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Hofburg#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Hofburg, Wien
Gesamtkomplex der Hofburg mit dem Heldenplatz und den beiden Museen
© Österreich Werbung / Beckel

Die Hofburg (heute zwischen Josefsplatz, Michaelerplatz und Burgring) war (urkundlich 1279) Regierungssitz der österreichischen Landesherren: von 1438 bis etwa 1580 und von 1620 bis 1806 war sie die Residenz der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, anschließend die Residenz der Kaiser von Österreich bis 1918. Heute ist sie der Amtssitz des österreichischen Bundespräsidenten.

Die Burg stellte die "neue" Pfalz der Babenberger (Leopold VI., um 1215-20) dar, wurde auch von König Ottokar II. und Rudolf von Habsburg verwendet und erweitert und in den folgenden Jahrhunderten immer wieder umgestaltet.

Im 15. Jahrhundert erfolgte der Neu- bzw. Umbau der Burgkapelle (urkundlich 1296; Neubau 1447-49), der Sitz der Hofmusikkapelle.

Die heutige Gestalt erhielt der "Schweizertrakt" in der Renaissance (Schweizertor, 1552/53) durch P. Ferrabosco, der auch die folgenden Bauten errichtet haben dürfte, so 1558-68 die Stallburg für Maximilian II. und gegenüber dem Schweizerhof einen Spätrenaissancebau für Rudolf II., die "Amalienburg" (Name stammt von der späteren Kaiserin Amalie Wilhelmine, Gemahlin Josephs I.), die 1605 vollendet wurde.

Der Innere Burghof diente als Turnier- und Theaterplatz und wird heute vom spätklassizistischen Denkmal (1824-46) für Kaiser Franz I. von Österreich (von P. Marchesi) beherrscht.

Der Schweizertrakt (mit der Schatzkammer), die Stallburg (heute mit Ställen der Spanischen Reitschule und Lipizzaner-Museum) und die Amalienburg wurden in den folgenden Jahrhunderten mit weiteren Gebäuden verbunden.

Nach Plänen von F. Lucchese erneuerten 1660-66 C. M. und D. Carlone den Leopoldinischen Trakt an der Südwestseite. Er wurde nach einem Brand 1668 um ein Geschoss höher nach Plänen von D. Carlone und P. Tencala bis 1681 wiederhergestellt.

Dort liegen die kostbar ausgestatteten Gemächer, die Kaiser Franz I. und Maria Theresia bewohnten und die heute als Amtsräume des Bundespräsidenten dienen.

J. L. von Hildebrandt lieferte 1723 die Pläne für den Bau des Reichskanzleitrakts, der, 1730 von J. E. Fischer von Erlach vollendet, die Nordostseite des Inneren Burghofs schließt.

Hier befinden sich die öffentlich zugänglichen Kaiserappartements, ausgestattet mit Gemälden und Mobiliar zwischen 1820 und 1900, unter anderem Wohn- und Audienzräume Kaiser Franz Josephs I. und Kaiserin Elisabeths, sowie die Hoftafel- und Silberkammer und die Amtsräume des Bundesdenkmalamts. Zwischen Reichskanzleitrakt und Winterreitschule (Spanische Reitschule) blieb die Hofburg unvollendet, der geplante Kuppelbau wurde wegen des sich an dieser Stelle befindenden Hofburgtheaters nicht ausgeführt. Die Pläne J. E. Fischers von Erlach wurden von F. Kirschner für den 1889-93 errichteten Michaelertrakt verwendet. Unter seiner Kuppel erhielt die Hofburg ein Hauptportal zur Stadt.

In den Annalen der Hofburg finden sich genaue Aufzeichnungen über die jeweilige Verwendung der unzähligen Räume des Burgkomplexes. Auffällig dabei ist, dass keine zwei Herrscher des Hauses Habsburg-Lothringen in denselben Räumen residierten. Stets war es ein anderer Trakt oder doch zumindest ein anderes Zimmer, in dem die jeweiligen Nachfolger arbeiteten und lebten.

Der künstlerisch bedeutendste Bau des Burgbereichs ist die Hofbibliothek, die J. E. Fischer von Erlach nach Plänen seines Vaters für Kaiser Karl VI. 1735 vollendete. Die prachtvolle Fassade, hinter der sich der herrliche Bibliothekssaal verbirgt, wird von 2 Seitenflügeln eingefasst, die Nikolaus von Pacass 1763-69 errichtete. Im rechten Flügel befinden sich die Redoutensäle (1992 ausgebrannt,1997 wiedereröffnet, teilweise rekonstruiert; im Großen Redoutensaal neue Decken- und Wandbilder von J. Mikl), der linke Flügel, mit den Sammlungen der Nationalbibliothek, birgt auch die Fassade der Augustinerkirche. Der auf diese Weise umschlossene Josefsplatz (mit Reiterdenkmal Kaiser Josephs II. von F. A. Zauner) gilt als einer der schönsten Plätze Wiens.

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Hofburg
© Alfred Havlicek

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Neue Hofburg
© Alfred Havlicek

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Heldenplatz
© Alfred Havlicek

Im Zuge der Stadterweiterung (durch Kaiser Franz Joseph 1857 initiiert) nach dem Schleifen der Stadtmauern in den 1860er Jahren kam es zur letzten großen Erweiterung der Burg. Geplant war ein "Kaiserforum", eine zweiflügelige Anlage über die Ringstraße hinweg, mit den Zwillingsmuseen (Kunsthistorisches und Naturhistorisches Museum) als Flanken und den alten Hofstallungen Fischer von Erlachs als Abschluss.

Die Bauleitung dieses Projekts hatten Gottfried Semper und später Karl von Hasenauer inne. Die Museen wurden 1891 fertig gestellt und 1913 wurde der Südostflügel, die Neue Burg, fertiggestellt .

In der Neuen Hofburg befinden sich heute das Kongresszentrum Hofburg, weiters ehemalige Hofsammlungen sowohl des Kunsthistorischen Museums (Ephesos-Museum, Hofjagd- und Rüstkammer, Sammlung alter Musikinstrumente) wie auch der Nationalbibliothek (Porträtsammlung und Bildarchiv) sowie das Völkerkundemuseum.

Die Präsidentschaftskanzlei übersiedelte 1946 von der ehemaligen Geheimen Hofkanzlei, dem Palais Kaunitz und heutigen Bundeskanzleramt, in den Leopoldinischen Trakt.

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Josefsplatz
© Alfred Havlicek

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Michaelistor
© Alfred Havlicek

Literatur#

  • C. Benedik, Die Wiener Hofburg unter Kaiser Karl VI., Dissertation, Wien 1989
  • G. Schreiber, Die Hofburg und ihre Bewohner, 1993.

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl