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Wetterpflanzen#

Pflanzen verändern ihr Aussehen durch Feuchtigkeit, Wärme und Sonneneinstrahlung, manche wurden deshalb zu Wetterpropheten, außer der Wetterdistel Gerste, Hafer oder Ringelblume. Andere galten als "Zeigekräuter", wie Aaronstab, Königskerze, Seidelbast, wobei die Verteilung der Blüten eine Analogie zur Ernte darstellen sollte. Manche sollten Gewitter abwehren, wie Arnika, Brennnessel, Buche, Hasel, Hauswurz, Johanneskraut oder (geweihte) Palmkätzchen. Hingegen standen einige rot blühende Blumen im Ruf, Blitze anzuziehen und wurden daher nicht ins Haus gebracht, wie Ackerskabiose, Alpenrose, Karthäusernelke oder Mohn. 

Über gartenbauende Mönche fanden Wetterregeln Eingang in das populäre Denken. Sie sollen zu bestimmten Lostagen (Heiligenfeste und kirchliche Feiertage) Aufschluss über Witterung bzw. Ernte geben. Manche stammen wohl aus der Zeit vor dem Gregorianischen Kalender (1582), doch auch jüngere sind nicht zuverlässiger. Die "Bauernregeln" in freier oder gereimter Sprache handeln von Erscheinungen in der Tier- und Pflanzenwelt (z.B. "Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee"), dem Lauf von Sonne, Mond und Sternen und Witterungserscheinungen. Sie beziehen sich auf lange Zeiträume. 

Der Kirchenlehrer Albertus Magnus (1200-1280) war der erste, der Wetterregeln in lateinischer Sprache aufschrieb. 1505 erschien in Augsburg das meteorologische Volksbuch "Von warer erkanntnuss des wetters" von Leonhard Reynmann. Die vermutlich früheste gedruckte deutschsprachige Sammlung von Bauernregeln umfasst eigene Beobachtungen, Quellen aus der Antike (Ptolemäus, 100-175) und dem Mittelalter (13. Jahrhundert). Dieses Wetterbüchlein wurde übersetzt und in Bearbeitungen bis ins 19. Jahrhundert nachgedruckt. Ähnliche Inhalte finden sich in Bauernpraktiken, dem Hundertjährigen Kalender des Abtes Mauritius Knauer (1613-1664, Kalender gedruckt nach 1700) und dem Steirischen Mandlkalender (seit 1708).


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S.964 f.
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1941/1987. Bd. 9/Sp. 512 f.
Wikipedia: Bauernregeln (Stand 12.4.2011)
Wetterregeln