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Wien 16 - Ottakring #

Alt-Ottakringer Pfarrkirche in der Ottakringer Straße in Wien. Wien XVI. Handkoloriertes Glasdiapositiv. Um 1905.
Alt-Ottakringer Pfarrkirche in der Ottakringer Straße in Wien. Wien XVI. Handkoloriertes Glasdiapositiv. Um 1905.
© IMAGNO Öst. Volkshochschularchiv

Der 16. grenzt an den 7., 8., 14., 15.und 17. Bezirk. 2015 hat Ottakring eine Fläche von 867,3 ha und 100.738 BewohnerInnen.

Ottakring und Neulerchenfeld wurden 1890/92 trotz heftiger Widerstände ihrer Gemeindevertreter zu einem Stadtbezirk zusammengeschlossen. Die historischen sozialen Unterschiede hätten kaum größer sein können: Ottakring wurde von selbstbewussten (Wein-) Bauern bewohnt. In Neulerchenfeld hingegen lebten neben selbstständigen Handwerkern auch Gesellen und Hilfsarbeiter aller Branchen. Um 1800 hatten von den 155 Häusern in Neulerchenfeld 83 die Schankgerechtigkeit, daher "kann man das Neulerchenfeld mit Recht das größte Wirtshaus des Heiligen römischen Reiches nennen, worin an einem einzigen schönen Sonntage bei 16.000 Menschen Erholung suchen" (Franz Gaheis). Dazwischen war Neuottakring als Fabriksviertel, mit der 1837 gegründeten Brauerei, entstanden. Die Brauerei ist untrennbar mit der Familie Kuffner verbunden. Der Bierbrauer und Mäzen Moriz Kuffner ließ 1884-1886 seine Sternwarte in der Johann Staud-Straße 10, bauen. Das international bekannte astronomisches Institut erhielt die besten Instrumente seiner Zeit. Sein Heliometer (1896) ist bis heute das weltweit größte. Eine Lebensader Ottakrings war der Bach, der an den Hängen des Gallitzinbergs entspringt und durch die Thaliastraße floss. Der 387 m hohe Berg erhielt seine Bezeichnung nach dem russischen Botschafter Demetrius Fürst Gallizin, der sich dort ein Sommerschloss erbauen ließ. Nach 1848 erfolgte der Bau von Zinshäusern, dadurch verfünffachte sich die Bewohnerzahl Ottakrings bis 1880. Der expandierende Industrierayon wies einen hohen Anteil an Substandardwohnungen, Untermietern und Zuwanderern auf. Der 16. Bezirk entwickelte sich zu einem Zentrum der Arbeiterbewegung.

Das 1924 erschienene Heimatbuch erzählt von einer Reihe alter Bräuche, nicht ohne zu Bedauern, dass diese im Großstadtbezirk nicht mehr existierten. In der Silvesternacht pflegten die Burschen das Neujahr-Einschießen mit Pistolen. Zu Neujahr gingen sie mit den bekannten Sprüchen heischen, ebenso am Dreikönigstag, an dem sie einen silbernen Stern an langer Stange trugen. Auf das Fest des hl. Sebastian (20. Jänner) legten die Ottakringer besonderen Wert. Es gab vormittags einen Gottesdienst und eine Prozession, bei der sie die geschmückte Statue des Pestpatrons mittrugen. Das Fest fand im Gasthaus seinen Abschluss. Am Aschermittwoch wurde der Fasching - in Form einer Bassgeige ohne Saiten - im Wirtshaus begraben. Der 9. April war der Käfer-Feiertag, die Wallfahrt nach Mariabrunn mit den Kirchenfahnen und einer reich bekränzten Christusstatue stand auf dem Programm. Am Georgitag (24. April) fanden die Grenzbegehung und die Kontrolle der Rauchfänge statt. Abends schnalzten die Burschen mit langen Peitschen. Zu Pfingsten zogen sie mit dem Pfingstkönig, einer Grünmaske, lautstark durch den Ort. Schon am Pfingstsamstag krachten die Böller, da Ottakring am Pfingstmontag sein Kirchweihfest beging. Am 25. Juli trafen sich die Männer zum Jakobitrunk, um Gemeindeangelegenheiten zu besprechen und Schulmeister, Wächter und Hirten zu wählen. Am Laurenziustag (5. September) gingen die Burschen mit der Hüterkrone um, während ihnen die Mädchen Blumensträuße schenkten. Das Ende der Lese bildete der Presserball mit Musik, Ständchen und allgemeinem Gasthausbesuch, wobei bis 1875 auch die Krone einzog.

Quellen:
Wien in Zahlen, 2015
Helga Maria Wolf: Sehnsucht nach dem Alten Wien. Wien 2014
Ottakring. Ein Heimatbuch des 16. Wiener Gemeindebezirkes. Wien 1924