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Ansichtskarte#

Ansichtskarte
Ansichtskarte "Gruß aus Wien" mit Bild des Kaiser-Jubiläums-Stadttheaters (Volksoper), 1901. Gemeinfrei

Ansichtskarten sind Postkarten mit einer Abbildung auf der Rückseite. Die Postkarte ist eine österreichische Erfindung. Der Professor der Nationalökomomie Emanuel Herrmann (1839-1902) versprach sich davon 1869 volkswirtschaftliche Vorteile. Für eine geringere Gebühr als Briefe sollten kurze Mittteilungen (bis 20 Wörter) auf einer offenen Karte versandt werden können. Wenige Monate nach seinem ersten Vorschlag in einem Zeitungsartikel legte die Österreichische Post die ersten "Correspondenzkarten" auf. Bis 1875 konnten sie nur innerhalb Österreichs bzw. auf Basis bilateraler Abkommen verschickt werden. Die ersten Postkarten waren 8,5 x 12,2 cm groß (jetzt DIN A6, 10,5 x 14,8 cm) und hatten eine aufgedruckte Briefmarke im Wert von 2 Kreuzern (Briefe kosteten 5 kr.) Eine Seite war für die Adresse, die andere für die Mitteilung bestimmt. 

Dies galt auch für die in den nächsten Jahren entstehenden Ansichtskarten, die von privaten Herstellern in verschiedenen Drucktechniken massenhaft produziert wurden. Besonders beliebt waren sie für Grüße von Reisen. Nach einer Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts "market" schickte auch 2008 die Hälfte der Österreicher Urlaubsgrüße, und zwar noch immer 91 Prozent per Ansichtskarte.

Nach der Art der Darstellung unterscheiden Sammler Topographie-Karten (mit Orten oder Landschaften), Motivkarten (z. B. Tiere), Glückwunschkarten (z. B. Geburtstag, Weihnachten) und Werbekarten Für Glückwunschkarten waren die Hersteller bei Motiven und Anlässen - z.B. "Fröhliche Pfingsten" - besonders erfindungsreich. 

Für einfärbige Fotokarten verwendete man 1892 bis um 1920 oft den Bromsilberdruck. 1895 bis ca. 1905 wurden Ansichtskarten als einfärbige Lithographie (Steindruck, oft mit Schablonen koloriert) oder mehrfarbig (Chromolithografie) gedruckt. Seit 1869 ermöglichten die ständig verbesserten lithographischen Schnellpressen immer höhere Auflagen in guter Qualität. Daneben bestanden Luxusausführungen mit Reliefprägungen, Golddruck und Applikationen verschiedener Materialien wie Stoff, Metall oder Flitter. 

Seit 1904 ist in Österreich (1905 Deutschland, 1907 international) die Adressenseite in der Mitte geteilt, sodass man die Mitteilungen nicht mehr über das Bild schreiben muss. Seit 1874 regelt der Weltpostverein mit Sitz in Bern, Schweiz, die internationale Zusammenarbeit der Postbehörden und die Rahmenbedingungen. So war es bis 1907 Vorschrift, das Wort Postkarte in mehreren Sprachen auf der Empfängerseite aufzudrucken. 


Quellen:
Günter Böhmer: Glückwunschkarten. In: SammlerJournal, Schwäbisch Hall 1978. S. 310 f.
Wikipedia: Ansichtskarte(Abgerufen: 25. August 2008)
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