Tänze im Wiener Mittelalter#

Die erste Tanz-Musik-Darstellung findet sich bei den Neidhart-Fresken, den ältesten profanen Wandmalereien Wiens (um 1400, Wien 1, Tuchlauben 19) "Ein erhöht stehender Schalmeienspieler folgt einigen Paaren, die, einander an den Händen haltend, einen Rundtanz aufführen, wobei sie von einem Vortänzer mit Tanzstab angeführt werden." "Die festlichen Tänze in Wien theilen sich in jene, wo die Bürgersfrauen nach Hofe geladen wurden, und jene, welche die Bürgerschaft in Bürgerhäusern hohen Personen veranstaltete, " schrieb Johann Ev. Schlager nach ausgiebigem Quellenstudium 1839. Er fand Belege für sieben Hofbälle in Anwesenheit Kaiser Sigmunds und des Königs von Bosnien ab 1435 "so wie der berüchtigte Ball Matthias Corvins vom Jahre 1488, zu welchem Frauen auf seinen Befehl ohne Begleitung bei Hofe erscheinen mussten." Die Bürgerinnen wurden mit 20 Kutschen unter Fackelbeleuchtung an den Hof und wieder zurück gebracht, die Stadt Wien kam für die Erfrischungen auf. Aus den Kosten für die Tanzmusiker lässt sich auf die Verwendung von Lauten (zum Gesang), Bassgeigen, Posaunen, Flöten und Trompeten schließen. Abbildungen aus dem 15. Jahrhundert zeigen Reigen und Springtänze.


Quellen:
Katalog Neidhart-Fresken, Wien 1987. S. 28 f.
Johann Ev. Schlager: Wiener Skizzen aus dem Mittelalter. 3 Bde. Wien 1836-1846, 1839/22