Zehent#

Zeh(e)nt, decimatio oder decima war eine 10-prozentige Abgabe, die der Kirche jährlich für ein landwirtschaftlich genutztes Grundstück geleistet werden musste. Zugrunde liegt ihm wohl das Gelübde Jakobs, "wenn ich wohlbehalten heimkehre in das Haus meines Vaters und der Herr sich mir als Gott erweist … von allem, was du mir schenkst, will ich dir den zehnten Teil geben." (Gen 28, 20-22) Die mit dem Ausbau der Pfarrorganisation um die erste Jahrtausendwende eingeführte Abgabe diente kirchlichen und karitativen Zwecken. Im ausgehenden Mittelalter wurde die Zweckbestimmung entfremdet und der Zehent zu einer Rente, die man verkaufen, verpfänden, verleihen und vererben konnte. Nach den Produkten unterschied man den Zehent "zu Feld" und "zu Dorf" (Vieh). Im Wiener Bereich spielten Getreide- und Weinzehent eine Rolle. Mit der Aufhebung der Grundherrschaften (1848) endete der Zehent.


Quelle: Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd. 5 / S. 691