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Trapp-Familie#

"The Sound of Music" (1965) mit Christopher Plummer und Julie Andrews gilt als einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten und prägt weltweit das Salzburg-Bild - mit Ausnahme von Deutschland und Österreich. "Sound of music" machte Salzburg zur meistbesuchten Film-Location der Welt. 70 % der Übersee-Touristen kommen wegen des Films in die Stadt (1,2 Millionen Nächtigungen im Jahr). Jährlich 300.000 Personen buchen das "Sound of Music Special". Außerdem löste der Streifen eine internationale Dirndl-Begeisterung aus, weil die weiblichen Chormitglieder (wirklich und im Film) Dirndl trugen. So erschienen etwa bei der Premiere in Indien alle Damen der österreichischen Botschaft im Dirndl. Noch ein halbes Jahrhundert danach bietet der Salzburger "Villa Trapp Shop" im Internet ein Babydirndl an. ("Es ist nie zu früh für Tradition und Style. Mit dem zünftigen Ausseer Dirndl Babykleid, mit Schürze, ist auch Ihre Kleine für`s erste Volksfest bestens gerüstet."). Die "Einkaufswelt mit dem Flair von Sound of Music" befindet sich im ehemaligen Salzburger Wohnsitz der Familie Trapp. Sie lebte 1923 bis 1938 in der 1863 errichteten Villa mit Garten. 1939 mietete, 1947 kaufte der Orden der Missionare vom kostbaren Blut das Haus. (Zwischenzeitlich wurde es vom NS-Regime beschlagnahmt und von Heinrich Himmler benützt.) Seit 2008 ist das renovierte Gebäude an eine private Firma verpachtet, die es als Hotel und Gedenkstätte der Öffentlichkeit zugänglich macht. Täglich finden zu Mittag Führungen statt. Außerdem kann man eine Sound of Music-Tour buchen. Ein vierstündiges Programm führt zu den Film-Schauplätzen. Vom Mirabell-Garten, wo das Lied "Do-Re-Mi" aufgenommen wurde, geht es zum Fotostopp beim Schloss Leopoldskron. Im Garten von Hellbrunn - Schauplatz der Kussszenen - hat man die Gartenlaube eigens für die Fans von Sound of Music umgebaut. Stift Nonnberg, wo Maria Trapp als Erzieherin arbeitete und ihre Hochzeit stattfand, kann nicht wirklich besichtigt werden. Dafür erhalten die Besucher Gelegenheit, nach einer Fahrt ins Salzammergut Ort und Stiftsirche Mondsee anzusehen, wo die Filmhochzeit gestellt wurde. Wer stilecht gekleidet chauffiert werden will, kann sogar ein Dirndl mieten. 50 Jahre nach dem Welterfolg feierte in Salzburg "Die Trapp Familie - Ein Leben für die Musik" Österreichpremiere.

Georg Ritter von Trapp (1880-1947) entstammte einer Südtiroler Grafenfamilie. Er wirkte, wie viele seiner Vorfahren, als k.u.k. Marineoffizier. Im Ersten Weltkrieg U-Boot-Kommandant, erhielt er militärische Auszeichnungen, wie den Maria-Theresien-Orden. 1911 heiratete er Agathe Whitehead (1891-1922), die Tochter des Torpedofabrikanten John Whitehead. Die junge Mutter von sieben Kindern starb an Scharlach, den sie sich bei deren Pflege zugezogen hatte. Die Familie lebte im Land Salzburg (Thumersbach am Zeller See) und Klosterneuburg (Niederösterreich). Mit Kriegsende hatte Trapp seinen Beruf und seinen Status als Adeliger verloren, als Witwer musste er auch für die Erziehung der zwei Söhne und fünf Töchter im Alter zwischen einem und elf Jahren sorgen. 1923 zog er mit ihnen in eine 22-Zimmer-Villa in Salzburg-Aigen, 1925 suchte er für seine herzkranke Tochter eine Privatlehrerin. Er fand sie in Gestalt von Maria Augusta Kutschera (1905 - 1987). Sie war in Wien als Waise aufgewachsen, hatte dort die Lehramtsausbildung absolviert und arbeitete als Erzieherin in der Schule der Benediktinerinnen am Salzburger Nonnberg. 1927 wurde sie Trapps zweite Frau, sie hatten drei Kinder.

1934/35 verlor die Familie durch den Konkurs einer Bank ihr Vermögen. In der Villa mussten Zimmer vermietet werden, unter anderem an den musikbegeisterten Priester Dr. Franz Wasner. Wegen der finanziellen Schwierigkeiten wurde das Singen, bisher ein Hobby der Familie, zur Einnahmequelle. Unter der Leitung von Franz Wasner gaben sie 1936 ihr erstes Konzert, in der Wiener Urania, internationale Tourneen folgten. Georg von Trapp erschien dies unstandesgemäß, er hoffte auf Einnahmen aus seinen Memoiren. Auch der Nationalsozialismus war mit seinen Lebensidealen nicht vereinbar, dehalb lehnte er eine Funktion in der deutschen Marine ab. 1938 ging die Familie auf eine Konzertreise nach Amerika, kehrte aber zurück. Erst ein Jahr später nutzte sie Gastspiele in Skandinavien als Möglichkeit zur Auswanderung. Zwischen 1940 und 1956 absolvierten die "Trapp Family Singers" 19 Tourneen mit 2000 Auftritten. Entgegen den Vorstellungen der Konzertagentur blieben sie ihrem Stil treu. Das Repertoire reichte von Palestrina und Orlando di Lasso über Mozart und Brahms bis zu österreichischen Volksliedern. 1941 ließ sich die Familie im US-Staat Vermont in ihrer "Family Lodge" nieder. Im Zweiten Weltkrieg unterstützte sie Österreich mit einer eigenen Hilfsorganisation. Der Familienvater konnte sich mit dem Künsterleben nie anfreunden. Er starb 1947. "Damit wäre für viele der Familienmitglieder … ein natürliches Ende des Familienchores erreicht gewesen. Doch die Baronin hielt eisern den Chorbetrieb aufrecht" (Elisabeth Monarth). Der Chor bestand bis 1956. Maria von Trapp hatte 1952 ihre Memoiren geschrieben, darauf basieren - publikumswirksam verändert - die späteren Medienprodukte.

Im Jahr der Auflösung des Chors kam der Film "Die Trapp-Familie", laut Wikipedia "einer der erfolgreichsten deutschen Heimatfilme der 1950er-Jahre, unter der Regie von Wolfgang Liebeneiner " in die Kinos, zwei Jahre später die Fortsetzung "Die Trapp-Familie in Amerika". 1959 wurde die Geschichte zum Musical "The Sound of Music" (von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein) und dieses unter dem Titel "Meine Lieder – meine Träume" 1965 unter der Regie von Robert Wise ebenfalls verfilmt. Bei der neuesten Produktion (2015) "Die Trapp Familie. Ein Leben für die Musik" zeichnete der Niederländer Ban Verbong für die Regie verantwortlich. Er habe die Figuren und deren Schicksale ernst genommen, betonte er, aber die Schwerpunkte anders gesetzt. Im Fokus steht nicht die Liebesgeschichte, sondern der Tochter-Stiefmutter-Konflikt und die Repressalien durch die Nationalsozialisten. Hauptdarsteller sind die deutsche Schauspielerin Yvonne Catterfeld, die Maria von Trapp verkörpert, die Britin Eliza Bennett - sie spielt Agathe, die älteste Tochter - und der Salzburger "Jedermann" Cornelius Obonya, der einen Nationalsozialisten namens Konrad darstellt. Der britische Schauspieler Matthew Macfadyen übernahm die Rolle des Georg von Trapp. "Ich habe mich gefragt, was es bedeutet, wenn eine Familie mit vielen Kindern plötzlich ihre Mutter verliert. Was bedeutet das für ein Kind? Dazu ein Mann, der eigentlich alles verliert, erst seinen Job, dann seine Frau und dann sein Vermögen. Nur eines verliert er nicht: seine Ehre," stellte Verbong gegenüber den "Salzburger Nachrichten" fest. Mit der "hochemotionalen Geschichte" wollte er "rühren und berühren".

Quellen:
Elisabeth Monarth: Mythos und Wirklichkeiten, in: Sound of Music zwischen Mythos und Marketing. Salzburg 2000. S. 67-90
Salzburger Nachrichten vom 5.11.2015
Film 2015 vom 12.11. 2015
Gexi Tostmann: Das Dirndl. Wien 1985
Tour
Villa

--> siehe auch AEIOU-Lexikon