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Wien 17 - Hernals #

Der Elterleinplatz in Hernals. Wien XVII. Handkoloriertes Glasdiapositiv. 1895.
Der Elterleinplatz in Hernals. Wien XVII. Handkoloriertes Glasdiapositiv. 1895.
© IMAGNO Öst. Volkshochschularchiv

1890/92 wurde Hernals mit Teilen der Gemeinden Dornbach und Neuwaldegg eingemeindet. Der 17. grenzt an den 8., 9., 14., 16. ,18.und 19. Bezirk und an Niederösterreich. 2015 hat Hernals eine Fläche von 1.139,1 ha und 55.628 BewohnerInnen.

Die im Alsbachtal gelegene Vorortgemeinde Hernals wurde namengebend für den 17. Wiener Gemeindebezirk. Die erste Urkunde datiert aus dem Jahr 1044. Die "Herren von der Als" waren Ministerialen der österreichischen Herzöge. Ihr mit Wassergraben und Ringmauer umgebener Hof stand im Bereich des St. Bartholomäus-Platzes. Unter den Freiherren von Jörger wurde er um 1600 ein Hauptsitz der Protestanten. In der Gegenreformation fiel der Besitz an das Domkapitel von St. Stephan. In diesem Zusammenhang entstand die Kalvarienbergkirche mit dem (1894 erneuerten) Kreuzweg, zu dem barocke Prozessionen führten. Zu den weltlichen Attraktionen zählte der Fastenmarkt. Als ältester Jahrmarkt Wiens hätte er 2014 sein 375-jähriges Bestehen gefeiert, wurde jedoch erstmals nicht mehr abgehalten. Die Ordnung des später als "Türkenritt" bekannten Umzugs war um 1770 in der Sakristei der Kalvarienbergkirche zu sehen. Die ursprünglich ernste, religiöse Prozession, die von Bruderschaften veranstaltet wurde, wandelte sich im Lauf der Jahre zu einem feucht-fröhlichen  Heischebrauch. Die Figuren veränderten ihre Bedeutung. Die heilige Maria der Flucht nach Ägypten war zur Prinzessin geworden, König Herodes zur Karikatur eines Sultans. Das Gefolge bestand nicht mehr aus biblischen Gestalten, sondern aus Janitscharen und christlichen Sklaven. 1783 fand der Brauch zum letzten Mal statt.

Der Vorort Hernals war im 19. Jh. für seine Vergnügungslokale bekannt, wie Grand Etablissement Gschwandner, Karl Klein (jetzt Metropol), Grand Etablissement Stahlehner… An Stelle der Stadtbahnstation Alser Straße befand sich Elterleins Casino. Der aus Bayern gebürtige Johann Georg Elterlein (1806-1882) erwarb sich als Bürgermeister des Vorortes große Verdienste um Hernals. Deshalb wurde der Elterleinplatz nach ihm benannt.Obwohl Hernals gegen Ende des 19. Jahrhunderts teilweise zum Industriegebiet wurde, blieb die Attraktivität seiner Vergnügungslokale und der Volkssänger erhalten. Die Brüder Johann und Josef Schrammel waren ausgebildete Musiker und Komponisten. Sie kreierten einen typischen Stil der Wiener Musik und traten mit ihrem Ensemble häufig in Hernals im Einkehrwirtshaus "Zur güldenen Waldschnepfe" in Dornbach auf. 1841 und 1842 stellten die Dornbacher einen Faschingszug zusammen, "der bis dahin in Wien noch nicht gesehen wurde." Mit dabei waren Herolde, "Waldleute", beritteneTrompter, ein Jagdwagen, ein "Dampfschiff", Musikanten, ein Pascha mit Harem, die "Altweibermühle" und eine "seltsame Menagerie".

Der Dornbacher Annenkirtag, feierte im Juli 2013 sein 300-Jahr-Jubiläum. Er erlebte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seine Blütezeit und begann am Vorabend mit dem Bürgerball in der "Waldschnepfe". 1980 griff der Hernalser Kulturkreis die unterbrochene Tradition auf, seit Anfang der 1990er Jahre findet der Kirtag bei der Pfarrkirche auf dem Rupertusplatz statt. Dabei werden die älteste und die jüngste anwesende Anna geehrt.

Quellen:
Wien in Zahlen, 2015
Helga Maria Wolf: Sehnsucht nach dem Alten Wien. Wien 2014
Dies. Verschwundene Bräuche. Wien 2015
Gustav Gugitz: Das Jahr und seine Feste. Wien 1949
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien