unbekannter Gast
Geben Sie diesem Artikel Ihre Stimme:
5

Vom Ziegelteich zum mondänen Ausflugsziel#

Vor 150 Jahren wurde ein Ziegelteich zum beliebtesten Ausflugsziel der Grazer Gesellschaft – der Hilmteich.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Hilmteich um 1857
Der idyllisch vor Graz gelegene Ziegelteichsamt Ziegelstadel mit Blick auf den Schöckl um 1857 – kurz vor dem Umbau
© LANDESARCHIV

Zwischen Äckern und Wiesen erstreckte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Ober- Geydorf neben der Ziegelstadelwiese ein idyllischer Teich. Gleich daneben, wo sich heute das Straßenbahnwartehäuschen befindet, war ein zweiter, kleinerer Teich, der nun verschüttet ist, berichtet Robert Baravalle in den Blättern für Heimatkunde Nr. 13 von 1935. Zugänglich war die ganze sumpfige Gegend nur auf zwei schmalen Fußsteigen.

Auf der Hülm#

Die Gegend um Kroisbach und Heinrichstraße wurde damals „Auf der Hilm“ oder „Auf der Hülben (Hülm)“ genannt. Der Name kommt vom Althochdeutschen huliwa, mittelhochdeutsch hülwe oder hülbe, was soviel wie Sumpf, Pfütze bedeutet. Die Bezeichnung Ziegelstadelwiese wiederum deutet auf die Herkunft des Hilmteichs hin: Er ist eindeutig ein Ziegelteich. Wahrscheinlich war zur Zeit der großen Grazer Befestigungsbauten um 1570 hier bei der lehmigen Beschaffenheit des Bodens ein Ziegelschlag eröffnet worden, der später wegen eines Wassereinbruchs wieder aufgelassen wurde, schildert Baravalle.

Hilmteich um 1913
Der Hilmteich um 1913 mit Hilmteichschlösslund Mariatrosterbahn
© KK

In den 1840er-Jahren bestand am Hilmerteich, wie er jetzt hieß, bereits eine kleine Gastwirtschaft. Der ganz große Aufschwung begann nach 1841, als der Breunerteich, der einst zwischen Zinzendorfgasse und Elisabethstraße in der Brandhofgasse gelegen war, zugeschüttet wurde, da der Besitzer genau dort die Elisabethstraße sowie einige Nebengassen errichten ließ. Jetzt waren die Grazer ihres Schlittschuhlaufvergnügens beraubt – und entdeckten in ihrer Not den Hilmerteich.

Immer zahlreicher wurde der Besuch dieses neuen Vergnügungsortes, Boote wurden angeschafft, zu einer großzügigeren Ausgestaltung fehlte aber dem Grundbesitzer Franz Heibel (auch Heipel) das Geld. Also verkaufte er das ganze Areal an die Hilmerteich Aktiengesellschaft.

Hilmteich und Hilmteichschlössl
Und so sieht das Areal heute aus: Blick auf das frisch restaurierte Hilmteichschlössl
Aus: Wikicommons

Nun ging es Schlag auf Schlag, neue Wege wurden angelegt, der Teich um ein gutes Drittel vergrößert und im Frühjahr 1858 vollendet. Ein elegant ausgestattetes Restaurant, das „Hilmteichschlössl“ wurde am Seeufer erbaut. Am 3. März 1859 erfolgte das Ansuchen um die Bewilligung, einen Eiskeller und darüber einen Biersalon (Schweizerhaus) zu bauen. Am 20. August 1859 schließlich wurde die endgültige Benützungsbewilligung erteilt, 1868 dann das Gebiet von der Stadtgemeinde Graz gekauft. Die Begeisterung der Grazer war ungeheuer. Militärkapellen unterhielten das Publikum mit Platzkonzerten, im Sommer konnte man Boote zum Rudern mieten, im Winter konnte man Eislaufen. An Sonn- und Feiertagen strömten Tausende Besucher zum Hilmteich. Da sich im Winter oft mehr als 500 Personen gleichzeitig auf dem Eis befanden, mussten sogar Richtlinien zur Benützung ausgegeben werden: Das Laufen von mehr als vier Personen in „Colonne“ sowie das Fangspiel wurden aus Sicherheitsgründen streng verboten.

So war um 1890 der Hilmteich vom Ausflugsort einfacher Leute zum Treffpunkt der mondänen Grazer Gesellschaft geworden.



zur Übersicht
© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele