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Friedhof der Namenlosen#

Beim Alberner Donauhafen an der Grenze von Wien und Schwechat (Stromkilometer 1918) wurde 1854 der Friedhof der Namenlosen angelegt, 1877 erweitert und 1899 aufgelassen. Bis dahin fanden dort - in der Nähe eines Wirbels der Donau, der die Wasserleichen an Land spülte - 478 Personen ihre letzte Ruhe. Wegen der Hochwassergefahr wurde der Friedhof auf die andere Seite des Dammes verlegt, 1935 mit einer Kapelle und einer Mauer versehen. 1900-1940 fanden 104 Beerdigungen statt. Bis 1996 betreute der ehrenamtliche Totengräber Josef Fuchs die Anlage, er besorgte auch die Gusseisenkreuze, die ihr das charakteristische Aussehen verleihen. Jetzt erhalten die Alberner Hafengesellschaft und die Gemeinde Wien den Friedhof der Namenlosen.

Am Sonntag nach Allerseelen setzen der Verein Albern der Arbeiterfischer ein mit Kränzen, Blumen und Kerzen verziertes Floß zum Gedenken an die Ertrunkenen in den Strom. Die Feier beginnt vor dem Gasthaus "Zum Friedhof der Namenlosen" mit Ansprachen. Dann tragen sechs Männer unter Musikbegleitung das Floß zum Ufer der Donau und legen es in ein Motorboot. Sie fahren zur Flussmitte. Wenn sie das Floß dort aussetzen, ertönen drei Schüsse. Zwei Boote geben dem Floß noch ein Stück Geleit. Anschließend wird auf dem Friedhof eine Andacht gehalten. Blumen, Kränze und Kerzen stehen bereit, um von den Besuchern auf den Gräbern verteilt zu werden. Mehrere hundert Personen nehmen teil.

Kranzlegung 2013 Fotos: Doris Wolf

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In der Zwischenkriegszeit wurde der Brauch zum Gedenken an die Ertrunkenen des Donaukanals in der Rossau, Wien 9, bei einem Gasthaus zwischen den Stadtbahnstationen Rossauer Lände und Friedensbrücke gepflegt. 1931 sammelte man dabei Spenden für die Waisen der Opfer. (Fotos aus den Jahren 1928 und 1931, Fotograf unbekannt. Archiv Alfred Wolf)

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Quelle: 
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd. 2/S. 207