Soziales Friedenswerk

Unter der Bezeichnung Soziales Friedenswerk wurde 1950 in Salzburg eine Stiftung zur Hilfe von Not leidenden Menschen gegründet. Die Gründung wurde von Fürsterzbischof Andreas Rohracher in einer Pressekonferenz am 26. August 1950 bekannt gemacht. Weiter Gründungsmitgliedern waren u.a. Landeshauptmann Josef Rehrl, Landeshauptmann Josef Klaus, Landeshauptmann Josef Krainer d. Ä., Landeshauptmann Heinrich Gleißner, Bürgermeister Ernst Koref, der Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes Burghard Breitner und der Chefredakteur der Salzburger Nachrichten, Gustav Canaval.

Nach den eigenen Zielsetzungen war und ist das Soziale Friedenswerk „ein überparteilicher und bekenntnisübergreifender Verein zur Förderung der Jugend und zur Unterstützung sozial Schwacher.“[1] Der Vereinszweck soll durch Ferienlager, Stipendien an begabte Schüler und Studenten sowie durch Zuschüsse an verarmte Menschen erfüllt werden. Zu Beginn waren Zielgruppen alle notleidenden Menschen (besonders Kinder und Frauen) sowie Flüchtlinge und Heimatvertriebene, vor allem wieder solche, die von der IRO (Internationale Flüchtlingsorganisation International Refugee Organisation) und dem Internationalen Roten Kreuz keine Hilfe erhielten.

Nicht zu übersehen ist, dass sich die Stiftung ausdrücklich um die Verbesserung der Position ehemaliger Nationalsozialisten bemühte. In diesem Bemühen waren nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur konservative Kreise aktiv, sondern auch die österreichischen Sozialisten (heute Sozialdemokratische Partei Österreichs) haben diesen Personenkreis erfolgreich umworben.[2] Der Stiftungsgründer Rohracher hatte dabei schon früher die Ansicht vertreten, dass die Nationalsozialisten-Gesetze (dazu gehören das Verbotsgesetz und das Kriegsverbrechergesetz[3]) sowie die Einrichtung von Volksgerichten milder gehandhabt werden sollten. Seine bei öffentlichen Auftritten vertretenen Ansichten bilden die Rechtfertigungsstrukturen und Geschichtslügen heutiger rechtsradikaler Vereinigungen ab (etwa das „Friedensdiktat von Saint Germain“ als Mitursache des Zweiten Weltkrieges, das Unrecht der Bombenangriffe auf deutsche Städte, Siegerjustiz gegenüber ehemaligen Trägern des NS-Regimes, gesetzestreues Verhalten verurteilter Nazi-Verbrecher bei der „Niederwerfung bewaffneter Ausbrecher“ aus dem KZ Mauthausen oder der Justizanstalt Stein). Eine Eingabe des Sozialen Friedenswerkes an den Ministerrat der Republik Österreich im Jahre 1952, die Kriegsverbrecherprozesse einzustellen, wurde von der Österreichischen Bundesregierung mit deutlichen Worten zurückgewiesen. Auf die Einleitung eines Untersuchungsverfahrens gegen Rohracher im Sinne einer Wiederbetätigung wurde nur aufgrund der öffentlichen Stellung des Interpellanten verzichtet. Im Rückblick wird das Verhalten des Erzbischofs hagiographisch bedingt durch falsche Information und den Missbrauch der allgemein versöhnlichen Haltung des kirchlichen Würdenträgers zu rechtfertigen versucht.[4]

Dieser eine Misserfolg bedeutete aber keineswegs, dass die Stiftung ihre Zielrichtung aufgab. Aufgrund von Spendensammlungen konnten für zahlreiche politisch Schwer- und Schwerstbelastete (angeblich „politische Gefangene“) Anwälte bezahlt werden. Auch die Spätheimkehreramnestie von 1953 wurde auf Anregung der Stiftung vom österreichischen Parlament beschlossen. Nach Ende der Besatzungszeit wurde offen dafür geworben, die Rücksichtnahmen auf die Alliierten bei der Vergangenheitsbewältigung aufzugeben. Noch 1962 werden Spenden für den Kriegsverbrecher Walter Reder gesammelt, der als in „Kriegsgefangenschaft“ sich befindlich apostrophiert wird.

Heute arbeitet die Stiftung unter der Bezeichnung „Freundeskreis der Stiftung soziales Friedenswerk zur Förderung begabter Jugend“. Für Jugendliche werden Sommerlager organisiert, bei denen in mehr oder minder subtiler Weise für rechtsradikale Inhalte geworben wird.[5] Dieses Gedankengut wird auch in den Publikationsorganen „Mitteilungen. Freundeskreis der Stiftung soziales Friedenswerk zur Förderung begabter Jugend“ und „Herzhafte Hauskalender“ verbreitet.

Die Stiftung wird vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes als rechtsextrem eingestuft.[6] Es bestehen und bestanden Verbindungen zu anderen rechtsextremen Organisationen, wie z.B. dem mittlerweile verbotenen Verein "Dichterstein Offenhausen".

Literatur

  • Wilhelm Svoboda: Die Stiftung „Soziales Friedenswerk“ in den Jahren 1945 bis 1950. In: Hans Bayr u. a. (Hrsg.): Salzburg 1945 – 1955. Zerstörung und Wiederaufbau. Salzburger Museum Carolino Augusteum, Salzburg 1995, ISBN 3-901014-43-8, S. 133-137.

Einzelnachweise

  1. Homepage Soziales Friedenswerk
  2. Bund sozialistischer Akademiker – Historikerbericht
  3. Kriegsverbrechergesetz (KVG)
  4. Salzburgwiki: Andreas Rohracher
  5. Rechtsextremes Sommerlager in Kärnten/Koroska im Juli
  6. DÖAW: Freundeskreis der Stiftung soziales Friedenswerk

Weblinks