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Köhler#

Köhlerei ist ein seit dem Altertum bekannter Beruf. Für einen Kohlenmeiler wurden bis zu 100 Raummeter Holz aufgeschlichtet, ein mit Reisig und Spänen gefüllter Feuerschacht angelegt und der Meiler mit Gras, Moos und Erde abgedeckt. Bei einer Temperatur von ca. 300 °C dauerte der Verkohlungsprozess eine bis mehrere Wochen. Während dieser Zeit musste der Meiler Tag und Nacht beaufsichtigt werden, damit das Holz nicht verbrannte, sondern nur schwelte. Für ihr gefährliches Handwerk wählten die Köhler die Heiligen Laurentius und Theobald als Patrone. Ihm zu Ehren gab es mancherorts Jahresfeuer, deren Rückstände als Schutzmittel galten. 

Holzkohle diente seit dem 13. Jahrhundert als Brennstoff für verschiedene Gewerbe. Neben Schmieden und Eisengießereien brauchten sie Glashütten, Ziegeleien und die Hersteller von Schwarzpulver. In Wien verdankt der Kohlmarkt (seit 1314) diesem Produkt seine Benennung. Abnehmer waren hier vor allem die Hufschmiede. Auch städtische Haushalte verwendeten Holzkohle, da vor der Elektrifizierung Holzkohlen-Bügeleisen üblich waren. Mit der Technisierung Mitte des 20. Jahrhunderts ging die Nachfrage stark zurück. 

In Niederösterreich gab es sesshafte und wandernde Köhler, u.a. im Wienerwald, im Waldviertel und in der Schneeberggegend, auch aus Mariazell und aus der Slowakei kam Holzkohle nach Wien. Die Wanderköhler waren meist Kleinhäusler, die für andere ausholzten und Wurzelstöcke ausgruben. Statt eines Lohnes durften sie das Holz und die daraus gewonnene Holzkohle behalten. Obwohl die Köhler zu den Ärmsten und ihr Beruf zu den schmutzigsten zählten, waren sie als "Volkstypen" mit eigener Tracht und Liedern bekannt. Sie transportierten ihre Ware hoch aufgeschichtet mit Pferdewagen auf die Wiener Märkte oder lieferten sie direkt zu den Gewerbebetrieben und Wiederverkäufern. Auf Schiffen gebrachte Holzkohle fand gleich am Donaukanal Abnehmer. Der Kohlenmarkt lag neben dem Kalkmarkt bei der Getreidemarktkaserne, wo sich auch das k.k. Kalkzehent-Gefälls-Verwaltungsamt befand. Hier mußte man - gebührenpflichtig - Maße und Säcke für den Verkauf ausleihen.

2011 wurde die Köhlerei in das nationale Verzeichnis für das immaterielle Kulturerbe der Unesco aufgenommen. Die traditionelle Erzeugung von Holzkohle beherrschen in Österreich etwa 15 Personen.


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 461, 801
Leopold Schmidt: Volkskunde von Niederösterreich, Horn 1966. Bd. 1/S. 254 f.
Helga Maria Wolf: Die Märkte Alt-Wiens. Wien 2006. S. 108
UNESCO