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Edelmetalle#

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts entfiel fast die Hälfte der montanistischen Wertschöpfung auf Gold und Silber, je 20 % auf Buntmetalle (Kupfer, Blei, Quecksilber) und Salz, Eisen machte nur 10 % aus. Bessere Förder- und Entwässerungstechniken ermöglichten die Erschließung in größeren Tiefen (200 m). Das Wasser wurde mithilfe von Göpeln und Pumpen gehoben. Eine von zwei Männern bediente Fördereinrichtung (Schwazer Wasserkunst im Silberbergwerk) bewältigte in acht Stunden 100 m² Wasser.

Die in den Hohen Tauern betriebene Goldwäscherei dürfte nach 1300 durch Bergbau ergänzt und übertroffen worden sein. Im Lavanttal setzte um 1550 ein Goldrausch ein, als sich die Fugger, von denen die Habsburger finanziert wurden, hier einkauften. (Die Fugger waren ein schwäbisches Kaufmannsgeschlecht von Weltgeltung, das im 16. Jahrhundert geadelt wurde.)

War vom 13. bis ins frühe 15. Jahrhundert die Steiermark das Zentrum der Silberförderung (Oberzeiring, Schladming), so verlagerte sie sich dann nach Salzburg, Tirol und Kärnten. Zwischen 1410 und 1560 war Schwaz in Tirol durch Silber und Kupfer eines der bedeutendsten Bergbauzentren der Welt.

Die 1547 aufgeschlossenen Kupferlager von Radmer in der Steiermark zählten zu den wichtigsten Kupferbergwerken Europas.

Ertragreiche Bleilager gab es in Kärnten (Bleiberg). Blei brauchte man zum Scheiden von Silber und Kupfer, weshalb die Fugger 1495 bei Arnoldstein eine Hütte, die Fuggerau, einrichteten.

Im 16. Jahrhundert bestanden im Ostalpenraum 120 Lagerstätten von Arsen, das vor allem an die Glaswerkstätten in Venedig verkauft wurde, aber auch als Gift begehrt war.

Zur Berggemeinde gehörten die Gewerken als Unternehmer, Beamte und Knappen. Außerhalb standen die männlichen und weiblichen Hilfsarbeiter beim Abbau und der Aufbereitung. Knappe blieb man auf Lebenszeit und war an Gewinn und Risiko des Unternehmens beteiligt. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts büßten die Alpenländer ihre Bedeutung in der Edelmetallgewinnung ein. Die wesentlichen Gründe waren sinkende Silberpreise, die Erschöpfung der Lagerstätten und vor der Entdeckung Amerikas (1492) unbekannte Abbaugebiete in Übersee. "Vier Dinge verderben ein Bergwerk" sagte man: "Krieg, Sterben, Teuerung und Unlust".

Bergwerkssagen aus Tirol erzählen von geheimnisvollen Berggeistern und Zwergen. Die Internet-Sagensammlung "Sagen.at" verzeichnet 115 Titel. In der Nähe von Gruben und Erzgängen fehlt es nicht an Bergmännlein, die sich manchmal sehen lassen, aber sich und ihre Schätze meist im Erdinneren verstecken. Sagen über die Entstehung von Bergwerken erwähnen das Venedigermandl, das die Bewohner zu den Erzen führt.

Auch der Übermut der reich gewordenen Knappen und die folgende Strafe wird angesprochen: Manche sollen mit Kegeln aus Gold gespielt haben. Andere trieben Frevel mit Lebensmitteln, die sie sich auf den Hut steckten. Ihre Schule beschlugen sie statt mit Eisennägeln mit Silbermünzen. Sie gossen Glocken aus reinem Silber. Nach dem ersten Läuten erwiesen sich die vorher reichen Adern leer, schließlich versank das ganze Dorf in den Erdboden. Oft hörte man ein unheimliches Klingeln von den silbernen Glocken der versunkenen Dorfkirche.