Oberösterreich und Salzburg, Band 6, Seite 444 - Austria-Forum : Web Books : Kronprinzenwerk

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Oberösterreich und Salzburg, Band 6

Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Oberösterreich und Salzburg#

Band 6#

Kronprinzenwerk
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
1889
406 auf offenem Marktplatz nahm er den Fußfall des Rathes an, der alle Privilegien der Stadt ausliefern mußte (1523). Von da ab beschied sich Salzburg wieder mit der Rolle einer gehorsamen bischöflichen Stadt, — übrigens fast der einzige aller alten deutschen Bischofsitze, dem es nicht gelang, auch uur zeitweise die Stellung einer freien Stadt zu gewinnen. — Viel schlimmer als dieser Kampf mit den Bürgern, welchen man nachmals den lateinischen Krieg genannt hat, war der mit den aufständischen Bauern. Es war zwei Jahre später, im Jahre 1525, als in ganz Süd- und Mitteldeutschland der furchtbare Bauernkrieg wüthete. Wir kennen seine besondere Veranlassung hier ganz genau; sie liegt in der Verbreitung des Lutherthums, zu dessen Ausschließung aus seinem Lande der Erzbischof sich schon einige Jahre vorher mit den baierischen Herzogen verbunden hatte und gegen welches er mit aller Strenge vorging. Als einmal ein „Prädikant" ergriffen worden war und auf ein Pferd gebunden nach Mittersill gebracht werden sollte, um dort in den „Faulthurm" geworfen zu werden, ereignete es sich in Gartenan an der salzburgischen Grenze gegen Berchtesgaden, daß seine Wächter in einer Taverne zechten, während auf der Straße mitleidiges Volk den Gefesselten umringte. Dieser aber erhob seine Stimme und beschwor die Bauern, ihm zur Flucht zu verhelfen, da er für die Erzbischof Matthäus Lang von Welleiiburg. ^ ^ ^ ^ ^ Freiheit des Evangeliums leide. Seme Worte machten Eindruck, die Fesseln wurden gelöst und der Vernrtheilte entkam nach Tirol. Der erzürnte Erzbischof aber uahm an den Verächtern seiner Befehle bittere Rache: sie wurden hingerichtet, darunter auch ein Piuzgauer Namens Stöckl. Dessen Bruder war es nun, der von persönlicher Rache getrieben in allen Gebirgsthälern den Aufruhr predigte. Mit Beginn des Sommers erhoben sich der ganze Pinzgan und Pongau, voran die Bergknappen von Ranris und Gastein, und große Scharen rückten gegen Salzburg. Ihre Forderungen waren dieselben, wie sie in jenem stürmischen Sommer überall erhoben wurden: einerseits Freiheit von den Leistungen, welche die Bauernschaft an die Gruudherreu uud den Staat zu entrichten hatte, dann kirchliche Veränderungen im Sinne der neuen Lehre von der evangelischen Freiheit. Zu Pfingsten erschienen die Bauern vor der Stadt und die dem Erzbischof noch immer feindliche Bürgerschaft öffnete ihnen die Thore. In größter Eile mußte der Erzbischof mit den vornehmsten Personen des Landes auf die Festung flüchten, welche allerdings gut besetzt und armirt war. Die Bauern überschwemmten die Stadt, plünderten die Residenz und machten sich in deu Prunkgemächern breit. Nach einigen ver- geblichen Unterhandlungen begann auch die Belagerung der Festung. Aber die Minirarbeit

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