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Kubin, Alfred #

* 10. 4. 1877, Leitmeritz (Litomerice Litomerice , Tschechische Republik)

+ 20. 8. 1959, Zwickledt Zwickledt , Wernstein am Inn, Oberösterreich


Grafiker, Schriftsteller, Buchillustrator


Kubin, Alfred
Alfred Kubin in seinem Arbeitszimmer
© ORF-Archiv

Der Graphiker und Maler Alfred Kubin wurde am 10. April 1877, als Sohn des k.u.k. Landvermessers Friedrich Franz Kubin und einer Pianistin in Leitmeritz in Böhmen geboren.

Drei Jahre später übersiedelte die Familie nach Salzburg, später nach Zell am See, wo Kubin seine weitere Kindheit und frühe Jugend verbrachte.
Nach dem frühen Tod der Mutter schickte ihn der Vater nach Salzburg ins Gymnasium, das er vorzeitig verließ, um eine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Salzburg zu beginnen, die er aber ebenfalls abbrach. Anschließend begann Kubin im Alter von fünfzehn Jahren bei einem Onkel in Klagenfurt eine Lehre als Photograph und beschloss 1897 in die Armee einzutreten. Diese Militärausbildung endete mit einem Nervenzusammenbruch und anschließendem Aufenthalt in einer Heilanstalt.

Im Frühjahr 1898 ging Kubin nach München, um an Privatschulen und an der Kunstakademie Graphik und Malerei zu studieren.
Hier kam es 1899 zur entscheidenden Begegnung mit Max Klingers Radierzyklus "Paraphrase über den Fund eines Handschuhs", der zur Findung einer eigenen Ausdruckswelt seines alptraumhaft-phantastischen (Früh-)werks führte.


In den Jahren bis 1900 bis 1904 entstanden in einem wahren Schaffensrausch tausende Blätter in einer speziellen Technik der Federzeichnung. Die hier gezeigten Visionen sexueller Angst-und Zwangsvorstellungen, von Folter, Qual, Übermacht und Ausgeliefertsein wirkten wie Einblicke in die geheimen Triebe und Ängste der modernen Seele, die Sigmund Freud zur gleichen Zeit in seiner “Traumdeutung” entdeckte. Sie erregten bei Kubins Zeitgenossen Aufsehen und Empörung und machten ihn besonders in Münchner Künstlerkreisen rasch zu einer bekannten Figur.

Wassergeist (Kubin, A.)
Alfred Kubin, Wassergeist
Feder-Tuschzeichnung, aquarelliert, um 1905 © privat für AEIOU


1904 lernte Alfred Kubin Hedwig Gründler kennen und heiratete sie kurz darauf. Sie stellte auch das Geld für den Erwerb des sogenannte "Schlössls" in Zwickledt bei Wernstein am Inn zur Verfügung, in dem sie sich niederließen.
Es kam zum allmählichen 'Versiegen' der peinigenden Visionen seines Frühwerks. Dieses Ausbleiben seiner bisherigen bildnerischen Antriebe und deren formale Ausdrucksmittel stürzte Kubin in eine tiefe Schaffenskrise.

'Der Narr' (Kubin, A.)
"Der Narr", Federzeichnung

Nach verschiedenen Auslandsreisen schrieb er 1908 in einem neuerlichen Schaffensrausch innerhalb von acht Wochen seinen berühmt gewordenen Roman "Die andere Seite", in weiteren vier Wochen versah er ihn mit Illustrationen. In diesen Illustrationen ist der fließende, schwarz-weiße Tuschefeder-Zeichenstil ausgebildet, der für Kubins gesamtes "Spätwerk" bis zum Ende seines Lebens charakteristisch blieb.
Ab 1910 befasste sich Kubin verstärkt mit der Illustration von Büchern der phantastischen Weltliteratur (Werke von Edgar A. Poe, Fjodor Dostojewsky, E.T.A. Hoffmann, August Strindberg, Jean Paul, Voltaire, Honoré de Balzac, Hugo v. Hofmannsthal, Gerhard Hauptmann, Annette v. Droste-Hülshoff, Franz Werfel, Gustav Meyrink, Paul Scheerbart und das Buch Daniel aus dem Alten Testament). Als Fundgrube für die Illustrationen dienten die Skizzen von Eindrücken auf Reisen, bei Spaziergängen oder in Museen.
1911 erschien Kubins zweite wichtige Mappe, die sogenannte "Sansara"-Mappe mit Reproduktionen von 40 Originalzeichnungen der letzten Jahre. Als Textbeilage zur Mappe erschien eine erste umfangreiche Selbstbiographie des nun 33-jährigen Kubin, die er über die Jahrzehnte immer wieder fortsetzte.
1912 trat Kubin aus der 'Neuen Künstlervereinigung München' aus und der neugegründeten Gruppe des “Blauen Reiters” bei, 1914 erschien im Verlag des Berliner Galeristen I.B. Neumann sein erstes lithographisches Mappenwerk "Die sieben Todsünden".
Auf den Ausbruch des Ersten Weltkrieges reagierte er mit einer Lähmung seines Schaffens, was schlussendlich auch zu der von Kubin so genannten “buddhistischen Krise” führt, die zu einem neuen Wendepunkt in seinem Leben wird. Mit Hilfe von verstärkter philosophischer Beschäftigung gelingt es Kubin zunehmend, zur Ruhe zu kommen.
Sonderbriefmarke
100. Geburtstag A. Kubins

1930 wurde Kubin zum Ordentlichen Mitglied der Preußischen Akademie der Künste in Berlin gewählt. In Österreich erfuhr er bis 1938 - dem Jahr des "Anschlusses" - erstmals besondere Ehrungen. Er wurde zum Professor ehrenhalber ernannt und zahlreiche Galerien und Museen veranstalteten Ausstellungen zu seinem 60. Geburtstag.
Kubin wurde 1951 mit dem Großen Österreichischen Staatspreis und 1957 mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet.
Im Jahre 1959 verstarb Kubin im Alter von zweiundachtzig Jahren in Zwickledt.


Alfred Kubin hatte seinen Nachlass zu gleichen Teilen dem Oberösterreichischen Landesmuseum in Linz und der Graphischen Sammlung Albertina in Wien vermacht, Wohnhaus und Bibliothek in Zwickledt gingen ebenfalls an das Land Oberösterreich über und wurden 1962 in die "Kubin-Gedenkstätte Zwickledt" umgewandelt, die seit 1992 vom Oberösterreichischen Landesmuseum betreut wird.


Beim Kulturpreis des Landes Oberösterreich wird auch ein Alfred-Kubin-Preis verliehen.
Auch zwei österreichische Sonderpostmarken – anlässlich seines 100. und seines 125. Geburtstags sind erschienen.


Sonderbriefmarke
125. Geburtstag A. Kubins

Werke (Auswahl)#

  • Der Guckkasten, 1925
  • Vom Schreibtisch eines Zeichners, 1939
  • Abenteuer einer Zeichenfeder, 1941
  • Nüchterne Balladen, 1949
  • Abendrot, 1950
  • Phantasien im Böhmerwald, 1951
  • Dämonen und Nachtgesichte, 1959 (Autobiographie)

Literatur#

  • A. Marks, Der Illustrator A. Kubin, Gesamtkatalog seiner Illustrationen und buchkünstlerischen Arbeiten, 1978
  • G. von Zon, Word and Picture, 1991
  • Oberösterreichische Landesgalerie (Hg.), A. Kubin 1877-1959, 1995 (mit Werkverzeichnis)
  • P. Assmann und A. Hoberg, A. Kubin, Kunstbeziehungen, 1995
  • A. Hoberg und I. Engelmann, A. Kubin - Das lithographische Werk, 1999
  • Neue Deutsche Biographie

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl