“ bezeichnet. Dass um 1900 noch rund 100 % der Bevölkerung als Muttersprache slowenisch angegeben haben, ist eine Annahme. Durch die Lage an der Grenze war ein dauernder Zuzug (Einheiratung) auch von slowenisch sprechenden Personen zu verzeichnen gewesen, so dass auch heute noch etwa ein Viertel der Bevölkerung Slowenisch zumindest im Wort beherrscht. Da es in der Steiermark keinen Unterricht in slowenischer Sprache gibt, ist die Alphabetisierung sehr gering. Assimilation tut ihr Übriges.

Kapelle Sicheldorf

Kulturdenkmäler

  • Grenzstein aus der Zeit Kaiserin Maria Theresias (an der Grenze), daneben ein Stein der Gewerkschaften zur Erinnerung an das Jahr 2004
  • Kapelle in der Ortsmitte (neben dem alten Runddorf zur Erweiterung des 19. Jahrhunderts) im gotischen Backsteinstil, Holzaltar mit einer schwarzen Madonna (Maria Schnee), Wandfresken aus den 1930er Jahren mit Kyrill und Method als Slawenapostel(hinter dem Altar), Deckenfresko aus den 1960er Jahren mit Evangelisten und Engelsdarstellungen , Außenskulpturen der „Bauernheiligen“ Notburga (mit Sichel) und Isidor (pflügend) aus den 1970er Jahren, Gedenktafel mit den Gefallenen der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts. Die Kapelle steht anstelle eines Wegkreuzes, das die Gabelung an der alten Straße nach Radkersburg mit der Straße nach Dedenitz bezeichnete.
  • Älter ist ein steinernes Wegkreuzbildnis (Errichtungsdatum 1895, aber wahrscheinlich viel älteren Ursprungs) an der Westseite des Dorfes, Wegkreuzung Laafeld-Zelting mit Wandmalereien an allen vier Seiten: Dreifaltigkeit (Süden), Notburga (Westen), Kreuzigungsdarstellung (Norden) und Floriansdarstellung (Osten) durch den Malermeister Fritz aus Radkersburg um 1965 gemalt. 1995 wurde es renoviert und erneuert.
  • Im Garten des Hauses Majczan ein weiteres Votivkreuz mit Madonnennische und Beschriftungen
  • In Ortsmitte ein Kreuz vor dem Haus Sicheldorf 6 (Hauko-Kreuz) zur Erinnerung an im Ersten Weltkrieg gefallene Söhne.

Siehe auch

Literatur

  • Sicheldorfer Hefte zur Kapellenrenovierung, 1995, 1996, 1997
  • 100 Jahre FF Sicheldorf (Feuerwehrfestschrift mit Kurzchronik)
  • Dissertation an der Universität Graz von Mag. Andrea Haberl-Zemlic: Die 5 slowenischen Dörfer im Radkersburger Winkel. (1998)
  • Josefa Prelog: Mein Leben, Gedichte u. a. Drava Verlag, 1998

Weblinks

 Commons: Sicheldorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

46.6816.03Koordinaten: 46° 41′ N, 16° 2′ O