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Weihwasser#

Weihwasser
Burgenländischer Weihwasserkrug

In der antiken Welt war es Brauch, Wasser zur religiösen Reinigung und Entsühnung (Lustration) zu verwenden. Die Christen übernahmen ihn. Sie reinigten heidnische Tempel symbolisch mit Wasser und Salz, bevor sie die Bauten als Kirchen verwendete, sprengten Weihwasser in den Häusern aus und tranken es gegen Krankheit. Im Eingangsbereich der Kirchen befinden sich Becken für das Weihwasser, mit dem sich die Gläubigen bekreuzigen. 

Im 8. Jahrhundert nahmen die Priester jeden Sonntag eine Weihe des Wassers vor und besprengten die Gläubigen damit (Asperges), wobei sie das Motiv der Tauferneuerung betonten. Weiters wurde zu bestimmten Heiligenfesten und Anlässen Wasser geweiht: In der Osternacht, zu Dreikönig (bis 1890, jetzt nur in der Ostkirche), Gregoriuswasser zur Altarweihe, Stephanswasser zum Schutz des Hauses und als Stallsegen.

Im privaten Haushalt kam dem Weihwasser große Bedeutung als Sakramentale zu. Es sollte apotropäisch wirken, oft wurde ihm magische Wirkung zugeschrieben. Sprichwörtlich fürchtet der Teufel das Weihwasser. Man bekreuzigte sich damit beim Betreten und Verlassen des Hauses oder morgens, mittags und abends. Den Kindern zeichnete die Mutter vor dem Schlafengehen ein Kreuz mit Weihwasser auf die Stirn. Bei der Haussegnung in den Rau(ch)nächten wird es versprengt. Seit dem 18. Jahrhundert gab es serienmäßig hergestellte Weihbrunnkessel aus Metall, Porzellan oder Keramik in mehr oder minder künstlerischer Ausführung. Zur Aufbewahrung kreierte die Katholische Frauenbewegung Burgenland um 1990 Tonkrüge mit Jesusmonogramm in Form kleiner "Stoober Plutzer".


Quellen:
Rupert Berger: Neues pastoralliturgisches Handlexikon. Freiburg/Br. 1999. S. 549
Gerhard Wöckel: Weihwassergefäße. In: SammlerJournal. Schwäbisch Hall 1984. S. 230
Helga Maria Wolf: Mythos Wasser. St. Pölten 2009

Bilder:
Versilberter Weihbrunnkessel mit Glaseinsatz, 19. Jahrhundert. Foto: Helga Maria Wolf
Burgenländischer Weihwasserkrug. Foto: Helga Maria Wolf