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Buchdrucker#

Buchdrucker

Um 1440 erfand Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg (um 1400 - 1468) den Buchdruck mit beweglichen Lettern und eine Druckpresse. Damit begann eine bisher nicht bekannte Medienrevolution in Europa. Reformation und Renaissance wären ohne das neue Kommunikationsmittel kaum denkbar. Der Buchdruck zählt zu den Hochdruckverfahren, bei denen die erhabenen Stellen der Druckform eingefärbt werden. Ein darüber gelegter Papierbogen wird auf diese gepresst, wodurch der Abklatsch erfolgt. Die ersten Druckmaschinen waren nach dem Vorbild der Weinpressen aus Holz gebaut (Paralleldruckverfahren). 

In Wien eröffnete 1492 der aus Ofen kommende Rheinländer Hans Winterburger die erste Druckerei, in der 106 Werke, meist religiösen Inhalts entstanden. Der erste Schriftguss in Wien erfolgte 1555. 

In der Reformationszeit richtete das Bistum eine Zensurbehörde ein. Beide Konfessionen betrieben eigene Druckereien (Jesuiten 1559-1565, protestantische Landstände 1576-1618). Die erste Buchdruckerordnung stammt aus dem Jahr 1578. Danach durften Gelehrte ihre Werke nur im Inland drucken lassen. Die Buchdrucker, die meist zudem als Verleger und Buchhändler tätig waren, unterstanden dem Kaiser und (bis 1767) der Universität.

Bedeutende Vertreter des Gewerbes im 18. Jahrhundert waren Johann Ghelen (1645-1721) und sein gleichnamiger Sohn (1673-1754), die u.a. den Vorläufer der "Wiener Zeitung" druckten, Carl Gerold (1783-1854), der die Lithographie einführte, und der den Markt beherrschende Johann Thomas Trattner (1717-1798), der eine eigene Schriftgießerei betrieb. Kaiser Josef II. (1741-1790) erwies sich als großer Förderer der "schwarzen Kunst". Er erlernte selbst den Beruf, begünstigte das Zeitungswesen, lockerte die Zensur und erklärte 1788 das Buchdruck- und Buchhandelsgewerbe als frei.


Quelle: Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd. 1/S. 448 f.

Bild: Leander Russ, 1853: Kaiser Josef II. wird in der Buchdruckerkunst unterwiesen.