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Holzbasilika in Graz (Essay)#

Ein exemplarisches Baudenkmal#


Text und Bilder von

Hasso Hohmann

Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von

ISG Magazin Heft 3 / 2004 (Internationales Städteforum Graz)


Holzbasilika in Graz
Blick in die Dachkonstruktion der Halle vor der Verschließung durch eine abgehängte Decke. Das Bild zeigt einen Teil eines der äußeren riesigen Dach-Binder vor einer der Giebelwände und die quer dazu verlaufenden Fachwerkträger zur Unterstützung der zwischen den Bindern gespannten Dachflächen.
© Bildarchiv des Bundesdenkmalamtes Nr. 124437

Im Süden des Grazer Messegeländes an der Fröhlichgasse steht die Halle 11. Ihre Aussenfassaden werden von grossflächigen Wellblechtafeln bestimmt - auch im Innern gibt es nichts, das einen Erhalt einer eigentlich uninteressanten, ja hässlichen Halle rechtfertigen würde. Es ist aber die Konstruktion hinter diesen Verschalungen, die den unsichtbaren Wert und die Qualität der Halle ausmacht. Hinter all den Abdeckungen verbirgt sich eine einzigartige Holzkonstruktion aus den Jahren 1939/40, für die es wohl in ganz Europa kein Beispiel in dieser Dimension gibt. Wie durch ein Wunder hat die Holzhalle auch die Zerstörungen während des 2.Weltkrieges unbeschadet überstanden.

Halle 11 ist 122 m lang und 80 m breit. Ihr Konzept entspricht einer dreischiffigen Basilika mit einem stützenfreien Mittelschiff von etwa 40 m Breite und zwei Seitenschiffen von je etwa 20 m Breite. Die Konstruktion der Halle ist ganz in Zimmermannsart in Holz ausgeführt. Es handelt sich um eine fast vollständig aus Kanthölzern zusammengesetzte Rahmenfachwerkkonstruktion.


Asketische Beschränkung

Der besondere Reiz des Tragwerks liegt in der fast asketischen Beschränkung der konstruktiven Mittel auf nur sehr wenige Holzquerschnitte und in der rein funktionellen Verwendung dieser Bauelemente ohne jede Art von Manierismen. Bei dieser Holzhalle korrespondieren Form, Funktion und Konstruktion, dieses wichtige architektonische Beziehungsdreieck, exemplarisch. Bei der Funktion standen sicher auch sehr stark geforderte niedrige Baukosten im Vordergrund.

Detail des Wissenschaftsmuseums in Valencia
Detail des spektakulären neuen Wissenschaftsmuseums in Valencia, das nach den Plänen des Stararchitekten Santiago Calatrava 2002 fertiggestellt wurde.
© Archiprestig

Das Bauwerk war als multifunktionale Halle geplant und wurde anfangs als „Volkskundgebungshalle" genutzt, später kam sie für Versammlungen, Ausstellungen, Grosskonzerte, Filmvorführungen und Sportveranstaltungen zum Einsatz. Erst seit 1948 wird das Bauwerk als Messehalle verwendet. Aus Brandschutzgründen wurde sie dann in den 60er Jahren desvergangenen Jahrhunderts auch innen verschalt und damit ihre Konstruktion unsichtbar.

Planer der Halle waren der bekannte Baukunstprofessor der TU Graz Architekt Friedrich Zotter und Architekt Karl Hoffmann sowie K. Demel. Zotter leitete ab 1928 die Lehrkanzel für Baukunst und Entwerfen der TU Graz und war nicht nur während der frühen NS-Zeit zwischen 1936 und 1938, sondern auch nach dem 2. Weltkrieg 1948/49 Rektor der TU. Sein Ruf als Architekt und Lehrer führte u.a. dazu, dass es heute den Friedrich-Zotter-Preis gibt, der jährlich an Architekturstudenten im Zusammenhang mit einem von der Architekturfakultät in Graz ausgeschriebenen Wettbewerb vergeben wird. Zotter ist nicht irgendein Architekt!


Dauerhafte Freilegung

Die von Zotter, Hoffmann und Demel geplante Holzkonstruktion der Messehalle 11 stellt zweifellos ein Baudenkmal dar. Ein Freilegung der Konstruktion von innen sollte den Zustand der Holzkonstruktion klären helfen. Wünschenswert wäre eine dauerhafte Freilegung der Holztragwerke. Da dem aber heutige feuerpolizeiliche Auflagen bei vielen Neunutzungen entgegenstehen dürften, stellt die Erhaltung sicher hohe Forderungen an die Kreativität und den Ideenreichtum von Auftraggeber und Planer. Darüber hinaus sollte gerade die Qualität der Halle durch eine translu-zente Dachhaut bzw. entsprechende Belichtungstechnik in ihrer architektonischen Konstruktion sowohl tagsüber als auch bei Dunkelheit zur optischen Wirkung kommen.

Die überlegte Zerlegung und die spätere Montage der 65 Jahre alten Holzhalle an anderer Stelle ist zwar möglich, wird aber auch recht kostspielig. Eine Verschiebung der Halle als Ganzes dürfte günstiger kommen. Die Idee von Landeskonservator Dr. Friedrich Bouvier, die Halle als seitlich offenes Flugdach zum Schutz gegen Regen für einen geplanten Messeparkplatz zu nutzen, scheint eine Möglichkeit. In freigelegter und präsentierter Form könnte die Halle zu einer architektonischen Attraktion für Graz werden.