Perle#

Perle

Die Perle - ein fester, runder Fremdkörper aus Perlmutt, der in Meeres-, Süßwasser- und Flussmuschelarten entsteht - war schon in der Antike hoch geschätzt. Symbolische Deutungen reichen von Weisheit und Glück bis zu Tränen. Zahlreiche Bibelstellen loben die Perle, ziehen Vergleiche zu einer tüchtigen Frau (Spr 31,10), dem Himmelreich (Mt 13,45 f.) und warnen davor, sie den Schweinen vorzuwerfen (Mt 7,6). Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert fanden pulverisierite Perlen mit Flüssigkeit versetzt, als Perlmilch medizinische Verwendung. Seit dem 19. Jahrhundert werden Perlen gezüchtet. 

Als Perlmutt(er) bezeichnet man die innerste Schalenschicht bestimmter Schnecken und Muscheln, die dadurch vor Fressfeinden geschützt sind. Perlmutt wird wegen seiner irisierenden optischen Eigenschaften seit langer Zeit zur Herstellung von Schmuck, Kunst- und Gebrauchsgegenständen verwendet. Im 19. Jahrhundert war in Wien und Niederösterreich die Perlmuttdrechslerei ein blühendes Gewerbe. Produziert wurden Knöpfe und Ziergegenstände, wobei in der Makartzeit schillernde Möbelintarsien sehr beliebt waren. Die letzte derartige Firma befindet sich in Felling (Niederösterreich). Seit 1911 stellt sie hochwertige Knöpfe, neuerdings auch Schmuck her. Vor 100 Jahren kam das Rohmaterial aus der Thaya, jetzt importiert man Muscheln aus Übersee.

Perlmuttknöpfe fanden sich am schwarzen Samtspenzer der (Fest-)Berufstracht der Wiener Wäschermädel um 1880, und der 1906 kreierten "Kluft" der wandernden Zimmerleute aus Hamburg.


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 637.
Wikipedia: Perle(Stand 8.8.2008)
Perlmuttdrechslerei
Zimmerleute

Bild: Dame mit modischer Perlenkette. Postkarte um 1900. Gemeinfrei