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Beichte

Das Bußsakrament oder Sakrament der Vergebung ist eines der sieben in der katholischen Kirche. Die "Ohrenbeichte" stammt aus der Praxis der iroschottischen Wandermönche ab dem 6. Jahrhundert. Zuvor erbat man die Vergebung alltäglicher Sünden bei Gott durch Fasten, Beten und gute Werke. Nur Kapitalsünden wie Glaubensabfall, Mord oder Ehebruch unterlagen einem öffentlichen, meist mehrjährigen Bußverfahren. Dem geheimen Bekenntnis beim Bischof folgte die Aufnahme in den Büßerstand mit Bußverpflichtung und Ausschluss aus der Gottesdienstgemeinde. Die Wiederaufnahme (Rekonziliation) erfolgte am Gründonnerstag mit Handauflegung des Bischofs. 

Die iroschottischen Missionare brachten den Brauch, die Sünden - im Altarraum - einem Priester zu bekennen, der aufgrund der Bußbücher die "Tarifbuße" festsetzte. Die Lossprechung erfolgte nach deren Ableistung, später gleich. Das 4. Laterankonzil (1215) schrieb vor, schwere Sünden jährlich zu beichten. Das Bekenntnis lässlicher Sünden vor dem Kommunionempfang kam in der Neuzeit auf. Beichtstühle gibt es seit dem 16. Jahrhundert. Um der Kontrolle durch den eigenen Pfarrer zu entgehen, beichteten viele gerne an Wallfahrtsorten oder wenn ein "fremder Beichtvater", meist vor Ostern in die Pfarre kam. Als Bestätigung der absolvierten Osterbeichte wurden kleine Zettel oder Andachtsbilder ausgegeben.Die Neuordnung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil sieht die "Feier der Versöhnung" sowohl für einzelne als auch als gemeinschaftliche Feier vor. 

Die evangelische Kirche erkennt die Buße als notwendige Sinnesänderung an, versteht dies jedoch nicht als Sakrament. Anders als bei Taufe und Abendmahl fehlt ein Stiftungswort Christi für die Beichte. 


Quelle:  Rupert Berger: Neues Pastoralliturgisches Handlexikon. Freiburg/Br. 1999. S. 85 f.

Bild:  Beichte im Wallfahrtsort Velehrad (Tschechische Republik) um 2000. Foto: Alfred Wolf