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vom 11.12.2017, aktuelle Version,

Sicheldorf

Sicheldorf (slowenisch: Žetinci) ist ein Ort und eine Katastralgemeinde der Gemeinde Bad Radkersburg im Bezirk Südoststeiermark in der Steiermark.

Geografie

Sicheldorf liegt an der Mur und 209 m ü. A. Der rund vier Kilometer östlich von Bad Radkersburg gelegene Ort ist ein selten ausgeprägtes Runddorf.

Im Osten von Sicheldorf gibt es seit etwa 1970 einen internationalen Grenzübergang nach Gederovci in Slowenien, zuvor gab es sogenannten Kleinen Grenzverkehr für das Übermurgebiet (Prekmurje). Etwa zehn Straßenkilometer nach der Grenze erreicht man Murska Sobota, von dort gelangt man nach Varazdin (Kroatien) bzw. zur slowenischen-ungarischen Grenze (Hodoš/Lenti).

Als Folge des Schengen-Abkommens wurden im Dezember 2007 die Grenzkontrollen beendet. Nur zur Fußball-Europameisterschaft 2008 wurden sie kurzzeitig wieder aktiviert. Seit 2015 werden die Grenzen vom österreichischen Militär und der Polizei überwacht (stichprobenartige Ausweiskontrollen im Grenzbereich, Patrouiilen in den angrenzenden Feldwegen und Murauen).

Die Kutschenitza bildet seit mindestens 500 Jahren eine Grenze. Hier sind um 1700 schwere Kuruzzeneinfälle notiert. Ende April 1945 gab es schwere Kämpfe zwischen der deutschen und der russischen Armee.

Die slowenischen Ortschaften im Osten sind: Gederovci, Krajna, Skakovci und Petanjci (Gemeinde Tišina), im Süden Mele und Slatina Radenci, sowie Sratovci (Gemeinde Radenci), gegenüber der Mur, die erst seit 1918 eine politische Grenze bildet.

Geschichte

Sicheldorf ist ein Runddorf auf einer ehemaligen „Überschwemmungsinsel“ der Murauen mit ursprünglich landwirtschaftlicher Nutzung. Im Jahre 1907 wurde die gotische KapelleMaria Schnee“ erbaut, 1901 erfolgte die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Sicheldorf.

Seit 1970 ist Sicheldorf Teil (ein Elftel der Fläche) der Gemeinde Radkersburg Umgebung mit den circa 1500 Einwohnern und den Nachbarortschaften Dedenitz (slowen. Dedonci), Laafeld (Potrna), Goritz bei Radkersburg, (früher Windisch-Goritz, Gorc) und Zelting (Zenkovci). Seit dem 1. Jänner 2015 ist der Ort Teil der Stadtgemeinde Bad Radkersburg.

Sämtliche Infrastruktur (Pfarre, Schulen und Geschäfte, sowie alle Ämter) befinden sich in der nahe gelegenen Stadt Bad Radkersburg (etwa vier Kilometer entfernt). Seit 2015 war die Mineralwasserquelle geschlossen. Unter dem neuen Besitzer SMW GmbH (= Sicheldorfer Mineralwasser) gibt es seit Inbetriebnahme einer neuen Füllanlage 2016 wieder Verkäufe unter dem alten Namen „Sicheldorfer Heilwasser“ mit grünem Etikett, ähnlich dem alten.

Wirtschaft

  • 1932 wurde nach Erdöl gebohrt, dabei fand man einen Hydrogenkarbonatsäuerling (Mineralwasser), der seit den 1950er Jahren als „Sicheldorfer Josefsquelle“ im Handel erhältlich ist. Es ist ein Säuerling mit starkem CO2-Anteil und Iodgeschmack, der besonders bei Sodbrennen und bei Nierenleiden hilft.
  • Es gibt zwei Buschenschänken (Weinanbau südlich der Mur im slowenischen Staatsgebiet, vor 1918 steirisch), einen Landmaschinenhandel, zwei Gewerbebetriebe, einen Dienstleistungsbetrieb sowie einen Betrieb mit „Urlaub am Bauernhof“.
  • Die Gesamtgröße der landwirtschaftlich bebauten Fläche inklusive beinahe ungenutztem Auwaldgebiet beträgt nur etwa 300 ha. Es herrscht ein sehr mildes Klima unter pannonisch-norditalienischem Einfluss. Daher lebt etwa ein Drittel der Bevölkerung von der Landwirtschaft: Mais, alternative Kulturen wie Ölkürbis, Raps, Sonnenblumen, aber auch Feldfrüchte für Viehzucht, hauptsächlich Schweine. Der Rest der Bevölkerung arbeitet außerhalb des Ortes, mehrheitlich in der Stadt Bad Radkersburg.
  • Schottergewinnung wird seit 1990 betrieben.
  • Fischerei: die Lahn (ehemalige Murarme), Tümpel und Teiche werden vom "Verschönerungsverein Sicheldorf" mit Fischbesatz gemeinwirtschaftlich genutzt.
  • Waidwerk: In den Wäldern sind Rehwild und Hasen, Fasane und Enten.
  • Radwege (RA2) gibt es nach Slowenien und Bad Radkersburg („Sonnenaufgangs-Tour“)

Slowenischsprachige Minderheit

In einer Dissertation aus den 1990er Jahren wurden die fünf Dörfer im Osten von Bad Radkersburg als „slowenische Dörfer“ bezeichnet. Dass um 1900 noch rund 100 % der Bevölkerung als Muttersprache slowenisch angegeben haben, ist eine Annahme. Durch die Lage an der Grenze war ein dauernder Zuzug (Einheiratung) auch von slowenisch sprechenden Personen zu verzeichnen gewesen, so dass auch heute noch etwa ein Viertel der Bevölkerung Slowenisch zumindest im Wort beherrscht. Da es in der Steiermark keinen Unterricht in slowenischer Sprache gibt, ist die Alphabetisierung sehr gering. Assimilation tut ihr Übriges.

Kapelle Sicheldorf

Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Grenzstein aus der Zeit Kaiserin Maria Theresias (an der Staatsgrenze), daneben ein Stein der Gewerkschaften zur Erinnerung an das Jahr 2004
  • Erinnerungsstein der österreichischen Gewerkschaft bei der Grenzbrücke anläßlich des EU-Beitritts Sloweniens (1. Mai 2015) und de facto „Auflösung“ der Grenze
  • Kapelle in der Ortsmitte (neben dem alten Runddorf zur Erweiterung des 19. Jahrhunderts) im gotischen Backsteinstil, Holzaltar mit einer schwarzen Madonna (Maria Schnee), Wandfresken aus den 1930er Jahren mit Kyrill und Method als Slawenapostel (hinter dem Altar), Deckenfresko aus den 1960er Jahren mit Evangelisten und Engelsdarstellungen , Außenskulpturen der „Bauernheiligen“ Notburga (mit Sichel) und Isidor (pflügend) aus den 1970er Jahren (Malermeister und Bildhauer Rauch aus Straden), Gedenktafel mit den Gefallenen der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts. Die Kapelle steht anstelle eines Wegkreuzes, das die Gabelung an der alten Straße nach Radkersburg mit der Straße nach Dedenitz bezeichnete.
  • Älter ist ein steinernes Wegkreuzbildnis (Errichtungsdatum 1895, aber wahrscheinlich viel älteren Ursprungs) an der Westseite des Dorfes, Wegkreuzung Laafeld-Zelting mit Wandmalereien an allen vier Seiten: Dreifaltigkeit (Süden), Notburga (Westen), Kreuzigungsdarstellung (Norden) und Floriansdarstellung (Osten) durch den Malermeister Fritz aus Radkersburg um 1965 gemalt. 1995 wurde es renoviert und erneuert.
  • im Garten des Hauses Majczan (Urlaub am Bauernhof, Kernöl-Presse) Votivkreuz mit Madonnennische und Beschriftungen
  • in der Ortsmitte ein Kreuz vor dem Haus Sicheldorf 6 (Hauko-Kreuz) zur Erinnerung an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Söhne

Literatur

  • Sicheldorfer Hefte zur Kapellenrenovierung, 1995, 1996, 1997
  • 100 Jahre FF Sicheldorf (Feuerwehrfestschrift mit Kurzchronik)
  • Dissertation an der Universität Graz von Mag. Andrea Haberl-Zemlic: Die 5 slowenischen Dörfer im Radkersburger Winkel. (1998)
  • Josefa Prelog: Mein Leben, Gedichte u. a. Drava Verlag, 1998
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