Wiener akademische Burschenschaft Olympia

Basisdaten
Hochschulort: Wien
Gründung: 10. November 1859[1]
Verband: Deutsche Burschenschaft
Farben: Schwarz-Rot-Gold
Motto: Wahr und treu, kühn und frei!

Die Wiener akademische Burschenschaft Olympia (amtlicher Name gemäß Vereinsregister: Akademische Burschenschaft Olympia) ist eine pflichtschlagende Burschenschaft in Wien. Sie ist Mitglied in der Deutschen Burschenschaft (DB) und in der Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG). In der Medienöffentlichkeit ist die Olympia vor allem wegen ihrer Verbindungen zum Rechtsextremismus bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Die Olympia gehört dem Verband Burschenschaftliche Gemeinschaft an, der von seinen Kritikern als weit rechts stehend angesehen wird. Als die Olympia am 5. Jänner 1996 den Vorsitz des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft übernahm, traten einige gemäßigte Verbindungen aus diesem Dachverband aus.[2] Als Grund für diesen Schritt wurde unter anderem angegeben, dass die Olympia gefordert habe, „Österreich und Teile Polens in die Wiedervereinigung Deutschlands miteinzubeziehen“.[3]

Sich selbst beschrieben die Olympen in einem Flugblatt in den 1990ern so:

„Wir sind normal geblieben unterm Schutt der Zeit, an uns sind Umerziehung, Trauerarbeit und Betroffenheit, doch auch Konsum, soziale Dünkel und Moderne fast völlig spurlos vorbeigezogen.“

Weiter heißt es dort:

„Bist du häßlich, fett, krank oder fremd im Lande, bist Du von Sorgenfalten, Weltschmerz oder linksliberaler Gesinnung gepeinigt, trägst Du alternative oder Schicky-Kleidung oder gar ein Flinserl im Ohr, studierst du Psychologie, Politologie oder Theologie oder gar nicht, hast du den Wehrdienst verweigert oder eine Freundin mit, die weder schön noch still ist, kurz: bist Du auf irgendeine Weise abnormal oder unfröhlich, dann bleib lieber zu Hause.“[4]

2008 nominierte die FPÖ Martin Graf als dritten Nationalratspräsidenten. Er wurde wegen seiner Mitgliedschaft in der Olympia kritisiert, aber dennoch mit 109 von 156 gültigen Stimmen gewählt; auf den grünen Gegenkandidaten Alexander van der Bellen entfielen 27 Stimmen.[5] Auf das oben zitierte Flugblatt angesprochen meinte Graf, es habe sich bei diesem Flugblatt um einen Scherz gehandelt.[6]

Ihren Sitz hat die Olympia im 6. Wiener Gemeindebezirk Mariahilf.

Verbindungen zu Rechtsextremismus und Neonazismus

Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW), der Sozialwissenschaftler Dietrich Heither und die Mehrzahl der heimischen Medien stufen die Burschenschaft als sehr weit rechtsstehende bzw. rechtsextreme Organisation ein.[7][8][9] Martin Graf kritisierte die Einschätzung des DÖW und erwiderte, das DÖW würde „jede Position, die nicht links angesiedelt ist“, bereits als rechtsextrem ansehen.[6]

Die Burschenschaft wurde 1961 behördlich aufgelöst, weil mehrere Olympen, darunter NDP-Gründer Norbert Burger, in Bombenanschläge in Südtirol verwickelt waren und die Olympia in diesem Zusammenhang ihren satzungsmäßigen Wirkungskreis überschritten hatte, indem sie ihre Mitglieder zu einer Spende für einen in Italien verhafteten Olympen verpflichtete. Nachdem die Mitglieder der Olympia in der Zeit nach der Auflösung ihre Tätigkeit in der Wiener akademischen Burschenschaft Vandalia fortgesetzt hatten, konstituierte sich die Olympia 1973 neu, und die meisten Mitglieder der Vandalia traten der neuen Wiener akademischen Burschenschaft Olympia bei.[10][2]

1991 stellte die Delegation der Olympia beim Burschentag in Eisenach einen Antrag, in dem es hieß: „Die Unterwanderung des deutschen Volkes durch Angehörige von fremden Völkern bedroht die biologische und kulturelle Substanz des deutschen Volkes (…) Das deutsche Volk ist vor Unterwanderung seines Volkskörpers durch Ausländer wirksam zu schützen.“[11]

Das NS-Verbotsgesetz wurde von Olympia-Mitgliedern kritisiert. 2000 forderte der Olympe Walter Asperl die damaligen Bundesminister mit burschenschaftlichem Hintergrund auf, etwas gegen das Verbotsgesetz zu tun.[12] Martin Graf stellte das Verbotsgesetz ebenfalls 2000 in Frage.[13]

In der jüngeren Vergangenheit lud die Olympia immer wieder Repräsentanten des rechtsextremen Spektrums ein: im Juni 2000 den Liedermacher Frank Rennicke,[14] im Jänner 2003 den Liedermacher Michael Müller[15], im November 2005 den Holocaust-Leugner David Irving[16][17] und im Jänner 2008 den NPD-Funktionär und Liedermacher Jörg Hähnel.[18]

Im Geschäftsjahr 2009/2010 hatte die Olympia den Vorsitz innerhalb der Burschenschaftlichen Gemeinschaft, einem deutschnational orientierten Zusammenschluss deutscher und österreichischer Burschenschaften, inne.

Bekannte Mitglieder

  • Norbert Burger (1929–1992), Politiker (FPÖ, NDP)
  • Franz Chvostek (1864−1944), Internist
  • Josef Eitzenberger (1905–1978), Fernlenk- und Radarspezialist
  • Wilhelm Exner (1840–1931), Forstwissenschaftler, Vorsitzender des Österreichischen Gewerbevereins
  • Martin Graf (* 1960), Politiker (FPÖ), Abgeordneter im Nationalrat, dritter Nationalratspräsident
  • Eugen Gura (1842–1906), Opernsänger
  • Anton Jerzabek (1867–1939), Abgeordneter (CSP) im Reichsrat, in der Provisorischen Nationalversammlung und im Nationalrat
  • Dietbert Kowarik (*1974), Politiker (FPÖ), Abgeordneter zum Wiener Landtag und Mitglied des Wiener Gemeinderats
  • Ernst Marno (1844–1883), Afrikaforscher
  • Heinrich Mataja (1877–1937), Politiker (CS), Staatssekretär und österreichischer Außenminister
  • Harald Stefan (* 1965), Politiker (FPÖ), Abgeordneter zum österreichischen Nationalrat
  • Artur Stölzel (1868–1933), Salzburger Landeshauptmann-Stellvertreter, Reichsratsabgeordneter
  • Walther Weißmann (1914–2002), österreichischer Politiker (ÖVP), Abgeordneter zum Österreichischen Nationalrat
  • Rudolf Weyr (1847–1919), Bildhauer

Quellen

  1. Hans-Georg Balder: Die Deutsche(n) Burschenschaft(en) – Ihre Darstellung in Einzelchroniken. Hilden 2005, S. 406.
  2. a b DÖW: Zum deutschnationalen Korporationswesen in Österreich
  3. Junge Freiheit Nr. 18-19, 1996, S. 4.
  4. Heribert Schiedel, Klaus Zellhofer: Personal für die Dritte Republik. Die Studiosi: Vom RFS zur FSI zum RFS. In: Wolfgang Purtscheller (Hrsg.): Die Rechte in Bewegung. Seilschaften und Vernetzungen der »Neuen Rechten«. Picus Verlag, Wien 1995, S. 55
  5. Graf zum Dritten Nationalratspräsidenten gewählt. In: Die Presse. 28. Oktober 2008, abgerufen am 7. Dezember 2008.
  6. a b Chat mit Graf auf diepresse.com
  7. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands: Suchers "Heil" Neues von ganz rechts, Mai 2006
  8. Dietrich Heither: Burschenschaften. Rechte Netzwerke auf Lebenszeit. In: Stefan Braun/Daniel Hörsch (Hrsg.): Rechte Netzwerke - Eine Gefahr. VS Verlag, 2004, ISBN 9783810041531, S. 134.
  9. Sebastian Fischer: Rechtsradikaler Grüßaugust Spiegel Online, 4. Februar 2007
  10. Olympia: Bundes-Chronik der Olympia
  11. Markus Perner, Klaus Zellhofer: Österreichische Burschenschaften als akademische Vorfeldorganisationen des Rechtsextremismus. In: Stiftung Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.): Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus. Wien 1996, S. 275.
  12. Format Nr. 21, 2000, S. 50.
  13. Format Nr. 21, 2000, S. 50.
  14. The Stephen Roth Institute for the Study of Contemporary Antisemitism and Racism: Country Report Austria
  15. DÖW: Olympia-Liederabend mit Neonazi Neues von ganz rechts - Jänner 2003
  16. Hans Georg: Alles "deutsch" - Akademikerverband erhebt Ansprüche gegenüber Polen und Russland Neue Rheinische Zeitung
  17. ORF: Prozess gegen David Irving am 20. Februar, 13. Dezember 2005
  18. Radio Orange 94,0: ZIP-FM | Wiener Lokalausgabe, 23. Jänner 2008

Weblinks