Wiener Berufsrettung

Wiener Berufsrettung (MA 70)
Leiter Dr. Rainer Gottwald [1]
Geschäftsgruppe Gesundheit und Soziales[2]
Mitarbeiter 73 Notärzte, 554 Sanitäter
Gründung 9. Dezember 1881
http://www.wien.gv.at/rettung

Die Wiener Berufsrettung (Magistratsabteilung 70 oder MA 70, Rettungs- und Krankenbeförderungsdienst der Stadt Wien), umgangssprachlich in Wien einfach als Rettung bezeichnet, ist eine im landesgesetzlichen Auftrag tätige Rettungsorganisation. Sie stellt den Großteil aller in Wien eingesetzten Rettungswagen und betreibt die Leitstelle sowie die Disposition. Sie arbeitet mit den privaten Organisationen Österreichisches Rotes Kreuz, Arbeiter-Samariter-Bund, Johanniter-Unfall-Hilfe und Malteser Hospitaldienst Austria in der Wiener Rettungsgemeinschaft (Motto „Vier für Wien“) zusammen. Die Wiener Berufsrettung hat 12 Stationen in Wien. Alle Stationen sind rund um die Uhr mit Sanitätern und Notärzten besetzt. Die MA 70 ist Teil der Geschäftsgruppe Gesundheit und Soziales des Magistrats der Stadt Wien.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Am 8. Dezember 1881 brannte das Wiener Ringtheater ab, wobei fast 400 Menschen getötet wurden. Tags darauf gründeten Jaromir Mundy, Hans Wilczek und Eduard Lamezan die Wiener Freiwillige Rettungsgesellschaft, die aus Spenden finanziert wurde. 1883 und 1885 wurden im 1. Wiener Gemeindebezirk die ersten Rettungsstationen eröffnet. 1889 folgte die Eröffnung der Rettungszentrale am Stubenring 1 (dem späteren Bauplatz des k.u.k. Kriegsministeriums, acht Jahre später übersiedelte man an den heutigen Standort im 3. Bezirk, Radetzkystrasse 1, ebenfalls in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum.

1905 wurde das erste Rettungsautomobil in den Dienst der Wiener Rettung gestellt. 1938 übernahm die Stadt Wien in der NS-Ära die Freiwillige Rettungsgesellschaft und gliederte sie mit der „Städtischen Sanität“ an die städtische Feuerwehr an. 1940 wurde die eigene Dienststelle Rettungs- und Krankenbeförderungsdienst gegründet. Im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) wurden bei der Schlacht um Wien fast alle Fahrzeuge zerstört und die Außenstationen der Wiener Rettung schwer beschädigt.

In den 1950er Jahren wurden Blaulicht, Folgetonhorn und Funksprechgeräte eingeführt. 1977 wurde die „Wiener Rettungsgemeinschaft“ gegründet. Seither wickeln das Rote Kreuz, der Arbeiter-Samariter-Bund, die Johanniter-Unfall-Hilfe und der städtische Wiener Rettungs- und Krankenbeförderungsdienst die Einsätze koordiniert bzw. gemeinsam ab.

1987 übernahm die Rettung die so genannte Bettenzentrale, bis dahin von der Polizei geleitet; ihre Aufgabe ist, den Rettungsdiensten sofort freie Spitalsbetten in Wien zu nennen, in die Notfälle aufgenommen werden können. Außerdem wurde ein mehrstufiges Notfallsystem eingeführt: Bei Einsatzaufträgen der Notrufzentrale wurde nun zwischen Notarztwagen (den klassischen Rettungswagen mit Arzt, Sanitäter und Medizintechnik), Rettungstransportwagen (mit Medizintechnik zur Versorgung der Patienten während der Fahrt) und Krankentransportwagen unterschieden. 1991 kam der erste Rettungshubschrauber in Wien zum Einsatz.

1999 wurden die ersten speziellen Rettungssanitäter ausgebildet. Außerdem war Baubeginn für die neue Rettungszentrale (Anbau). 2001 erfolgte die Umstellung vom städtischen Notarzthubschrauber „Martin 3“ auf „Christophorus 9“ des ÖAMTC, der in ganz Österreich Notarzthubschrauber stationierte. Zum 120-Jahre-Jubiläum der Wiener Rettung fand 2001 die Eröffnung der neuen Rettungszentrale statt.

Personal

Der Wiener Berufsrettung stehen insgesamt 73 Notärzte sowie 554 Sanitäter zur Verfügung. Die Sanitäter haben die Ausbildungsstufen Rettungssanitäter und Notfallsanitäter aller Notfallkompetenzen (NKA, NKV, NKI). Außerdem beschäftigt die Wiener Rettung Zivildiener, die eine ihrer Tätigkeit entsprechende Ausbildung erhalten. Ein Großteil der Beschäftigten arbeitet im 24-stündigen Wechseldienst.

In den anderen in der Wiener Rettungsgemeinschaft vertretenen Institutionen stehen 2.058 Sanitäter für Notfälle und Krankentransporte bereit. Die von diesen Institutionen bis November 2010 eingesetzten 120 Ärzte sind nicht mehr in Rettungswagen tätig (Ausnahme: Johanniter-Unfall-Hilfe), weil Finanzministerium und Sozialversicherung aus arbeitsrechtlichen Gründen statt der bisher üblichen Werkverträge die finanziell für die Organisationen nicht finanzierbare Anstellung dieser Ärzte verlangt haben.[3]

Fuhrpark

Rettungstransportfahrzeug
Notarzteinsatzfahrzeug
Kommandofahrzeug

Insgesamt verfügt die Wiener Berufsrettung über 61 Einsatzfahrzeuge, von denen ungefähr 40 ständig im Dienst sind. Der aus acht Fahrzeugen und Anhängern bestehende Katastrophenzug wurde zwischen 2006 und 2009 komplett modernisiert.

Weiters wird der vom ÖAMTC betriebene Notarzthubschrauber Christophorus 9 mit Flugsanitätern (HEMS Crew Member) und Notärzten der Wiener Berufsrettung besetzt.

Bei den Einsatzfahrzeugen handelt es sich um

  • Rettungstransportwagen (RTW)
  • Notarztwagen (NAW)
  • Notarzteinsatzfahrzeugen (NEF)
  • Bettenintensivtransport (BIT)
  • Neugeborenenintensivtransport (NIT)
  • Katastrophenzüge (K1 - K8), bestehend aus:
    • K1 - Einsatzleiter (EL Rettung)
    • K2 & K3 - Niederflurbus für bis zu 15 Leichtverletzte bzw. 3 Schwerverletzte (Katastrophenzug)
    • K4 - Versorgungs-/Küchenanhänger
    • K5 - Rüstlastkraftwagen
    • K6 - Mobile Leitstelle
    • K7 - Hauptinspektionsfahrzeug
    • K8 - Fahrzeug der Seiltechnik Einsatzgruppe (STEG)
  • Kommandofahrzeug (KDO)
  • Fieldsupervisor-Fahrzeug (FISU)

Weiters besitzt die Wiener Berufsrettung ein Simulationsfahrzeug und ein weiteres Akademiefahrzeug, die im Rahmen des Qualitätsmanagements eingesetzt werden. So können Einsätze realistisch simuliert werden, aber auch echte Notfalleinsätze von Qualitätsmanagern/Lehrsanitätern begleitet werden.

Die anderen in der Wiener Rettungsgemeinschaft vertretenen Institutionen setzen außerdem weitere 245 Einsatzfahrzeuge ein.

Rettungsstationen

Die Rettungsgemeinschaft in Wien verfügt über zwölf Rettungsstationen der Wiener Rettung und sieben weitere Stationen des Roten Kreuzes, des Arbeiter-Samariter-Bundes, der Johanniter-Unfall-Hilfe und des Malteser Hospitaldienstes. Die Stationen sind so über das Stadtgebiet verteilt, dass die Einsatzfahrzeuge den Einsatzort in der Regel innerhalb von zwölf Minuten nach der Alarmierung erreichen.

Folgende Stationen werden von der Wiener Berufsrettung betrieben:

Von den anderen Mitgliedern der Wiener Rettungsgemeinschaft werden folgende Stationen betrieben:

  • Rettungsstation des Wiener Roten Kreuzes, Landstraße (3. Bezirk, Zentrale)
  • Rettungsstation des Wiener Roten Kreuzes, Penzing (14. Bezirk)
  • Rettungsstation des Wiener Roten Kreuzes, „Van Swieten“ (10. Bezirk)
  • Rettungsstation des Wiener Roten Kreuzes, „Bertha von Suttner“ (2. Bezirk)
  • Rettungsstation des Wiener Roten Kreuzes, „Nord“ (21. Bezirk)
  • Rettungsstation des ASBÖ Landesverbandes Wien, Zentrale (15. Bezirk)
  • Rettungsstation des ASBÖ Landesverbandes Wien, Stadlau (22. Bezirk)
  • Rettungsstation des ASBÖ Landesverbandes Wien, Döbling (19. Bezirk)
  • Rettungsstation des ASBÖ Landesverbandes Wien, Hietzing (13.Bezirk)
  • Rettungsstation des ASBÖ Floridsdorf-Donaustadt (22. Bezirk plus Außenstelle Leopoldstadt, 2. Bezirk)
  • Rettungsstation der Johanniter-Unfall-Hilfe (18. Bezirk, Zentrale)
  • Rettungsstation der Johanniter-Unfall-Hilfe (21. Bezirk)
  • Rettungsstation des Malteser Hospital-Dienstes Austria (1. Bezirk)

Einzelnachweise

  1. Neuer Chef für Wiener Rettung. Abgerufen am 7. April 2010.
  2. Stellenansicht Geschäftsgruppe Gesundheit und Soziales. Abgerufen am 17. März 2010: „Untergeordnete Stellen […] Magistratsabteilung 70 - Rettungs- und Krankenbeförderungsdienst der Stadt Wien - Dienststellenleitung“
  3. Otmar Lahodynsky: Rettungslos, in: Wochenmagazin profil, Wien, Nr. 45, 8. November 2010, S. 42

Weblinks