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Radio

2004 feierte der Hörfunk in Österreich zwei Jubiläen: 1904 baute Ing. Otto Nußbaumer (1876-1930) an der Grazer Technischen Hochschule die erste Radioanlage der Welt. 1924 gründete Oskar Czeija (1887-1958)in Wien die Radio-Verkehrs-AG (RAVAG). Am 1. Oktober begann der offizielle Sendedienst von Radio Wien. Auf Anhieb fanden sich 11.000 Interessenten für eine Empfangslizenz, wenige Monate später hatte sich ihre Zahl verzehnfacht. Zum Einfangen der "Ätherwellen" dienten einfache Detektoren, die man selbst basteln konnte. Mit dem Detektor-Radio begann das Zeitalter der Massenkommunikation. 

In den dreißiger Jahren kamen die ersten furnierten Radio-Möbel auf. Österreichische Firmen produzierten teure Geräte mit klingenden Namen wie Maestro, Gigant oder Bolero. Die NS-Zeit beendete Geräteluxus und Programmvielfalt. Kleinempfänger und Volksempfänger ließen nur noch Propaganda zu. Wer "Feindsender" hörte, setzte sein Leben aufs Spiel. Im Zweiten Weltkrieg verbreitete der Reichssender Wien Luftlagemeldungen mit dem gefürchteten Signal des "Kuckucksrufes". 

Mitte 1945 gab es in Österreich - der Zoneneinteilung entsprechend - vier Sendergruppen: "Radio Wien" in der russischen Zone (Wien, Niederösterreich, Burgenland), "Rot-Weiß-Rot" in der amerikanischen Zone (Salzburg, Oberösterreich), die "Sendergruppe Alpenland" in der britischen Zone (Kärnten, Steiermark) und die "Sendergruppe West" in der französischen Zone (Tirol, Vorarlberg). Später errichteten "Rot-Weiß-Rot" und die "Sendergruppe Alpenland" zusätzliche Sender in Wien. 

Übertragungen von den ersten Wiener Festwochen, vom feierlichen Einzug der Pummerin in den Stephansdom, der Staatsvertragsunterzeichnung und der Eröffnung von Staatsoper und Burgtheater läuteten 1955 eine friedliche Epoche ein. Der (seit 1953 so bezeichnete) Österreichische Rundfunk begleitete die Bevölkerung bei Wiederaufbau und Wirtschaftswunder. Im selben Jahr startete der UKW-Probebetrieb. 

Zu Beginn der sechziger Jahre - 1961 feierte man den zweimillionsten Hörfunkteilnehmer - kamen auf 100 Haushalte 87 Radios und 12 Fernsehgeräte, seit 1957 gab es regelmäßigen Fernsehbetrieb. Nach der Radioreform 1967 erhöhte sich nicht nur die Zahl der täglichen Sendestunden. Seit damals bestehen drei vollwertige Strukturprogramme: Das Kulturprogramm Ö1, das Länderprogramm ÖR (Regional) und Ö3, Europas erster Popsender. Ab Oktober 1977 wurden die Landesstudios mehr als sieben Stunden täglich auseinander geschaltet, ab 1981 produzierte jedes neun Stunden Hörfunkprogramm für den eigenen Sendebereich. 1990 brachte der "Radiofrühling" die Bezeichnung "Ö2", ein Jahr später wurde "das neue Radio Wien" zum Modell des Flächenradios mit genau definiertem Musikformat und "Programmuhren" - ein Probegalopp für die bevorstehende Privatisierung des Rundfunks. Die Jahrtausendwende brachte rund 50 Mitbewerber auf dem Radiomarkt.


Quelle: Auf Ätherwellen (Hg. Helga Maria Wolf). Wien 2004

Bild: Philips-Radio. Wien 1957. Foto: Alfred Wolf