unbekannter Gast
Geben Sie diesem Artikel Ihre Stimme:
8

Montana Haustropfen - ein altes Rezept der Volksmedizin?#

Die Apothekerfamilie Fischer und ihr Erfolgspräparat#


Von

Mag. pharm. Dr. Bernd E. Mader


Schon mehrere Male habe ich darauf verwiesen, daß es immer wieder großen Spaß macht sich historisch mit ehemaligen "Hausspezialitäten" zu beschäftigen.[1] Nicht weniger groß ist auch die Freude an der Arbeit mit Medizinen, die heute noch in Verwendung stehen. In unserer schnelllebigen Zeit kann man gerade an solchen Produkten zeigen, wie gut unsere pharmazeutischen Vorfahren schon damals gearbeitet haben und ihr Wissen effektvoll anzuwenden wußten. Von so einem Erfolgsprodukt sei heute die Rede.


Montana Haustropfen\© Archiv Dr. Gernot Fischer, Gratwein
Abb. 1: Montana Haustropfen

Am 5. Juli 1927 reichte Apotheker Mag. pharm. Ludwig Fischer, Besitzer der Apotheke "Zum schwarzen Adler" im oststeirischen Markt Pöllau im damaligen Bundesministerium für soziale Verwaltung, Sektion V (Volksgesundheit), seine "Bereitungsvorschrift" für "Montana Haustropfen"[2] ein. Mit Bescheid vom 23. September 1927 erhalten diese in erstaunlich kurzer Zeit die Zulassung als Spezialität und gleichzeitig die Registernummer 2637, die bis heute unverändert blieb[3] (Bild 1).

Die Montanastraße in Gratwein
Abb. 2: Die Montanastraße in Gratwein
© Fotostudio G. Donner, Gratwein
Fünfundsiebzig, für dieses Produkt sehr erfolgreiche, Jahre sind seither vergangen. Aus den Magentropfen eines oststeirischen Apothekers war ein, auch weit über Österreich hinaus bekanntes "Hausmittel" geworden. Dementsprechend erfolgt die Herstellung heute nicht mehr in einer Apotheke, sondern schon seit 1951 in der Fa. Pharmonta, einem chemisch- pharmazeutischen Laboratorium in Gratwein, nahe bei Graz. Und die Gemeinde Gratwein ist auch stolz auf diesen Betrieb. Das zeigt schon allein die Tatsache, daß im Jahre 1957, anläßlich des 30jährigen Bestehens der Firma "Pharmonta" in Gratwein, die zum Werk führende Straße in MONTANA STRASSE umbenannt wurde (Bild 2).

Erfolg hat immer mit Fleiß zu tun. Aber auch der einst vom Apotheker Ludwig Fischer so klug gewählte Name "Montana" für dieses Produkt, der kurz und prägnant, in jedem sofort die Assoziation weckt von Kräutern, die in der reinen Luft der Berge gewachsen und dort auch gewonnen werden, hatte sicher seinen Anteil am Erfolg.

Dr. Rudolf Fischer
Abb. 3: Dr. Rudolf Fischer
© Archiv Dr. Gernot Fischer, Gratwein
Manchmal kann man die Entwicklung und den Beginn einer später erfolgreichen Medizin historisch zurückverfolgen. Im Falle von "Montana" gibt es eine innerhalb der Familie Fischer weitergegebene, mündliche Überlieferung. Diese führt zu Dr. med. Rudolf Fischer (1859-1936), dem Großvater von Dr. Gernot Fischer, dem jetzigen Inhaber der Fa. Pharmonta (Bild 3). Dieser Vorfahre hatte in Wien Medizin studiert und hat sich nach Beendigung des Studiums zum Militär gemeldet. In jungen Jahren tat er als k.u.k. Militärarzt in Bosnien, in Sarajevo, seinen Dienst. Dieser Vorfahre hat nun - laut Familienüberlieferung - mit einer Medizin, die den heutigen "Montana Haustropfen" sehr ähnlich war, erfolgreich seine Patienten behandelt. Leider waren aber die magistralen Aufzeichnungen seiner Verschreibungen in den Wirren zu Ende des Ersten Weltkriegs und der damit verbundenen Übersiedlung nach Graz (1919) verloren gegangen.

Der in der Armee des alten österreichischen Kaiserreiches dienende Dr. Rudolf Fischer war auch eine jener interessanten Persönlichkeiten, an denen die alte Monarchie so reich war. Dr. Fischer war mit einer französischen Schweizerin verheiratet. Das Ehepaar hatte fünf Kinder, drei Söhne und zwei Töchter. Als Militärarzt zog er mit seiner Einheit von Garnisonsstadt zu Garnisonsstadt. Als sein Sohn Ludwig am 19. Mai 1888 geboren wurde, lag er gerade im ungarischen Igló[4] in Garnison.[5]

Den Familienerzählungen nach war Dr. Rudolf Fischer ein strenger Vater gewesen. In seiner Gegenwart durfte in der Familie nur deutsch gesprochen werden, war aber der Vater nicht zu Hause, redete die Mutter mit den Kindern französisch.

Als Protestant und erklärter Anhänger der "Los von Rom"- Bewegung genoß der Vater hohes Ansehen bei den Muslimen. Als besondere Auszeichnung bat man ihn zweimal, eine bosnische Pilgergruppe auf ihrer Mekkareise medizinisch zu betreuen - ohne natürlich selbst die heiligen Stätten betreten zu dürfen. Ein Gebetsteppich als Andenken von einer dieser Reisen ist heute noch im Familienbesitz.

'Gymnasiastenrevolte in Sarajewo'
Abb. 4: Ludwig Fischer war maßgeblich an der "Gymnasiastenrevolte in Sarajewo" beteiligt und wurde vom künftigen Besuch aller Landesschulen Bosniens ausgeschlossen (Illustrierte Kronenzeitung vom 21. Februar 1906)
Als Militärarzt zu Hilfe gerufen, war er letztlich noch Zeitzeuge eines bedeutenden Ereignisses. An jenem verhängnisvollen 28. Juni 1914, wo auf das österreichische Thronfolgerpaar in Sarajevo ein Attentat verübt wurde, war Dr. Rudolf Fischer einer der drei Ärzte, die leider nur mehr deren Tod feststellen konnten.[6]

Von den fünf Kindern war ausschließlich der Sohn Ludwig für die späteren "Montana Haustropfen" von Interesse, so daß unser weiteres Augenmerk nur ihm gilt. Die Einheit von Dr. Rudolf Fischer muß bald nach Ludwigs Geburt wieder nach Sarajevo zurück verlegt worden sein, denn Ludwig verbrachte dort seine Jugendjahre. Zeit seines Lebens hat er immer wieder vom Zauber des Orients, der in dieser Stadt zur Kaiserzeit geherrscht hatte, begeistert erzählt.

Nach der Grundschule besuchte Ludwig in Sarajevo das Deutsche Gymnasium, mußte aber dann, nach einem schulischen Lausbubenstück, ins Gymnasium nach Mostar wechseln (Bild 4). Dort wurde ausschließlich in kroatischer Sprache unterrichtet. In Mostar maturierte er dann auch.



Anschließend wollte Ludwig Fischer die Apothekerlaufbahn einschlagen und absolvierte, wie es damals den Vorschriften entsprach, vor Beginn des Pharmaziestudiums seine dreijährige Praktikantenzeit - sein Tirocinium - vorerst in Sarajevo, dann aber in einer steirischen Apotheke (1906-09). Daß es gerade die Pöllauer Apotheke "Zum schwarzen Adler" war, war ein Zufall, der ihm später sehr zu statten kam (Bild 5).

Ludwig Fischer
Abb. 5: Ludwig Fischer als Praktikant in der Pöllauer Apotheke (1906 - 09)
© Archiv Dr. Gernot Fischer, Gratwein
So konnte er sich auch schon damals an den (ost)steirischen Dialekt gewöhnen. Nach seiner Praktikantenzeit begann Ludwig Fischer in Graz das Studium der Pharmazie und beendete dieses am 18. Oktober 1912 erfolgreich.[7] Seine erste Stelle war in der Apotheke "Zur Mariahilf" in Marburg. In Marburg lernte er auch seine erste Frau kennen, die Bürgerstochters Ella Urban, die er am 10. Dezember 1913 ehelichte.[8] Dieser Ehe entsprossen zwei Kinder, die Söhne Rudolf (geb. 1914) und Hans (geb. 1916). Rudolf ergriff später selbst die Apothekerlaufbahn, Hans wurde Drogist und verstarb 1962.[9]

Ludwig Fischer machte in der Folge den Ersten Weltkrieg als Militärapotheker mit und wurde bereits 1914 in Polen mit dem Goldenen Verdienstkreuz ausgezeichnet (Bild 6). Nach dem Krieg war Ludwig Fischer im mehreren, damals noch steirischen Apotheken beschäftigt gewesen, so in Rohitsch-Sauerbrunn (Rogaška Slatina) und in Marburg (Maribor) (beides liegt heute in Slowenien), sowie in Hartberg und in Voitsberg (bei Apotheker Georg Lautner). In Marburg wurde auch Ludwig Fischer Augenzeuge eines historischen Ereignisses, des berüchtigten "Marburger Blutsonntages" (27. Jänner 1919).

Mag. pharm. Ludwig Fischer
Abb. 6: Mag. pharm. Ludwig Fischer als Militärapotheker (September 1917)
© Archiv Dr. Gernot Fischer, Gratwein
An diesem denkwürdigen Tage wollte sich die US-Coolidge-Kommission unter Colonel Sherman Miles ein Bild von der ethnischen Situation im Marburg machen. Die deutsche Bevölkerung versammelte sich vor dem Rathaus, unter ihnen war auch Ludwig Fischer. Der slowenische Kommandant von Marburg, Rudolf Majster, ließ auf die für ihr Deutschtum Demonstrierenden feuern, elf Tote und 60 Verletzte waren zu beklagen. Als die Kommission kam, konnte sie in Marburg keinen deutsch sprechenden Bevölkerungsanteil feststellen.[10]

Zwischenzeitlich arbeitete Ludwig Fischer auch für die Wiener Drogengroßhandlung Fritz Petzold & Süß, wobei ihm seine Sprachkenntnisse sehr zustatten kamen. Für diese Firma machte er zahlreiche Reisen nach Jugoslawien, Bulgarien und Polen. Er sammelte dabei reiche Erfahrung im Ein- und Verkauf pharmazeutischer Drogen.[11]

Als er im Jahre 1924 gerade in Knittelfeld in der Stadt-Apotheke "Zur hl. Dreifaltigkeit" (Apotheker Fritz Zaversky) tätig war, bot sich ihm die Möglichkeit, von seinem ehemaligen Kriegskameraden Karl Kacherle die Apotheke in Pöllau zu erwerben.[12] Am 1. April dieses Jahres ging die Apotheke dann auch wirklich in seinen Besitz über (Bild 7 und 8).[13]

Das war sicher ein sehr mutiger Schritt, da die Zeiten damals sowohl wirtschaftlich, als auch politisch sehr schwierig waren. Die Apotheke war stark verschuldet. Das lag nicht an einer schlechten Führung, sondern die Apotheke, man kann das heute kaum glauben, wurde von der abergläubischen Bevölkerung wegen einer Schauergeschichte, geradezu gemieden. Das wußte Ludwig Fischer natürlich aus seiner Praktikantenzeit, doch glaubte er, diesen Aberglauben durch Fachwissen und Fleiß überwinden zu können.

Die Apotheke 'Zum Schwarzen Adler' in Pöllau um 1925
Abb. 7: Die Apotheke "Zum Schwarzen Adler" in Pöllau um 1925
© Archiv Dr. Gernot Fischer, Gratwein
Kurz sei auf diese Schauergeschichte eingegangen. Im Volke herrschte früher die Meinung, daß jede Apotheke das Recht habe, jährlich einen oder auch mehrere Menschen zur Gewinnung von "Asank" (Asant; auch "Teufelsdreck" genannt) zu verarbeiten.[14] Es gab demnach viertel, halbe, dreiviertel und ganze Apotheken, je nach der Berechtigung, wie viele Menschen man jährlich verarbeiten durfte. Die Pöllauer Apotheke stand im Rufe eine "dreiviertel" Apotheke zu sein.

Ähnliches sagte man bestimmten Apotheken auch in Hartberg, in Graz - hier war es die Barmherzigen Apotheke - , im kärntnerischen Gmünd oder in Klagenfurt nach. Meist waren es rothaarige Frauen, die man in die Apotheke lockte. Dort fielen sie durch eine Falltüre in einen Keller und wurden dort zu Tode gekitzelt. Aus ihrem Schaum vor dem Munde habe man "Asank" gemacht.[15]

Mag. pharm. Ludwig Fischer
Abb. 8: Apotheker Mag. pharm. Ludwig Fischer im Winter 1928 vor seiner Apotheke in Pöllau//© Archiv Dr. Gernot Fischer, Gratwein
In Pöllau gab diese Geschichte immer wieder Anlaß, daß die Gendarmerie und sogar das Gericht bemüht wurden, um solchen abergläubischen Verdächtigungen nachzugehen. Noch zu Beginn der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts verdächtigte man den damaligen Leiter der Apotheke, er trage nur deshalb einen schwarzen Mantel in der Apotheke, damit man keine Blutflecken sehe.[16]

Auch Ludwig Fischer erzählte immer wieder, daß Bauern sich nicht getrauten die Apotheke zu betreten, sondern von der Eingangstüre aus mit einem Körberl, das an einer langen Stange befestigt war, ihre Einkäufe tätigten.[17]

Den Erinnerungen Ludwig Fischers war zu entnehmen, daß er eigentlich nicht allzu lange in Pöllau bleiben wollte.[18] Um den Schuldenberg abzubauen, beschäftigte er sich in dieser Zeit intensiv damit, für den Verkauf in der Apotheke erfolgreiche Medizinen zu entwickeln. Dabei kam ihm die väterliche, magistrale Rezeptur der Magentropfen wieder in den Sinn, die leicht abgewandelt und mit grünem Papier umwickelt, als "Pöllauer Haustropfen" bei der Bevölkerung gleich großen Anklang fanden.

Trotz dieses Erfolgs, war Ludwig Fischer mit der Namenswahl für seine "Haustropfen" nicht zufrieden. Bei einer eventuellen späteren Registrierung derselben war es sicher nicht günstig, sich auf "Pöllau" zu fixieren. So beschäftigte er sich intensiv damit, einen neuen Namen zu finden, bis er eines Tages einen glücklichen Einfall hatte.

Bei der Suche nach Kräutern für einen guten Nerventee stieß er unter anderem auf den "Berg-Ehrenpreis", einer Pflanze, die mit ihrem lateinischen Namen "Veronica montana" hieß. Das Beiwort "Montana" faszinierte ihn sofort.

Fortan beschäftigte er sich intensiv damit und überlegte sich unzählige Male, wie der Schriftzug von "Montana" aussehen könnte. Endlich damit zufrieden, ersetzte er noch die grüne Umwickelung der "Pöllauer Haustropfen" durch eine schwarze und ließ zudem als besonderes Signum auf der Etikette den Schriftzug "L. Fischer" in roter Farbe anbringen. Von den Signaturen mußte er dann gleich auch tausend Stück drucken lassen, da niemand zu weniger Stück bereit war. Stolz vermerkte man auf einem Prospekt für "Montana", daß man nun "Apotheke und chem. pharm. Laboratorium" war![19]

Wie uns ein vom 8. November 1925 datiertes Schreiben an die "Volks-Zeitung" in Wien, welches im Familienarchiv der Fam. Dr. Fischer aufbewahrt wird, zeigt, hatte Ludwig Fischer schon im Jahre 1925 den Namen "Montana" gefunden. In diesem Schreiben wurde die Redaktion "Volks-Zeitung" ersucht, nachfolgend wiedergegebenes Inserat zu veröffentlichen:

Magenleiden

und Verdauungsstörungen jeder Art

beheben nach kurzer Zeit die best-

bewährten "Haustropfen Montana".

Viele Dankschreiben! 1 Fl. S. 2.-

Adler Apotheke, Pöllau, Oststmk.[20]



Der große Verkaufserfolg mit "Montana-Haustropfen" veranlaßte Ludwig Fischer auch "Montana-Hauspillen" zu erzeugen, die er als "Abführ- und Blutreinigungsmittel" weiter empfahl.

In der Zwischenzeit geschieden, lernte Ludwig Fischer hier in Pöllau auch seine spätere Frau kennen, die Kaminfegermeisterstochter Gerfriede Berta Stalzer. Man heiratete am 25. Mai 1932.[21] Zu dieser Zeit war er schon lange von Pöllau, aber auch schon wieder von St. Peter bei Graz weggezogen. Dieser Ehe entstammte der jetzige Inhaber der Fa. Pharmonta, der am 7. Februar 1935 in Graz geborene Dr. Gernot Fischer.

Mag. pharm. Rudolf Fischer
Abb. 9: Apotheker Mag. pharm. Rudolf Fischer (geb. 1914)
© Archiv Dr. Gernot Fischer, Gratwein
Tatsächlich blieb Ludwig Fischer nicht lange in Pöllau. Wirtschaftliche Gründe bewogen ihn im Oktober 1929 die Apotheke an Karl Müller zu verkaufen und nach St. Peter bei Graz zu ziehen, wo er im Hause Hauptstraße 28 ein "Chemisch-pharmazeutisches Laboratorium" einrichtete.[22] Die neue Fabrikationsstätte ermöglichte es ihm schon damals, hunderte von "Montana"-Flaschen auf einmal abzufüllen.

Bereits zwei Jahre später, im November 1931 verläßt aber Ludwig Fischer St. Peter wieder und pachtet in dem nicht weit von Graz gelegenen Gratkorn die "Donatus-Apotheke". Auch die Fabrikation der "Montana-Haustropfen" verlegte er dorthin. Im Jahre 1947 wurde das "Chem. Pharm. Laboratorium Apotheker L. Fischer"[23] als Firma "Pharmonta" ins Handelsregister eingetragen.

Große Probleme bei der Beschaffung von Rohstoffen, Flaschen und auch von Heilkräutern waren für die Zeit des Zweiten Weltkrieges und die Nachkriegszeit kennzeichnend. Ein kleiner Zettel, der allen "Montana-Haustropfen" beigepackt wurde, sei als Beweis für die Not jener Tage hier wiedergegeben: "Weitere Montana-Tropfen werden nur gegen Rücksendung leerer Montana-Flaschen angeliefert"[24].

Im Jahre 1947 waren die ärgsten Schwierigkeiten überwunden. Ende dieses Jahres konnte man bereits wieder 45.672 Flaschen erzeugen![25] Seit 1951 wird die Erzeugung der "Montana-Haustropfen" nicht mehr von der Apotheke durchgeführt. Die Fa. Pharmonta wurde ein eigenständiger Betrieb und siedelte sich in Gratwein an.

Mag. pharm. Ludwig Fischer
Abb. 10: Der Gründer der Fa. Pharmonta Apotheker Mag. pharm. Ludwig Fischer (1888-1972) auf einer Aufnahme aus 1965
© Archiv Dr. Gernot Fischer, Gratwein
Im gleichen Jahr übergab Ludwig Fischer die Leitung der Apotheke an seinen aus erster Ehe stammenden Sohn Mag. pharm. Rudolf Fischer (geb. 1914). Dieser führte die Donatus-Apotheke bis zum Jahre 1967.[26] Am 1.April 1967 erwarb Apotheker Rudolf Fischer die Salvator-Apotheke in Bruck a. d. Mur, welche er heute noch innehat (Bild 9).[27]

Apotheker Ludwig Fischer war Zeit seines Lebens ein begeisteter Fußballanhänger. Von 1939 bis Kriegsende war er steirischer Fußballpräsident. Später war er ein großer Förderer des örtlichen Gratkorner Fußballvereins, aber auch ein treuer Fan des GAK. Apotheker Ludwig Fischer verstarb am 31. Juli 1972 (Bild 10).

Im Jahre 1955 feierte man in der Fa. Pharmonta ein großartiges Ereignis. Erstmals wurden über eine halbe Million Flaschen - genau waren es 505.342 Stück - pro Jahr erzeugt. Das entsprach einer Flüssigkeitsmenge von 23.664 Liter "Montana- Haustropfen"![28]

Dr. Gernot Fischer (geb. 1935), ein Sohn Ludwig Fischers aus zweiter Ehe, studierte ebenfalls Pharmazie. Im Jahre 1963 übernahm er die Fa. Pharmonta als Alleininhaber.[29] Als die gesetzlichen Vorgaben es zuließen, bewarb sich Dr. Gernot Fischer um eine Apothekenkonzession. Im Juni 1980 eröffnete er in Gratwein die "Fischer-Apotheke" (Bild 11)[30].

Mag. pharm. Dr. Gernot Fischer
Abb. 11: Der Apotheker und jetziger Firmeninhaber der Pharmonta, Mag. pharm. Dr. Gernot Fischer
© Archiv Dr. Gernot Fischer, Gratwein
Bereits seit 1970 werden in der Fa. Pharmonta die "Montana Haustropfen" auf einer vollautomatischen Abfüll- und Verpackungsstraße erzeugt. Schon im Jahre 1975 wurde der Chargenansatz auf 5000 Liter erhöht.[31] Seit dieser Zeit werden jährlich zehn solcher Chargen erzeugt.


75 Jahre Montana Haustropfen - es war ein langer, faszinierender, manchmal auch mühevoller Weg vom einfachen Mittel der Volksmedizin zum Erfolgspräparat im 3. Jahrtausend.


Haustropfen "Montana" - ein giftfreies Heilmittelextrakt

Mit diesen ins Auge springenden Worten warb Ludwig Fischer schon in seiner Pöllauer Apothekenzeit mit einem zweimal gefalteten, sechsseitigen Prospekt, für seine "Haustropfen Montana".[32] Heute würde man diesen Prospekt als "Folder" bezeichnen. Er zeigt, daß sich Ludwig Fischer schon damals (um 1927!) des hohen Stellenwertes einer guten Reklame durchaus bewußt war. Was waren die Inhaltsstoffe dieser Haustropfen?

Leider ist uns jene magistrale Vorschrift, die, der Überlieferung nach, vom Großvater stammen sollte und seinem Sohn Ludwig als Anregung für seine Magentropfen gedient hätte, verloren gegangen. Wir wissen auch nicht mit Sicherheit, ob es die "Pöllauer Haustropfen" oder ob es eine Abänderung gewesen war, welche man als "Haustropfen Montana" zur Registrierung eingereicht hatte.


Als Originalurkunde erhalten geblieben ist jedoch die von Ludwig Fischer, mit Datum 5. Juli 1927 abgefaßte "Bereitungsvorschrift für "Montana Haustropfen", um das Registrierungsverfahren einzuleiten. Sie lautet so:


"je 100 gr. Fruct. Juniperi

Herb. Absynthii

u. Fol. Menthae pip. werden mit

je 1 Liter Spir. Vini conc.

u. Aqua font. versetzt und daraus im Destilliationswege

die wirksamen Stoffe gewonnen und das Destillat

auf 2 Liter mit Spir. vini dil. ergänzt.


Sodann werden:

je 50gr. Rad. Sarsaparillae

Sassafras

je 100 gr. Fol. Trifolii fibrin.

Herb. Centaurii min.

Lign. Santali

Fol. Sennae

Rad. Calami

Gentianae

Valerianae

je 200 gr. Rhei chinens.

Cort. Aurant.

Aloe

Je 100 gr. Fruct. Cardamomi

Cort. Cinnamomi

Fruct. Carvi

in grobem Pulver gestoßen, mit der Mischung aus obigem Destillat und je 5 Liter Spir. Vini conc. und Aqua font. Im Perkulator zur Verdrängung gebracht und die Tinktur schließlich mit Spir. Vini dil. auf 12 Liter ergänzt.

Diese Tinktur wird in 50 gr. und in 100 gr. Flaschen

als einfache und Doppel-Flasche abgefüllt.

Erzeugerpreis: 50 gr. = S. 1.18

100 gr. = S. 2.[33]



Die schon zitierten schwierigen Kriegs- und Nachkriegszeiten, mit ihren eklatanten Rohstoffengpässen, haben manchmal Änderungen in der Zusammensetzung erforderlich gemacht. Im Archiv von Dr. Gernot Fischer ist eine Vorschrift für einen sogenannten "Kriegsansatz" erhalten geblieben. Änderungen in der Zusammensetzung gab es aber auch nach dieser Zeit.

Heute werden "Montana Haustropfen" nach modernen Erkenntnissen wissenschaftlicher Forschungsergebnisse hergestellt. Enzian- und Löwenzahnwurzel, Hopfenzapfen, Kümmel, Bitterorangenschale, Ceylonzimtrinde, Rotes Sandelholz und aetherisches Pfefferminzöl - das ist das Geheimnis der Zusammensetzung der "Montana Haustropfen" heute.[34]

Selbstverständlich hat sich auch der Arbeitsprozeß bei der Herstellung gewaltig geändert. Heute werden den Drogen mittels Turbomazeration die Inhaltsstoffe entzogen. Dabei finden laufend Inprozeßkontrollen statt. Am Ende steht abermals eine Qualitätskontrolle und schließlich die Konfektionierung der Tropfen. Selbstverständlich findet der ganze Herstellungsverlauf unter GMP-Regeln statt. [35][35|35]


Gutachten und Patientenbestellungen

Um ein rezeptfreies Präparat möglichst breitenwirksam bewerben zu können, waren immer schon ärztliche Gutachten und natürlich auch die Zuschriften vieler dankbarer Kunden von großer Wichtigkeit. Bei den "Montana"-Haustropfen war das auch nicht anders.

In einem Prospekt, welches um das Jahr 1957 gedruckt worden sein muß ("Über 30 Jahre Montana Haustropfen"!), vermerkte Obermedizinalrat Dr. Max Buxbaum, leitender Chefarzt der Landesversicherungsanstalt für Steiermark und Kärnten, daß die "..... 'Montana-Tropfen' in der Praxis der Kassenärzte als Stomachicum besonders Anklang gefunden haben".[36]

Als wichtiges Zeitdokument für die Rohstoffknappheit nach dem Kriege dient hier ein Nachsatz: "Es wäre wünschenswert, wenn dem Erzeuger, Herrn Apotheker L. Fischer in Gratwein, die zur Erzeugung benötigten Rohstoffe in genügenden Mengen zugewiesen würden, damit der unleidliche Zustand an Magen- und Darmheilmittel zum Teil behoben wird".

Primarius Dr. Skursky vom "Krankenhaus und Genesungsheim der Barmherzigen Brüder in Eggenberg bei Graz" verordnete zahlreichen seiner Patienten "Montana-Haustropfen" bei Appetitlosigkeit, und das mit großem Erfolg. Er schreibt, "....... daß sich Montana nach unseren bisherigen Erfahrungen als Stomachicum bestens bewährt und somit auch jederzeit bestens empfohlen werden kann".[37]

Der praktische Arzt Dr. Karl Allmeder aus Spitz a. d. Donau schreibt unter anderem: "Ich muß gestehen, daß der Hersteller eine besonders glückliche Hand bei der Zusammenstellung der verschiedenen Drogen bewiesen hat, umsomehr, als k e i n e r l e i G i f t e (!) dabei enthalten sind!" . Er kommt zum Schluß, daß die "Montana-Haustropfen" ein sehr gutes Mittel wären, " ...... welches jedermann, der an M a g e n - D a r m - G a l l e n - E r k r a n k u n g e n leidet, bestens empfohlen werden kann".[38]

In Werbebroschüren für "Montana" wurden in besonders großer Zahl Auszüge aus Schreiben dankbarer Kunden veröffentlicht. Manche schilderten ihr Leiden hoch dramatisch und äußerst anschaulich. Bei anderen wiederum konnte man die große Dankbarkeit, und wie großartig ihnen die Tropfen geholfen hätten, herauslesen. Vielen Schreiben war eine gewisse Komik nicht abzustreiten. Manchen halfen sie auch bei eher ungewöhnlichen Leiden. Dafür zwei Beispiele:

So schrieb eine Frau aus Graz: "Ganz außerordentliche Erfolge erzielte ich durch Ihre Montana-Tropfen bei meinem durch die Wechseljahre hervorgerufenen schweren Leiden; ich kann diese Tropfen allen Frauen in diesen bitteren Zeiten des Wechsels bestens empfehlen".[39]

Noch interessanter waren die Erfahrungen eines Steirers aus Bruck a. d. Mur. Er schrieb: "Mit großem Erfolg habe ich Ihre Montana-Tropfen bei Malaria angewendet und bin Ihnen sehr dankbar".[40]

Das Archiv von Dr. Fischer war eine wahre Fundgrube für viele weitere interessante Schreiben. Meist wurden Dankschreiben mit einer neuen Anforderung kombiniert. Einige der Schreiben stammten sogar aus den Vereinigten Staaten, so eines aus Kearny, New Jersey, ein weiteres kam aus Milwaukee, Wisconsin, ein drittes aus Albany in Kalifornien. Im letzten Schreiben hatte ein Anwalt "Montana Haustropfen", offenbar auf einer Urlaubsreise, am Semmering gekauft und war damit so zufrieden, daß er diese sich nach Kalifornien nachschicken lassen wollte.

Hier fanden sich auch wieder kuriose Schreiben. So schrieb z. B. im Jahre 1959 eine Frau aus Krems:

"Ich habe mir auch eine Flasche von Ihren Montana-Haustropfen gekauft, weil ich so Kopfschwindel habe. Und jetzt, seitdem ich diese Ihre Tropfen verwende, habe ich guten Schlaf, wo ich doch früher ständig immer an Schlaflosigkeit litt, und der Schwindel ist mir fast auch schon vergangen. Ich werde mir wieder so eine Flasche dieser Tropfen kaufen. Ich kann diese Montana-Haustropfen nur jeder Frau, die an Kopfschwindel leidet, empfehlen."

Ein letztes Schreiben sei hier wegen seines eigenwilligen Stils angeführt.

"Montana!"

Darunter die Adresse des Absenders. Dann geht das Schreiben wie folgt weiter:

"Wentte mich an Die Firma! Möchte meinen Högsten Tang Auspressen für di bewertten Montana Tropfen? di ich Schon seiht 1952ig Genomen, habe. sint Seer foreilhaft, ich wertte es Auch weiterhin Brauchen. in meinen 77jahr. Filegrüsse von unz. Unterschrift


Letztlich kam es immer wieder vor, daß der Name "Montana" falsch geschrieben, falsch gehört oder verballhornt wurde. Mit einer Postkarte aus dem Jahre 1929 wurden z.B. "Mangana-Haustropfen" bestellt.[41] Und immer wieder wird im Kollegenkreis lachend erzählt, jemand sei gekommen und habe entweder einen sogenannten "Schickzettel" vorgezeigt oder habe es so verlangt: Dann war jedesmal von den "Madonna-Tropfen" die Rede! Gleichlautende Bestellungen gab es natürlich auch schriftlich.


Im Jahre 1979 veröffentlichte Primarius Dr. Karl Kartnig, damaliger Vorstand der Internen Abteilung des Krankenhauses der Elisabethinen in Graz in der Fachzeitschrift "Der Praktische Arzt" eine Untersuchung, die er an 34 Patienten mit fünf verschiedenen Indikationsstellungen durchgeführt hat. Bei jeder Indikationsstellung trat bei Einnahme von "Montana-Haustropfen" eine deutliche Besserung ein.[42] Er beendete diese Arbeit mit folgendem Satz: "Bei guter Verträglichkeit zeigten sich keine nachhaltigen Nebenerscheinungen."[43] Kann über ein modernes Medikament je besseres gesagt werden?


Im Zeitraum von Oktober 2000 bis Juni 2001 wurde von 11 Ärzten eine erweiterte, multizentrische österreichweite Anwendungsbeobachtung mit Montana Haustropfen an 105 Personen durchgeführt. Die Ergebnisse bestätigten eine sehr gute bis gute Wirkung von Montana Haustropfen bei Magenübelkeit, Völlegefühl, Blähungen und Appetitlosigkeit, sowie eine zufriedenstellende Wirkung bei Krämpfen, Schmerzen im Magen-Darm-Trakt, Gallenbeschwerden und bei Stuhlverstopfung. Außerdem wurde die Verträglichkeit und Akzeptanz von Montana Haustropfen als ausgezeichnet beurteilt.[44]


Literarische Spuren

Es mag für viele eine Überraschung sein, daß "Montana Haustropfen" auch von Dichtern, Schriftstellern und sogar Kabarettisten erwähnt und in deren Werken angeführt wurden. Eine der treuesten Anhängerinnen von "Montana-Haustropfen" über Jahrzehnte hinweg war die bekannte steirische Dichterin des "Grimmingtores", die Öblarnerin Paula Grogger (1892-1984)[45] (Bild 12)[46]. Mehrmals hat sie diese Vorliebe zu "Montana" schriftlich zum Ausdruck gebracht. Dr. Gernot Fischer ist im Besitz des Grogger`schen Buches "Der Lobenstock", in welches diese am 1. September 1965 für ihn nachfolgende Widmung hineingeschrieben hat:


"Aus der Quelle der natura

Schöpft die Tochter Pharmazie

Allerhand arcana pura

Unsereiner weiß nicht, wie.


Enzian, Baldrian und Hopfen,

Wermuth, Tausendguldenkraut

Sind nur als Montana Tropfen

Gratweinenses längst vertraut.


Herz und Hirn ist lebensfrischer,

Wenn die Ingeweid nicht krank.

Dem Magister Dr. Fischer

Und dem Senior schönsten Dank!


Mea culpa est obscura

Also zahl ich heute bar

In Ermangelung der factura

Ein a conto Honorar."



Wie aus dieser Widmung und auch aus nachfolgenden Belegen hervorgeht, dürfte Paula Grogger nie für die "Montana Haustropfen" bezahlt haben, sondern man sah es als Ehre an, daß diese bei der Dichterin in Verwendung standen. Paula Grogger revanchierte sich das eine Mal mit einem Buch, ein andermal, wie man dem nachfolgendem Dankesgedicht entnehmen konnte, mit hochgeistig Gebranntem. So schrieb sie zehn Jahre später, am 10. August 1975, an Dr. Fischer:


"Hochgeschätzter Herr Doctor-Magister,


Meine Prognosen sind manchesmal düster.

Denn das Alter bringt nicht nur Wehwehchen

Sondern auch allerhand ernste Gebrechen.

Ich leide zum Beispiel an Stoffwechselschwächen,

An Gährungsprozessen und Herzeklopfen,

Milch, Schokolade tut mich verstopfen.

Drum schätze ich Ihre Montana-Tropfen

Und sämtliche bitteren Elexiere,

Auf deren heilsame Wirkung ich schwüre,

Weil ich sie schon seit Jahrzehnten spüre.

Was i c h , dafür dankbar, zu bieten habe,

Ist volksmedizinisch erprobte Labe,

Gebrannt in der Kuchel der Urwissenschaft.

Geniessen Sies stamperlweis sinnbildhaft

Zum Wohl der Famili(e) und Ihrer Geschwister.

Es lebe im Apotheker-Register

Ihr seliger Vater, der Meistermagister!"[47]

Paula Grogger
Abb. 12: Die bekannte steirische Dichterin Paula Grogger
© Landesmuseum Joanneum, Bild- und Tonarchiv, Graz
Nachdem Dr. Fischer sich für diese Gabe der Dichterin bedankt hatte, schrieb diese ihm am 22. August zurück:

"Lieber Herr Dr. Magister,

ich bin soooo froh, dass ich Ihnen eine Freud hab machen können. Denn Sie bringen mich nicht los, so lang ich lebensfähig bin. Zur Zeit bin ich leider ziemlich unterbelichtet und von Untergrundbewegungen verstört. Mit Ihren Tropfen bewältige ich manche `Minderwertigkeitskomplexe`.......". Das weitere stand nicht unmittelbar mit den Haustropfen im Zusammenhang.[48]


Ein letzter Beleg fand sich im Buch "Späte Matura", wo Paula Grogger, die Gratulanten und deren Geschenke anläßlich ihres 80sten Geburtstages beschrieb. Unter diesen befand sich auch der "Doktormagister mit einer Batterie Montanatropfen".[49]


Aus einem ganz anderem Gebiet kommt der nächste Autor. Es ist der bekannte Wiener Soziologe Univ. Prof. Dr. Roland Girtler. Roland Girtler gilt als Experte für Randkulturen, er schrieb u.a. über Sandler, Zuhälter, Schmuggler, Wilderer und aber auch über den Untergang der bäuerlichen Kultur. Ein besonders liebevolles Buch hat er dem Wirken und Andenken seiner Eltern gewidmet, die als Landärzte in Spital am Pyhrn gewirkt hatten. Aus dem Buch "Landärzte" sei eine Stelle hier zitiert:

" Ein besonders beliebtes `Hausmittel`, das mein Vater aus der Hausapotheke verschrieb, waren die `Montana-Magentropfen`, die geradezu Wunder gewirkt haben. So erzählte mir ein Wiener `Sommerfrischler`, der bei einem Bauern in Oberweng bereits als Bub in den fünfziger Jahren mit seinen Eltern die Sommermonate verbrachte, er habe an einem Freitag arges `Bauchweh` bekommen. Darauf sei der Knecht zum Arzt geschickt worden, er solle zu einem Krankenbesuch kommen. Der Arzt kam auch. Der Sommerfrischler erinnerte sich, daß der Arzt in einem Motorradmantel und mit Motorradhaube vor ihm, dem kranken Buben, gestanden sei. Er habe ihm den Bauch abgetastet und daraufhin Montana-Magentropfen gegeben. Diese hätten ihm sofort geholfen. Bis heute würden ihm diese bitteren Tropfen ein beliebtes Hausmittel sein. Nicht nur für diesen Hinweis auf diese köstlichen Tropfen ist er dem alten Arzt dankbar, sondern auch für seine Art, in der er mit ihm sprach."[50]


Über die nächste Stelle muß sich Dr. Gernot Fischer besonders erfreut haben, war er doch selbst lange Jahre ein sehr erfolgreicher Rennfahrer - zweimal sogar Rallyestaatsmeister (1967, 1971) - gewesen. Gerhard Berger berichtete über seine Rennfahrerlaufbahn in dem Buch "Zielgerade". Dort beschrieb er u. a. sehr detailgenau alle Vorbereitungen, die vom Rennfahrer und seinem Team vor dem Rennen getroffen wurden. Hier wiedergegeben ein kurzer Ausschnitt des Geschehens ca. zwei Stunden vor dem Rennen:

" Harry (Hawelka) serviert mir einen kleinen Espresso, dazu ein paar Tropfen vom roten Magenbitter, das sind die Montana Haustropfen, damit der Kaffee den Magen nicht reizt. Dann kommt mein stinkendes japanisches Öl, aber Harry sagt, wenn man diesen Geruch mag, dann stinkt es nicht, sondern riecht bloß stark nach Minze. Es ist erfrischend und kühl, der Körper fühlt sich wie ein Zimmer, in dem du alle Fenster aufgerissen hast."[51]


Im Internet fand sich schließlich noch die Beschreibung einer Szene, die von den Kabarettisten Dirk Stermann und Otto Grissemann gespielt wird. Der Sketch heißt "Arztarzt Dr. Szenemieze" und wurde so beschrieben:

"Arztarzt Dr. Szenemieze ist Arztarzt. Dr. Szenemieze, der rotwangige freundliche Gynäkologendoktor, trägt ständig ein kleinkalibriges Gewehr am Arztgürtel, trinkt gern einmal ein Glas Montana-Haustropfen zuviel und ist privat ein Bastler in Unterhaltungselektronik. Bekannt wurde Szenemieze in Ohio aber vor allem wegen seiner Fähigkeit, Frauen zu Babys zu verhelfen die keine Neugeborenen sind.


Arztarzt Dr. Szenemieze hat im Verlauf seiner Karriere als interessanter Geburtshelfer bereits 64 Babys zur Welt gebracht die bei ihrer Geburt älter als 28 waren! Seine Patientinnen, ausschließlich Ärztinnen aus Columbus, schätzten Szenemieze und nennen ihn liebevoll 'Old Baby Doc'."[52]


Diese breite Streuung von Autoren mit unterschiedlichsten Berufen zeigt uns einmal mehr, wie sehr "Montana" als Hausmittel in allen Lebenslagen in der österreichischen Bevölkerung verankert und wahrscheinlich auch nicht mehr wegzudenken ist. Und die Kontinuität wird bewahrt bleiben, denn bereits die nächste Generation Fischer, die beiden Töchter Ulla und Edda von Gernot Fischer und Rudolf Fischers Sohn Gerhard haben bereits ihr Pharmaziestudium erfolgreich beendet und stehen seit Jahren mit Begeisterung und neuen Ideen im Berufsleben.


Bilderfolge:

Bild 1: Montana Haustropfen in zeitgemäßer Verpackung

Bild 2: Die Montanastraße in Gratwein (Foto: Fotostudio G. Donner, Gratwein)

Bild 3: Dr. med. Rudolf Fischer (1859 - 1936)

Bild 4: Ludwig Fischer war maßgeblich an der "Gymnasiastenrevolte in Sarajewo" beteiligt und wurde vom künftigen Besuch allen Landesschulen Bosniens ausgeschlossen (Illustrierte Kronenzeitung vom 21. Februar 1906)

Bild 5: Ludwig Fischer als Praktikant in der Pöllauer Apotheke (1906 - 09)

Bild 6: Mag. pharm. Ludwig Fischer als Militärapotheker (September 1917)

Bild 7: Die Apotheke "Zum schwarzen Adler" in Pöllau um 1925

Bild 8: Apotheker Mag. pharm. Ludwig Fischer im Winter 1928 vor seiner Apotheke in Pöllau

Bild 9: Apotheker Mag. pharm. Rudolf Fischer (geb. 1914)

Bild 10: Der Gründer der Fa. Pharmonta Apotheker Mag. pharm. Ludwig Fischer (1888 - 1972) auf einer Aufnahme aus dem Jahre 1965.

Bild 11: Der Apotheker und jetziger Firmeninhaber der Pharmonta Mag. pharm. Dr. Gernot Fischer.

Bild 12: Die bekannte steirische Dichterin Paula Grogger (Foto: Landesmuseum Joanneum, Bild- und Tonarchiv, Graz)


Alle Bilder, außer den angeführten, Archiv Dr. Gernot Fischer, Gratwein


Nachlese


Univ. Prof. Dr. Elfriede Grabner auf einer Karte vom 17. 4. 2002:


Lieber Herr Dr. Mader!

Herzlichen Dank für die Übersendung Ihrer Studie über die "Montana Haustropfen". Sie haben damit ein "Volksheilmittel" treffend dokumentiert! Ich erinnere mich noch lebhaft an die Erzählungen meines + Vaters, der neben seiner Praxis auch eine Hausapotheke führte, und der von dem guten Abgang und Zuspruch durch die burgenländische u. oststeirische Bevölkerung berichtete. (Er selbst hat das Mittel ja eher als "Placebo" eingestuft!!)

Bei mir selbst ist es zur Zeit etwas unruhig, da ich mit einigen Arbeiten, vor allem mit der Herausgabe eines neuen Buches im Böhlau-Vlg. beschäftigt bin. Herzliche Grüße und alles Gute! Ihre E. Graber


Univ. Prof. Dr. Roland Girtler:

Sein Vater, praktischer Arzt in Spital a. P., mit Hausapotheke, wußte den Preis für Montana Haustropfen, noch als er schon moribund war. Er betrug S. 21,80. Roland Girtler selbst führt auf all seinen Forschungsfahrten Montana Haustropfen mit sich.


1[1] Vgl. Bernd E. Mader, Der "Steirische Kräutersaft". Teil I und II. In: ÖAZ, 53. Jg., Wien 1999, Nr. 8 und Nr. 10, S. 365ff. bzw. 453ff. - Derselbe, Jecol oder Asello?. Teil I und II. In: ÖAZ, 55. Jg., Wien 2001, Nr. 9 und 10, S. 436ff bzw. 482ff.

2[2] Das Zitieren war nicht immer einfach, da einmal von "Montana Haustropfen", das andere mal von "Haustropfen Montana" die Rede war. Laut Dr. Gernot Fischer sind beide Namen geschützt. Innerhalb dieser Arbeit wird der jeweils an der entsprechenden Stelle verwendete Ausdruck angeführt.

3[3] Apotheker L. Fischer nahm damals die Dienste von Mag. pharm. Anton Ed. Prant, der in Wien, in Schönbrunner Schloßstraße 46/I wohnte, in Anspruch. Dieser Kollege war, laut eigener Angaben, ein Spezialist für alle Angelegenheiten der Registrierung. Original- schreiben im Archiv von Dr. Gernot Fischer.

4[4] Igló liegt heute in der Slowakei, nahe Leutschau/Lečova, im ehemaligen großen deutschen Siedlungsgebiet der Zips.

5[5] Vgl. Kurt Ryslavy, Geschichte der Apotheken der Steiermark und der Untersteiermark bis nach dem Ersten Weltkrieg (= Ryslavy, Geschichte), Wien 1992, S. 55

6[6] Die Geschichte der Familie Fischer verdanke ich weitgehend Dr. Gernot Fischer, dem ich dafür aufrichtig danken möchte.

7[7] Ryslavy, Geschichte, S. 55.

8[8] Vgl. Bruno Brandstetter, Pöllauer Gesundheitswesen einst und jetzt (=Brandstetter, Pöllau), maschingeschriebenes Manuskript in der Steiermärkischen Landesbibliothek, Graz und Pöllau 1965, S. 18.

9[9] Ebda.

[10] Vgl. Stefan Karner, Die Steiermark im 20. Jahrhundert, Graz-Wien-Köln 2000, S. 131f.

[11] 75 Jahre Montana Haustropfen. Die Geschichte der Montana Haustropfen (= 75 Jahre Montana). Unveröffentlichtes Manuskript, o. J., o. O., S. 1

[12] Ebda.

[13] Vgl. Ryslavy, Geschichte, S. 200
[14] Vgl. Frido Kordon, Bäuerliche Arzneimittel im ostmärkischen Alpengebiet, Wien 1940,
S. 14. - Elfriede Grabner, Der Mensch als Arznei. Alpenländische Belege zu einem Kärntner Schauermärlein (Festgabe für Oskar Moser), Klagenfurt 1974, S. 81ff.- Dieselbe, Grundzüge einer ostalpinen Volksmedizin (= Grabner, Grundzüge), Wien 1985, S. 194ff. - Brandstetter, Pöllau, S. 19f.

[15] Vgl. z. B. Grabner, Grundzüge, S. 195.

[16] Vgl. Brandstetter, Pöllau, S. 20 - Grabner, Grundzüge, S. 196.

[17] Nach einer Erzählung von Dr. Gernot Fischer

[18] 75 Jahre Montana, S. 1

[19] Auf einem Prospekt für "Haustopfen Montana" der Pöllauer Apotheke "Zum schwarzen Adler"; ohne Jahresangabe (Archiv Dr. Gernot Fischer).

[20] Vgl. 30 Jahre Montana Haustropfen (=30 Jahre Montana). Eine Zusammenstellung in Bild und Wort. Gewidmet von der Gefolgschaft. Gratwein, im März 1956. Fotoalbum im Besitz von Dr. Gernot Fischer.

[21] Vgl. Brandstetter, Pöllau, S. 18.

[22] Vgl. Bestellkarte mit Poststempel vom 9. VI. (19)31. Quelle wie oben.

[23] Offizielle Anschrift auf einer Bestellkarte mit Adresse: Gratkorn, Stmk. Donatus-Apotheke. Quelle wie oben.

[24] Vgl. 30 Jahre Montana.

[25] Ebda.

[26] Vgl. Ryslavy, Geschichte, S. 55.

[27] Ebda. S. 26; hier fälschlich mit 1987 angegeben!

[28] Vgl. 30 Jahre Montana.

[29] Vgl. Ryslavy, Geschichte S. 56. - Vgl. weiters: Österreichische Apotheker-Zeitung, 42. Jg., Folge 33/34, Wien 1988, S. 639. "Pharmonta - Mag. pharm. Dr. Fischer".

[30] Vgl. Ryslavy, Geschichte, S. 56.

[31] 75 Jahre Montana, S. 2 (Die Geschichte der Montana Haustropfen).

[32] Archiv. Dr. Gernot Fischer

[33] Diese, von "Mag. ph. L. Fischer, Apotheker, Pöllau" unterzeichnete Urkunde, befindet sich im Archiv. Dr. Gernot Fischer.

[34] 75 Jahre Montana. Herstellung eines Phytotherapeutikums am Beispiel von Montana Haustropfen. Unveröffentllichtes Manuskript, o. Jahr, o. Ort, S. 6 (Die Wirkung). - Vgl. weiters: Anwendungsbeobachtung Montana Haustropfen. Eine multizentrische österreichweite Anwendungsbeobachtung (durchgeführt im Zeitraum von Oktober 2000 bis Juli 2001), Archiv Dr. Gernot Fischer.

[35] Ebda, S. 4 (Die Produktion) und S. 5. (Die Qualitätssicherung).

[36] Vgl. das Prospekt "Auf den ersten Blick erkennen Sie diese Organe", o. J. (um 1957), o. O. S. 5.

[37] Ebda. S. 6

[38] Ebda.

[39] Wie 36, S. 12

[40] Ebda. S. 9.

[41] Vgl. 30 Jahre Montana, o. S.

[42] Vgl. Der Praktische Arzt. Österreichische Zeitschrift für Allgemeinmedizin. Sonderddruck. 33. Jg., 1. Februar 1979.

[43] Ebda.

[44] Vgl. Anm. 34, Anwendungsbeobachtung Montana Haustropfen

[45] Vgl. dazu: Christoph Heinrich Binder, Paula Grogger. Ein biographischer Abriß. Kleine Schriften des Landesmuseums Schloß Trautenfels am Steiermärkischen Landesmuseum Joanneum, H. 9, Trautenfels 1985. Paula Grogger wurde am 12. Juli 1892 in Öblarn geboren, ab 1914 war sie Lehrerin; ihr berühmtester Roman "Das Grimmingtor" erschien 1926, er wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. 1935 erschien "Der Lobenstock". Zahlreiche Auszeichnungen, darunter: Österr. Verdienstkreuz für Kunst und Wissenschaft I. Klasse (1936), Medaille der Stadt Wien (1936), Peter Rosegger-Preis des Landes Steiermaark (1952), Handel-Manzetti- Sonderpreis (1955), Silberne Erz. Johann-Plakette (1959), Ehrenring des Landes Steiermaark (1961), Titel "Professor" (1966). Sie starb am 1. Jänner 1984 in Öblarn.

[46] Dem Landesmuseum Joanneum bzw. seinem Bild- und Tonarchiv in Graz sei für das Überlassen der Aufnahme herzlich gedankt.

[47] Maschinengeschriebener Brief im Besitz von Dr. Gernot Fischer.

[48] Wie Anm. 45

[49] Vgl. Paula Grogger, Späte Matura, Graz Wien Köln 1975, S. 489.

[50] Vgl. Roland Girtler, Landärzte. Als Krankenbesuche noch ein Abenteuer waren. Wien-Köln-Weimar 1997, S. 82.

[51] Vgl. Gerhard Berger, Zielgerade, Wien 1997, S. 49

[52] Vgl. www.stermann-grissemann.com