Mühle#

Muehle

"Romantisches Naturgefühl" (HDA) verhalf der Mühle zur Bedeutung in Malerei, Dichtung und Musik, z. B "Es klappert die Mühle am rauschenden Bach". Die "Anlage, um stückiges Aufgabematerial zu fein- oder feinstkörnigem Endprodukt zu zerkleinern" (Wikipedia) verarbeitet weitaus mehr als Getreide. Zu Papier-, Säge- und Steinmühlen kommen kleine Geräte, mit denen im Haushalt Kaffee, Mohn oder Gewürze gemahlen werden. 

Bei der Antriebsart wird zwischen Muskel-, Wasser- und Windkraft unterschieden. In der Agrarrevolution des Frühmittelalters spielten die Wassermühle und die Einführung des Roggens als Brotgetreide eine entscheidende Rolle. Im 6. Jahrhundert waren Wassermühlen bei den Franken selbstverständlich, bis ins 9. Jahrhundert weiter verbreitet. Voraussetzung war die in Herrenland und Bauernland zweigeteilte Grundherrschaft (Villikation). Weltliche und geistliche Grundherren betrieben zentrale Einrichtungen wie Mühlen, Backöfen, Weinkelter und Brauereien. Die aufwändige Errichtung einer Wassermühle wäre von einem Bauern nicht zu leisten gewesen. Wasserrechte und Wasserbau, Gebäude und teure Mühlsteine waren dazu nötig. Die Mühle diente sowohl dem Grundherrn als auch den Untertanen. Getreidemahlen entwickelte sich zu einem Banngewerbe, d.h. die Bauern waren gezwungen, ihr Korn in der Mühle der Herrschaft verarbeiten zu lassen. Diese nützte die Technik der Wassermühle auch für andere Produktionen, wie Walk-, Säge- und Malzmühlen. In Wien besaßen Klöster, Adelige und reiche Bürger am Wienfluss und an Wienerwaldbächen Wassermühlen, die sie an Müller verpachteten. Die meisten stellten sich im 19. Jahrhundert auf Dampf-, später auf Elektrobetrieb um. 

Schiffmühlen waren beweglich. Ein Boot trug den hölzernen Aufbau mit dem Mühlrad. Die ältesten befanden sich um 1820 bei den Floridsdorfer Donauarmen. Wegen der Überschwemmungsgefahr mussten sie oft ihre Standorte wechseln. In Kaisermühlen (Wien 22) sollen bis zu 60 Schiffmühlen hintereinander im Strom verheftet gewesen sein, zwischen Wien und Pressburg weitere 40. Vor der Donauregulierung (1870-1875) befanden sich im "Mühlschüttel" und an der Leopoldauer Heide 50 Boote mit Mühlen. In Orth an der Donau (Niederösterreich) wurde eine Schiffmühle aus privater Initiative rekonstruiert.  

Windmühlen wurden häufig dort errichtet, wo keine Wasserkraft, aber Windenergie zur Verfügung stand. Sie befanden sich auch in Wien (Windmühlgrund im 6. Bezirk, 16. Jahrhundert, Windmühlhöhe im 18. Bezirk bis 1870). Vor der Vereinheitlichung der Straßennamen gab es im heutigen 9., 13. und 23. Bezirk je eine "Windmühlgasse". 

Dass sich Mühlen oft abseits der Siedlungen befanden und Tag und Nacht geräuschvoll arbeiteten, führte zu Vorstellungen und Sagen, die sie unheimlich erschienen ließen ("Teufelsmühle"). Müller galten zeitweise als "unehrliches Gewerbe". Im übertragenen Sinn sprach man von Wundermühlen, die Gold mahlen, oder "Altweibermühlen" mit verjüngender Wirkung.


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 571 f.
Karl Brunner, Petra Schneider (Hg): Umwelt Stadt. Wien 2005. S. 144
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd. 5/S. 661 f., 85 f.
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens (HDA). Berlin 1935/1987. Bd. 6/Sp. 602 f.
Michael Mitterauer: Warum Europa ? München 2003. S. 23, 49
Helga Maria Wolf: Mythos Wasser. St. Pölten 2009. S. 28f.
Schiffmühle

Bild: Schaumühle bei Lichtenegg (Niederösterreich). Foto: Alfred Wolf, 2002