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Drechsler#

Drechseln ist ein Holz verarbeitendes Handwerk, das schon im alten Ägypten bekannt war. Das Werkstück wird mit einem Drillbohrer, der in einer Bohrkappe gelagert ist (damit Druck ausgeübt werden kann), drehend bearbeitet. Etrusker und Griechen stellten im 7. vorchristlichen Jahrhundert Holzarbeiten auf diese Weise her. Der größte griechische Bildhauer, Phidias (500-432 v. Chr.), drechselte Elfenbein. Die früheste Abbildung einer Drechselbank mit Schnurantrieb stammt aus der Zeit um 1300. Die Vorrichtung ermöglichte, beide Hände zur Arbeit frei zu haben. Die Paternostermacher (Hersteller von Rosenkränzen) bedienten sich im Mittelalter der Drechselbank. Leonardo da Vinci (1452-1519) verbesserte die Konstruktion wesentlich. Zahlreiche Gebrauchs- und Ziergegenstände entstanden vor allem aus Eichen- oder Buchsbaumholz, Horn, Bein und anderem Material.

In der Gründerzeit waren gedrechselte "altdeutsche" Möbel modern, die häufig Intarsien aus dem schimmernden Material Perlmutt trugen. Perlmutt-Drechsler waren damals ein eigenes Gewerbe, das aus Muscheln Ziergegenstände und Knöpfe herstellte. In vielen Gärten in Meidling, Ottakring und Währing, wo die Perlmutt-Drechsler als Hinterhofindustrie werkten, konnte man noch Jahrzehnte später deren Abfälle finden. Die letzte Perlmuttschleiferei, die sich auf Schmuck-Design spezialisiert hat, befindet sich Felling (Niederösterreich). 1911 von Rudolf Marchart gegründet, verarbeitete sie damals, wie viele andere Betriebe der Gegend, Muscheln aus der Thaya zu Perlmutterknöpfen.
Quellen: 
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 143 f., 147
Währinger Heimatbuch. Wien 1923. S.224
Drechslerei
Perlmutt