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Bernstein#

Bernstein

Der Schmuckstein aus fossilem Harz kommt transparent bis undurchsichtig in den Farben gelb, rötlich, braun und weiß vor. Die deutsche Bezeichnung leitet sich von "brennen" (mittelniederdeutsch: börnen) ab und ist auf die auffällige Brennbarkeit zurückzuführen, die auch als Kriterium gegenüber Nachahmungen aus Kunststoff gilt. Die griechische Bezeichnung "Elektron" geht auf die Bedeutung von glänzend, strahlend zurück. Sie wurde ihrerseits zur Wurzel von "Elektrizität", die sich durch Reiben mit Bernstein erzeugen lässt.

Die größten Vorkommen befinden sich an der Ostsee und in Russland, auch in Niederösterreich und Salzburg gibt es Fundstätten. Gollinger Bernstein entstand vor 225 Millionen Jahren. Bernstein wurde bereits in der Jungsteinzeit verarbeitet und verziert. In Nordfriesland fand man Anhänger und Perlen aus der Zeit um etwa 10.000 v. Chr. In der mykenischer Periode (1600-1050 v. Chr.) trug man in Griechenland Schmuck aus importiertem Bernstein. Mehrere Handelswege ("Bernsteinstraße") führten von der Ostsee zum Mittelmeer. In Niederösterreich folgte die in der Römerzeit ausgebaute Route der March, überquerte bei Carnuntum die Donau und führte weiter nach Ungarn. Im Mittelalter, als die Paternostermacher Rosenkränze aus dem fossilen Harz herstellten, war das "Bernsteinregal" ein Monopol, dem u.a. der Deutsche Orden seinen Wohlstand verdankte.

Plinius (23-79) erwähnt die Heilkraft von Bernsteinamuletten gegen Fieber. Es war Brauch, Babies Bernsteinketten umzuhängen, um das Zahnen zu erleichtern. Nach dem Prinzip, dass Gleiches durch Gleiches geheilt werde ("similia similibus curantur") trug man Bernstein-Amulette gegen Gelbsucht. Zermahlener Bernstein wurde bei inneren Krankheiten und als entzündungshemmend eingenommen. Schamanen verwendeten ihn statt Weihrauch, eine Funktion, die auch moderne Esoteriker schätzen. Sie schreiben dem Heil- und Schutzstein "positive Schwingungen" zu, die Angst nehmen und die Lebensfreude steigern sollen. Seit langem galt Bernstein als zauberkräftig gegen böse Mächte.


Quellen: 
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1927/1987. Bd 1 / Sp. 1091 f.
Wikipedia: Bernstein (Stand: 5.5.09)
Bernsteinstraße

Bild: Halskette aus Bernstein, um 1930, Foto: H. M. Wolf