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Wäschermädel#

Waeschermaedel

Wer es sich in Wien leisten konnte, ließ die Wäsche von den "Wäschermädeln" besorgen. Wasser lieferten die Bäche, Flüsse und Brunnen, wie im 9. Wiener Gemeindebezirk, dem Himmelpfortgrund in der Gegend des Sobieskiplatzes. Hier befanden sich die Als und der Währingerbach, ab 1841 ein Auslaufbrunnen der Kaiser-Ferdinand-Wasserleitung. Auf der "Hängstatt" am Sechsschimmelberg wurden die Wäscheleinen in mehreren Etagen zwischen hohen Stangen gespannt. Wind beschleunigte das Trocknen. Die Wäscherleute arbeiteten in Gruppen, waren untereinander gut bekannt, oft verwandt oder verschwägert. Unter den Wäscherinnen, damals nicht Lohnarbeiterinnen, sondern - wenn auch meist am Waschtrog in der eigenen Küche tätig - selbstständige Gewerbetreibende, herrschte kaum Konkurrenz. Die schwere Arbeit trug zwar nicht viel ein, doch das Selbstbewußtsein war groß. Die "Wiener Wäschermädel" galten als kulturelle Eigenart der Stadt. 

Auf einem Stadtplan von 1797 ist ein Waschhaus am Währinger Bach eingezeichnet. Bei dessen nahe gelegener Mündung in die Als trug das Haus Sechsschimmelgasse 1 die Bezeichnung "Zum Waschstadel". Die Wäscherkolonie auf dem Himmelpfortgrund war als Hoflieferant bekannt. Jede Woche fuhr die "Kaiserwäscherin" in die Hofburg, um schmutzige Wäsche abzuholen und frische zu liefern. Die Aufträge endeten mit der Choleraepidemie 1866. Gegen die Jahrhundertwende verschlechterte sich die Situation, Großbetriebe und Waschmaschinen machten der Wäschergilde zu schaffen. Der Abbruch der "Wäscherburg" 1891 stellte viele vor Probleme, weil sie die in anderen Häusern verlangten Mieten nicht aufbringen konnten. Beim letzten "Ball auf der Hängstatt" fanden sich 600 Personen ein, die bis in die Morgenstunden Abschied feierten. 

Viele Bilder zeigen die Wäscherinnen auf Liefertour: in der charakteristischen Tracht mit dem nach hinten gebundenen Kopftuch, eine Butte auf dem Rücken, von der seitlich gestärkte Unterröcke hängen. Den sauberen "Madeln" wurde besondere Schlagfertigkeit nachgesagt. Die Wiener waren stolz auf ihre "Volkstype". Für und über sie entstande Lieder wie "Die Wäschertonerl vom Himmelpfortgrund" (um 1830). Neben lebensphilosophischen Aussagen enthält der Text sozialkritische Töne. 

Der Wäschermädelball war ein populäres Vergnügen. Um den "echten" von den Pseudo-Wäschermädelbällen zu unterscheiden, erbaten die Veranstalterinnen schon 1830 von ihrer Grundherrschaft, dem Fürsten Liechtenstein, einen Ausweis. Es handelt sich um eine tragbare Vitrine mit Figurinen, welche die typischen Tätigkeiten des Waschtags zeigen. Das Wäscherwahrzeichen wurde in zeremonieller Art am Beginn des Festes in den Saal getragen. Der Schriftsteller Eduard Pötzl (1851-1914) beobachtete, dass ein Wäschermädelball in der Vorstadt "einen ganz anderen Puls hat als die Bälle in der Stadt drinnen und jetzt auch von vornehmen Herren aufgesucht wird, die sich am selbigen Abend irgendwo auf einem Eliteball recht grimmig gelangweilt haben." Gegen Ende des 19. Jahrhunderts veranstalteten zahlreiche Wiener Tanzlokale so genannte Wäschermädelbälle, und das nicht nur im Fasching, sondern auch während des Jahres.

Im Februar 2013 erlebte die Traditionsveranstaltung im Etablissement Gschwandner in Hernals, Wien 17, Geblergasse 36-40, ihre Wiederbelebung. Im ausverkauften Saal vergnügten sich entsprechend kostümierte Paare. Für das letzte Event vor der Restaurierung des Saales "wurde die Zeit der Wäschermädel mit besonderen Outfits wiederbelebt. Die Damen zeigten sich in Spitzenblusen, Korsagen und Reifröcken. Die Herren im Smoking, im Frack oder auch im Stil der Zeitungsjungen der Jahrhundertwende".


Quellen:
Walter Deutsch - Helga Maria Wolf: Menschen und Melodien im alten Österreich. Wien 1998. S. 35
Alfred Wolf: Alsergrund-Chronik. Wien 1981. S. 134
Alfred Wolf: Archivbilder Wien-Alsergrund. Erfurt 2004. S. 61 f.
Gschwandner

Bild: Wäschermädel in klassischer Ausgehtracht, Aquarell von Emil Hütter, 1858