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Weiß, Franz#

* 18. 1. 1921, Södingberg

† 4. 6. 2014, Stallhofen


Bildhauer, akad. Maler und Grafiker

Franz Weiß
Franz Weiß
Foto: © Berta Prassl, Graz

Franz Weiß wurde am 18. Jänner 1921 als Sohn des Tischlers Vinzenz Weiß und seiner Ehefrau Anna in Södingberg geboren. 1924 übersiedelte die Familie in das vom Vater erbaute Holzhaus nach Hochtregist (heute Bärnbach), das für Franz Weiß zur lebenslangen Heimat wurde.

Von 1927 bis 1935 besuchte Franz Weiß die Volksschule in Tregist, danach arbeitete er als Hüterbub und Milchträger. Schon in dieser Zeit entstanden erste Lehmfiguren und mit dem Taschenmesser geschnitzte Holzfiguren.

Auf Anraten der Künstler Toni Hafner und Friedrich Aduatz, denen der Vater die kleinen Figuren zeigte, sollte Franz unbedingt eine künstlerische Ausbildung erhalten – so besuchte er von 1938 bis 1940 die Kunstgewerbeschule in Graz und war hier Schüler von Werner Seidl und Wilhelm Gösser in der Abteilung für Bildhauerei. Von 1940 bis 1945 leistete Franz Weiß seinen Kriegsdienst bei den Gebirgsjägern.

Im Herbst 1945 konnte er sein Studium an der Kunstgewerbeschule in Graz wieder aufnehmen und war von 1946 bis 1948 Schüler von Prof. Rudolf Szyskowitz in der Meisterklasse für Malerei. Von 1948 bis 1951 studierte Franz Weiß in Wien an der Akademie der bildenden Künste bei Prof. Albert Paris Gütersloh und Herbert Boeckl. (Zu dieser Zeit befand sich damals eine starke steirische Künstlergruppe in Wien; auf diese Zeit ging auch seine Bekanntschaft mit Friedensreich Hundertwasser und Ernst Fuchs zurück.)

Nach seiner Rückkehr in die Steiermark begann Franz Weiß als freischaffender Künstler zu arbeiten. 1960 ging er abermals nach Wien und führte an der Akademie bei Prof. Albert Paris Gütersloh und Herbert Boeckl sein Studium fort, das er 1962 mit dem Diplom eines "Akademischen Malers" abschloss. Danach kehrte er endgültig wieder in die Steiermark, in sein Heimathaus, zurück, wo er bis ins hohe Alter unermüdlich künstlerisch tätig war.

Franz Weiß war nicht nur Bildhauer, Maler und Grafiker - er beschäftigte sich auch mit der Technik des Holzschnittes, mit Emailarbeiten, Hinterglasmalerei, Glasmalerei und Farbglasfenstern, mit Mosaikkunst und Kupfertreibarbeiten. In zahlreichen Kursen sorgte er für die Wiederverbreitung der traditionellen Hinterglasmalerei; von 1975 bis 2000 war er Gastreferent für Hinterglasmalerei und Holzschnitt an der Katholischen Akademie Augsburg und von 1977 bis 2007 Gastreferent für Hinterglasmalerei an der Cusanus-Akademie in Brixen.

Franz Weiß entwickelte aus dem österreichischen Spätexpressionismus seine eigene Stilsprache in Form eines Reduktionsrealismus. Sein Werk umfasst rund 500 Hinterglasbilder, 400 Holzschnitte sowie ca. 500 Objekte für den öffentlichen Raum. Diese Werke mit vorwiegend sakralen Inhalten finden sich in 246 Orten in Österreich und im Ausland.

Das Leitmotiv seines vielfältigen Schaffens (Kirchen- und Kapellenausstattungen, Kleindenkmäler, historische Zyklen in den verschiedensten Techniken, Aquarell- und Hinterglasmalereien, Holzschnitte, Buchillustrationen und Bucheinbände) war die Behandlung theologischer Themen. Unzählige Bildstöcke, Marterl, Kapellen und Kirchen, die Franz Weiß künstlerisch gestaltete, erinnern an den fröhlichen "Herrn Professor" - eindrucksvolles Beispiel ist die Tregister Dorfkapelle, die als Gesamtkunstwerk wohl sein "Opus magnum" schlechthin ist.

Verleihung des Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst
Verleihung des Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst
© HOPI-MEDIA Wien / Zur Verfügung gestellt vom "Verein Freunde Franz Weiß"

Prof. Franz Weiß wurde durch viele Auszeichnungen auch öffentlich gewürdigt; neben verschiedenen Ehrungen hatte der Besuch des Kölner Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner im Tregisttal eine besondere Bedeutung für ihn.

2004 Gründung des gemeinnützigen Vereines „Freunde Franz Weiß im Imma Waid-Haus", Mariazell.

Anläßlich seines 85. Geburtstags wurde eine große Ausstellung in der Stadtgemeinde Voitsberg gezeigt, 2009 wurde das "Prof. Franz Weiß-Museum" in der ehemaligen Volksschule Tregist eröffnet.

2010 übersiedelte der betagte Künstler in die Seniorenresidenz Stallhofen, wo er am 4. Juni 2014 verstarb.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Päpstlicher Silvester-Ritter-Orden, 1968
  • Verleihung des Berufstitels "Professor", 1979
  • Ehrenring des Landes Steiermark, 1996
  • Ehrenring der Stadt Bärnbach, 2001
  • Ehrenring in Gold der Pfarre Voitsberg, 2001
  • Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, 2005
  • Großes Goldenes Ehrenzeichen mit dem Stern des Landes Steiermark, 2010

Werke (Auswahl) #

Kirchen- und Kapellenausstattungen, Kleindenkmäler, historische Zyklen in den verschiedensten Techniken, Aquarell- und Hinterglasmalereien, Holzschnitte, Buchillustrationen und Bucheinbände

  • ca. 500 Hinterglasbilder
  • ca. 400 Holzschnitte
  • ca. 500 Objekte für den öffentlichen Raum

Weiterführendes#

Alle folgenden angeführten Bücher sind im Austria-Forum als vollständige Web-Books kostenlos anzusehen.

Literatur#

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl