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Krämer#

Kraemer

Als Kram bezeichnete man im Mittelhochdeutschen ein ausgespanntes Tuch bzw. eine Zeltdecke, ebenso wie die dadurch geschützte Ware. Bis ins 19. Jahrhundert spielte sich ein großer Teil des Handels auf der Straße ab. Die Werkstätten der Handwerker hatten selten ein Verkaufslokal. In Ermangelung eines Schaufensters präsentierten sie ihre Erzeugnisse auf Tischen und Bänken vor dem Geschäft und reichten die Waren den Kunden durch die Tür oder das Fenster hinaus.

Fliegende Händler verkauften in Jahrmarktshütten und bei Ständen auf den Wochenmärkten Lebensmittel und Gegenstände des täglichen Bedarfs. Anfangs breiteten sie ihre Waren auf dem Boden auf. Später benutzten sie Holzböcke, über die sie Bretter legten, sodaß Verkaufstische entstanden. Ein Leinendach schützte vor Regen und Sonne. Später gab es Buden mit zwei Läden an der vorderen Holzwand, von denen einer aufgeklappt als Verkaufstisch, der andere als Überdachung diente. Manche Krämer ließen sich dann in den Städten nieder. Höker, Winkler bzw. "arme Krämer" wurden die ersten stationären Einzelhändler, die in Kleinstmengen verkauften.


Quellen: 
Ludwig Berekoven: Geschichte des deutschen Einzelhandels. Frankfurt 1986. S. 20
Hubert Kaut: Kaufrufe aus Wien. Wien 1970. S. 5
Helga Maria Wolf: Die Märkte Alt-Wiens. Wien 2006. S. 30 f.

Bild: Als "Kramerladen" bezeichnete man eine Handlung mit Waren aller Art, wie jene des Victor Hanke in Wien 9, Währinger Straße 24/Thurngasse 1. Foto: Josef Mutterer, um 1875