Wasser#

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Wasser

"Wasser ist Leben" sagt ein bekannter Slogan. Wasser bedeckt zwei Drittel der Erdoberfläche, doch nur 0,007 Prozent des weltweiten Vorkommens ist als Süßwasser unmittelbar zugänglich. Der Wasserverbrauch hat sich innerhalb der letzten 70 Jahre versechsfacht. 70 Prozent des Süßwassers fließt in die Landwirtschaft, 20 Prozent dienen der Industrie, zehn Prozent werden privat genutzt.

Für verschiedene Berufe wie Fischer, Schiffer, Müller, Gerber, Flößer, Schmied und Wäscher war Wasser besonders wichtig. Im Alltag wurde dem fließenden Wasser der Vorzug vor dem Brunnenwasser gegeben. Regen- oder Schneewasser oder zu bestimmten Festen geschöpftes Wasser galt als Schönheitsmittel. Brunnen wurden rituell gereinigt. Darüber hinaus gab es magische und symbolische Handlungen im Jahres- und Lebenslauf. Krankheiten wurden "weggeschwemmt". Im kirchlichen Gebrauch spielen Tauf-, Dreikönigs-, Oster- und verschiedene Heiligenwasser eine Rolle.

Der grundlegenden Bedeutung des Wassers entsprechend erzählen Mythen von seiner Entstehung. So beginnt die Bibel im Buch Genesis: "Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde; die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser. … Dann sprach Gott: Ein Gewölbe entstehe mitten im Wasser und scheide Wasser von Wasser. Gott machte also das Gewölbe und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes vom Wasser oberhalb des Gewölbes. … Das Trockene nannte Gott Land und das angesammelte Wasser nannte er Meer. Gott sah, dass es gut war." (Gen 1, 1-10)

Weit verbreitet war der Glaube an Wassergeister: Sie wohnen in Brunnen, Gewässern oder im Meer in einem Kristallpalast, entführen Menschen und gründen Familien. Sie vertauschen Menschenkinder gegen ihre eigenen, häßlichen (Wechselbalg). Als Spukgestalten bewirken sie, dass Menschen ertrinken. Sie verursachen Strudel in den Flüssen. Andererseits erscheinen sie als freundliche Helfer. Man versuchte sie durch Opfer günstig zu stimmen, oder mit Zaubersprüchen, Gebeten und Weihwasser unschädlich zu machen. Nixen haben einen Fischleib. Sie kämmen sich mit goldenem Kamm, die bekannteste ist wohl die Lorelei. Sie singen und tanzen gern, auch mit Dorfburschen. Wenn sie sich bei ihren Landgängen verspäten, werden sie bestraft und der See färbt sich blutrot. Das Nibelungenlied (um 1200) besingt weissagende Wasserfrauen. Eine Wiener Sage erzählt vom "Donauweibchen", das zuerst die Fischer vor Hochwasser warnt und dann ein Opfer fordert. Wassermänner haben silbergrüne Augen und Wasserpflanzen als Haare.

Wasserschmecker nannte man die Radiästheten, die mit der Wünschelrute Wasserläufe aufspürten. Die gabelförmige Haselrute musste am Karfreitag um Mitternacht geschnitten worden sein. Dann konnten mit ihrer Hilfe Wasser und Schätze gefunden werden.

Zahlreich sind die Redensarten: "Wasser in ein Sieb (oder in den Brunnen) schöpfen" bezeichnet unsinniges Tun. "Einem das Wasser abgraben" (verleumden), "Wasser auf seine Mühle" (das kommt ihm gelegen), "Stille Wasser sind tief" (undurchsichtig), "Kein Wässerchen trüben" (harmlos sein), "Einem nicht das Wasser reichen können" (tief unter ihm stehen), "Da wird auch nur mit Wasser gekocht" (eine Sache sieht schlimmer aus als sie ist), "Wasser predigen und Wein trinken" (unglaubwürdig sein), "Jemand steht das Wasser bis zum Hals" (befindet sich in höchster Not), "Bei Wasser und Brot" (eingesperrt sein), "Mit allen Wassern gewaschen" (verschlagen, welterfahren)sein, "etwas verwässern" (Gutes schlechter machen).


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S.937 f.
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1941 (1987). Bd. 9/Sp. 107 f.
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1992. Bd. 3/S. 1697 f
Helga Maria Wolf: Mythos Wasser. St. Pölten 2009

Bild: Nixe mit Wasserlilien. Postkarte um 1900. Gemeinfrei