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Hausner, Rudolf#

* 4. 12 1914, Wien

† 25. 2. 1995, Mödling


Maler und Graphiker


Hausner, Rudolf
Rudolf Hausner

Rudolf Hausner wurde am 4. Dezember 1914 in Wien geboren.

Bereits als Kind kam er mit der Malerei in Berührung, denn sein Vater, ein kaufmännischer Angestellter, war Sonntagsmaler, d.h. er malte nach Vorbildern, die er verblüffend zu imitieren verstand.

Ab 1923 besuchte er ein Gymnasium in Wien. Bereits am fünften Tag in der Schule "zerstörte" er die Justus-von-Liebig-Büste im Foyer und wurde dafür streng bestraft. Nach 2 Jahren wechselte er die Schule und maturierte 1931 mit Auszeichnung.

Danach nahm er sein Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Carl Fahringer und Karl Sterrer auf (1931 bis 1936).

1936 malte er in seinem ersten eigenen Atelier in Wien-Erdberg Bilder in impressionistischer und expressionistischer Tradition der französischen Malerei des späten 19. Jahrhunderts (van Gogh, Cézanne). Beispiele für diese erste Phase sind die Bilder "Gassteg", "Rögergassse im Winter" oder "Donaukanal". Im "Selbstporträt mit Hut" tauchte das erste Mal der Prototyp des Adam auf.

Rudolf Hausner war aber auch begeisterter Jazz-Musiker und so reiste er als Pianist des Pinguin-Jazz-Quartetts nach England, Frankreich, Italien, der Schweiz, Griechenland, Türkei, Ägypten und Skandinavien.

In der Erdberg-Phase (1936-1939) beschäftigt sich Hausner mit sozialen Fragen und der Lektüre von Werken von Dostojewski, Zolá, Henri Barbusse.

1937 wurde Rudolf Hausner zum österreichischen Bundesheer eingezogen.
In "Zwei Gassenbuben" erschien zum ersten Mal der Prototyp des später sogenannten Narrenhuts.
1938 wurden seine Arbeiten von der Reichskulturkammer mit einem Ausstellungsverbot belegt, 1941 wurde Rudolf Hausner in die Deutsche Wehrmacht eingezogen. Während dieser Zeit (1942) kam es in einem Blockhaus in der russischen Tatra zu ersten Erfahrungen mit der "Projektion" des Unbewussten.
1943 wurde Hausner als kriegsuntauglich von der Truppe entlassen und als technischer Zeichner in die Rüstungsindustrie abkommandiert. In den letzten Kriegstagen von 1945 wurde er zur Fliegerabwehr eingezogen.

Nach Kriegsende nahm er die Arbeit in seinem zerstörten Atelier in Wien wieder auf und versuchte einen stilistischen Neubeginn. Die durch den "Tatra-Blick" veränderte Wahrnehmung fand Anwendung bei der Umarbeitung und Umdeutung von bisher gemalten Bildern wie "Stilleben" u.a.

Er schloss Freundschaften mit dem Kritiker Johann Muschik, dem Komponisten Josef Matthias Hauer und dem Psychologen Walter Tomann und begann sich mit der Psychoanalyse auseinanderzusetzen. Er beschäftigte sich auch mit den bis zu dieser Zeit verbotenen oder verpönten Schriften und Publikationen der modernen Kunst - besonders der Surrealisten. 1945 wurde er auch Assistent für Malerei an der Wiener Akademie der Bildenden Künste.

1946 gründete er gemeinsam mit Edgar Jené, Ernst Fuchs, Wolfgang Hutter und Fritz Janschka eine surrealistische Gruppe im österreichischen Art-Club, dem sich später Anton Lehmden und Arik Brauer anschließen. Es folgte die erste Ausstellung im Foyer des Wiener Konzerthauses, wo auf Grund von Besucherprotesten das Bild "Aporisches Ballett" dreimal vorübergehend entfernt werden musste.

Die Arche des Odysse
Rudolf Hausner, Die Arche des Odysseus. Gemälde, 1948-1956 © Historisches Museum der Stadt Wien für AEIOU
1956 beendete Hausner nach sechsjähriger Arbeitszeit sein Bild "Arche des Odysseus". In dieser Phase (1948- 1956) wurden die Prototypen von "Adam", "Narrenhut" und auch von "Anima" erprobt und variiert.

In diesen 1950er Jahren hatte er immer wieder wirtschaftliche Schwierigkeiten, denn sein erstes Bild konnte er erst 1960 verkaufen.

Nach einer Ausstellung bei den Pariser Surrealisten bei Carpentier kam es zu einem Konflikt mit der surrealistischen Orthodoxie – sein Versuch, die gleichzeitige Existenz bewusster und und bewusster Prozesse gleichwertig darzustellen, wurde als Häresie verurteilt.

So kam es 1959 zur Gründung der Wiener Schule des Phantastischen Realismus; anstelle der Einordnung zum Surrealismus setzte sich der von Johann Muschik propagierte Begriff "Phantastischer Realismus" durch.

Diese Stilrichtung erlangte parallel zu anderen Entwicklungen und Ausdrucksweisen der spezifisch österreichischen Nachkriegskunst besonders in der Zeitspanne zwischen 1955 und 1970 größere Bedeutung.
Es war keine Gruppierung, die eine gemeinsame Programmatik anstrebte, trotz der stark individuell ausgeprägten Charaktere, Arbeitsweisen und Themen waren aber stilbildende Gemeinsamkeiten vorhanden. Maltechnisch zeigten die meisten Werke eine bis zum Äußersten getriebene Perfektion.
Hausner erzielte die besondere Leuchtkraft und "Tiefe" in seinen Bildern durch eine altmeisterliche Lasurtechnik: Der endgültige Farbeindruck ergab sich erst durch das Zusammenwirken mehrerer übereinandergelegter, transparenter Farbschichten; daraus entstand eine absolut glatte Bildoberfläche mit illusionierender Tiefenwirkung.

Ebenfalls im Jahr 1959 stellte Rudolf Hausner erstmals in einer großen Gruppenausstellung im Oberen Belvedere in Wien aus und nahm auch an der Documenta II in Kassel teil.
Es folgten zahlreiche internationale Ausstellungen, Vorträge, die Berufung als Gastdozent und Professor an die Hochschule für Bildende Künste in Hamburg und schließlich als Ordinarius an die Akademie der Bildenden Künste in Wien (1968).

Moderne Kunst (Hausner, R.)
Moderne Kunst - Rudolf Hausner
© Österr. Post
In den 1970er Jahren entstand mit "Aufruf zur Verteidigung der persönlichen Freiheit" Hausners erstes politisches Bild. Dieses Bild wurde – nachdem es jahrelang im Wiener"Museum Moderner Kunst gehangen hatte – 1993 als Leihgabe der Republik Österreich im Foyer der Westfälischen Universität in Münster aufgehängt. Andere Bilder aus dieser politischen Phase sind "Adam, warum zitterst Du??", mehrere "Laokoon"-Bilder und "Erschrockener Europäer".

1976 erschien eine Sonderbriefmarke Rudolf Hausner im Rahmen der Sonderbriefmarkenserie Moderne Kunst. 1974 entstand das Adam-Buch, es wurden (im Auftrag des ORF) Adam-Filme und ein Film über die Wiener Schule des Phantastischen Realismus gedreht, es erschienen mehrere Monographien.

10 Jahre Wiener Büro der Vereinten Nationen © Österr. Post
10 Jahre Wiener Büro der Vereinten Nationen © Österr. Post

Die Zeit der 1980er Jahre war Hausners "Leonardo-Phase": nach einem Aufenthalt in Mailand begann er seine Arbeit am "Leonardo"-Zyklus.

1989 gestaltete er auch eine Sonderbriefmarke für die österreichische Post ("10 Jahre Wiener Büro der Vereinten Nationen").

In den 1990er Jahren gab es zahlreiche Einzelausstellungen im In- und Ausland, sogar eine Ausstellungstournee durch Japan.

Ehrengrab Zentralfriedhof, © Walter Pachl 2013
Ehrengrab Zentralfriedhof
© Walter Pachl 2013


Rudolf Hausner war vier Mal verheiratet und hat drei Töchter.


Am 25. Februar 1995 verstarb Rudolf Hausner in Mödling.

Ehrungen, Auszeichnungen (Auswahl)#

  • Österreichischer Staatspreis für Malerei 1970

Werke (Auswahl)#

  • Porträt einer alten Frau, 1935
  • Selbstporträt mit blauem Hut, 1936
  • Zwei Gassenbuben, 1937
  • Gassteg, 1938
  • Der Donaukanal, 1936
  • Unter blauem Himmerl, 1946
  • Aporisches Ballett, 1946
  • Anima, 1946
  • Forum der einwärtsgewendeten Optik, 1948
  • Die Arche des Odysseus, 1948-56
  • "Adam"-Bilder, ab 1956
  • Adam, warum zitterst du?, 1964
  • Aufruf zur Verteidigung der persönlichen Freiheit, 1971
  • Erschrockener Europäer, 1980
  • "Leonardo"-Zyklus, ab 1979
  • Erinnerung, 1987
  • Bunter Narrenhut, 1987
  • Meine Mutter, 1989
  • Annes Paravent, 1990
  • Adams Kinderbildnis, 1990
  • Labyrinth, 1991Vor dem Fenster nach innen, 1992
  • Vor dem großen Tor 1992
  • Vater und Sohn, 1993
  • Adam in Damengesellschaft, 1994
  • Adam Bigamist, 1994

Literatur#

  • W. Schmied, R. Hausner, 1970
  • H. T. Flemming, R. Hausner, 1976
  • H. Holländer, R. Hausner, 1985
  • R. Hausner, Werkverzeichnis, 2 Bände, 1975/94
  • W. Schurian, Adam: Eine Entwicklung, in: W. Schurian, (Hg.) „Kunstpsychologie heute“, 1993
  • R. Kassal-Mikula (Redaktion), Adam und Anima, Ausstellungskatalog, Historisches Museum der Stadt Wien, 1994
  • W. Schurian, Rudolf Hausner, 1982-1994, Werkmonographie 2, 1994

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl