Knien#

Knien

Das Zeichen der Erniedrigung durch Knien oder Fußfall ist ein weltlicher und religiöser Brauch. Dedition war der lateinische Begriff für einen öffentlichen Unterwerfungsakt im Mittelalter, bei dem sich der Besiegte barfuß und im Büßerkleid vor seinem Gegner niederwarf. Ein bekanntes historisches Beispiel ist der Gang nach Canossa Kaiser Heinrichs IV. zu Papst Gregor VII. anno 1077. Um einen Konflikt zu beenden, mussten Fußfall und Selbstbeschuldigung in einem streng geregelten Ritual der Gewährung von Gnade/Vergebung vorausgehen. 

Jesus betete kniend am Ölberg (Lk 22,41). Die Kniebeuge ist eine mildere Form des Sich-Niederwerfens im Altarraum (Prostratio) der katholischen Kirche, die bei besonderen Anlässen - wie Priester-, Bischofs- oder Diakonenweihe - durchgeführt wird. Am Beginn der Karfreitagsliturgie knien die Gläubigen, während sich die Geistlichen vor dem Altar niederwerfen. In der fünfzigtägigen Osterzeit (Pentecoste) war Knien beim Beten verboten, um den Gläubigen ihre Erlösung durch die Auferstehung bewusst zu machen. Vor der Einführung der Handkommunion kniete man auf der Kommunionbank. Die Bestimmung, dass alle, die während des Gottesdienstes am Tabernakel vorübergehen, eine Kniebeuge machen müssen, gilt nicht mehr. 

In der populären Religiosität galt Knien als besonderes Zeichen der Frömmigkeit. Bei manchen Wallfahrtskirchen war es Brauch, sie auf den Knien rutschend zu umrunden oder zu betreten. Die Heilige Stiege in Rom wurde von den Pilgern auf Knien erklommen. Ungewöhnliche Löcher in Felsen wurden als Kniespuren von Heiligen gedeutet. Legenden erzählen, dass Tiere vor der Hostie auf die Knie fielen.


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 456 f.
Rupert Berger: Kleines liturgisches Lexikon. Freiburg/Br. 1987. S. 83 f.
Wikipedia: Prostratio (Stand 1.8.2008)

Bild: Jesus betet kniend auf dem Ölberg. Kleines Andachtsbild 19. Jahrhundert Gemeinfrei