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Emaille

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Emaillegeschirr. Foto: Helga Maria Wolf
Emaillegeschirr. Foto: Helga Maria Wolf

Die Emaille (das Email, auch Glasfluss) ist eine Masse aus Silikaten und Oxiden, die durch einen kurz vor der Vollendung abgebrochenen Schmelzvorgang in glasig erstarrter Form auf ein Trägermaterial (Metall) aufgebracht wird. Natürliche Rohstoffe sind: Quarz, Feldspat, Borax, Soda, Pottasche und Metalloxide. Grabfunde aus Mykene (Griechenland) zeigen, dass Emaille als künstlerische Technik schon vor 3500 Jahren bekannt war. Im Mittelalter zählte sie, wahrscheinlich durch Byzanz vermittelt, zu den Goldschmiedekünsten. Bekannte Werke sind der Verduner Altar in Klosterneuburg (1181) und der Dreikönigsschrein (um 1190) im Kölner Dom. Um 1900 bedienten sich Juweliere des Verfahrens, wie der Pariser René Jules Lalique (1860-1945) und sein Mitarbeiter, der Wiener Gustav Fischmeister (1875-1935). Sie verwendeten die Fensteremailtechnik (plique à jour), bei der die Lichtdurchlässigkeit des Materials im Vordergrund steht. Hauchdünnes, durchsichtiges Email wird durch Edelmetallstege verbunden und z.B. als Brosche in Schmetterlingsform designt.

Um 1900 kamen emaillierte Reklametafeln (Blechplakate) an Geschäften als Produktwerbung für Markenartikel (Suchard, Persil, Nestle, Maggi etc.) auf. Da sie sogar an entlegensten Orten, wie Schutzhütten, massenhaft angebracht waren, wurde bald Protest gegen die "Blechpest" laut. In der Schweiz war dies ein wesentlicher Motor für die entstehende Heimatschutzbewegung. Die Behörden versuchten, Emailleschilder zu verbieten, kontrollieren oder besteuern. 

Durch die Kombination von Glas und Metall entstehende Eigenschaften wie Widerstandsfähigkeit und leichte Reinigung machten Emaille für Haushaltsgeräte interessant. Seit den 1760-er Jahren wurde damit experimentiert, nachdem man erkannt hatte, dass Kupfer- und Eisengeschirr nicht korrosionsfrei war. Vor allem zwischen 1860 und 1940 entstanden blau-weiße, graugewolkte oder braune Kannen, Schüsseln, Töpfe und andere Gebrauchsgegenstände. Diese Entwicklung hing auch mit der erst damals möglichen Massenproduktion von Stahlblech zusammen. Eine Mode des Emailles für Haushalt und Küche waren die blau-weißen Holländermotive, wobei oft Schablonen händisch ausgemalt wurden. Windmühlen und ähnliches waren ein Symbol der den Niederländerinnen nachgesagten besonderen Reinlichkeit.in den 1960er- Jahren waren pastellfarbige Reinen modern. Durch das Aufkommen von Edelstahl und Kunststoffen wurden emaillierte Haushaltsgegenstände zurück gedrängt, sie sind nun - wie die Reklametafeln - zu Sammlerobjekten geworden. Daneben gab und gibt es "weiße Ware", ein gängiger Begriff für emaillierte Herde, Waschmaschinen, Kühlschränke oder Badewannen. 

Die seit 1972 so genannte Firma Austria Email ging aus einer 1855 gegründeten österreichischen Eisenbahn-Gesellschaft hervor. 1929-1979 produzierte sie in Wien 16 Kochgeschirr, Küchen- und Haushaltsartikel. 1937 wurde zusätzlich das ehemals größte Emaillierwerk der österreichisch-ungarischen Monarchie übernommen. Seit den 1980er- Jahren hat sich die nun in Knittelfeld (Steiermark) ansässige Fabrik auf Warmwasserbereiter und Kommunalerzeugnisse, wie Straßentafeln und Beleuchtungskörper, spezialisiert.


Quellen: Normalmaße der Ellen am Stephansdom. Foto: Helga Maria Wolf, 2009 SammlerJournal Schwäbisch Hall 1983. S. 1244 f., 1987 S. 1195
Austria Email
Wikipedia: Email (Stand: 13.5.09)

Bild: Emailliertes Kochgeschirr der 1960er-Jahre. Foto: Helga Maria Wolf, 2009